Dezember Wulff wackelt, Werder verlängert

Bremen. Wirbel um Bundespräsident Christian Wulff: Hat er durch den Kredit eines Unternehmer-Ehepaars das Ansehen des Amtes beschädigt? Ungebrochenes Vertrauen hat dagegen Werder Bremen in Klaus Allofs und Thomas Schaaf. Ihre Verträge sind verlängert
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Wulff wackelt, Werder verlängert
Von Sarah Haferkamp

Bremen. Wirbel um Bundespräsident Christian Wulff: Hat er durch den Kredit eines Unternehmer-Ehepaars das Ansehen des Amtes beschädigt? Ungebrochenes Vertrauen hat dagegen Werder Bremen in Klaus Allofs und Thomas Schaaf. Ihre Verträge sind verlängert worden.

Kredit-Affäre um Christian Wulff: Die Vorweihnachtszeit hatte für Bundespräsident Christian Wulff einen faden Beigeschmack. Am 12. Dezember meldeten Medien, dass der ehemalige niedersächsische Regierungschef von dem befreundeten Unternehmerehepaar Geerkens einen Privatkredit über 500.000 Euro zu günstigen Konditionen angenommen hat. Die Enthüllung sorgte für viel Wirbel, denn 2010 musste sich Christian Wulff im niedersächsischen Landtag der Frage stellen, ob er geschäftliche Beziehungen zum Unternehmer Egon Geerkens unterhält.

In dessen Villa hatte er zusammen mit seiner Frau Bettina seinen Weihnachtsurlaub verbracht und war deswegen in die Kritik geraten. Im Landtag hatte Wulff als damaliger Ministerpräsident den Kredit nicht angegeben, als er nach geschäftlichen Beziehungen zu Egon Geerkens gefragt wurde. Begründet hatte er dies damit, dass er das Darlehen von dessen Ehefrau Edith Geerkens bekommen habe.Das geliehene Geld stamme aus ihrem Vermögen. Laut Ministergesetz sind Belohnungen oder Geschenke an Regierungsmitglieder jedoch nur in Ausnahmen zulässig.

Für Verwirrung sorgte Egon Geerkens dann selbst. Gegenüber dem Nachrichtenmagazin „Spiegel“ erklärte er, dass die Verhandlungen über den Kredit von ihm geführt worden seien. Zudem besäße er eine Vollmacht über das Konto seiner Frau. Das warf viele Fragen auf, die zu diesem Zeitpunkt noch nicht geklärt sind. Hat der Unternehmer persönliche oder geschäftliche Vorteile aus dem Leihgeschäft gezogen? Wulff dementiert dies und hält auch an seinem Amt als Bundespräsident fest. Unterstützung kam auch zugleich von der Bundeskanzlerin Angela Merkel.

Sie bescheinigte dem Bundespräsidenten ihr „vollstes Vertrauen“. Im Moment bleibt ihr vielleicht auch keine andere Wahl. Die Opposition brachte schon indirekt einen Rücktritt Wulffs ins Gespräch. SPD-Generalsekretärin Nahles zweifelt aufgrund der Verschwiegenheit Wulffs an dessen Vorbildfunktion. Aus Sicht von Linke-Chefin Gesine Lötzsch ist die zentrale Frage, ob Wulff für einen Gefälligkeitskredit auch gefällige politische Entscheidungen getroffen habe.

Unklar ist auch, wie die privaten Urlaubsreisen Wulff einzuordnen sind. Der Bundespräsident hatte am 19. Dezember über seinen Anwalt eine Liste privater Reisen veröffentlicht. Darin heißt es „Herr Wulff hat während seiner Amtszeit als Ministerpräsident des Landes Niedersachsen seine Urlaube in der Regel in Hotels und Ferienanlagen gebucht. Gelegentlich hat er seine Ferien abgeschieden von der Öffentlichkeit bei befreundeten Familien verbracht.“

Die Urlaubsreisen hätten keinen Bezug zu seinen öffentlichen Ämtern gehabt. Doch ist das eine ausreichende Erklärung? Der Bundespräsident hüllt sich bisher weitestgehend in Schweigen und gibt sich gelassen. Viel zu sagen, hat er zu dem Thema nicht. Stattdessen gewährt er Journalisten in einer Berliner Anwaltskanzlei Einsicht in seine Kreditunterlagen.

Als wäre das alles nicht schon genug, bringen weitere Enthüllungen den Bundespräsidenten in Bedrängnis. Seit dem 20. Dezember ist klar, dass der Versicherungsunternehmer Carsten Maschmeyer 2007 eine Anzeigenkampagne für Christian Wulffs Buch „Besser die Wahrheit“ finanziert hat. Ein Sprecher Maschmeyers bestätigte dies.

Der Gründer des Finanzdienstleisters AWD hatte während des niedersächsischen Wahlkampfs 2007 rund 42.700 Euro für die Anzeigen aus seinem Privatvermögen ausgegeben und auch nicht steuerlich geltend gemacht. Wulff selbst hätte davon nichts gewusst, ließen seine Anwälte verlauten. Wie es in der Kredit-Affäre um Christian Wulff weitergeht, wird uns sicherlich 2012 noch einige Zeit beschäftigen.

Bremen: Werder verlängert mit Allofs und Schaaf: Der Dezember war für Werder-Fans ein Wechselbad der Gefühle. Am 3. Dezember traten die grün-weißen auswärts beim Rekordmeister FC Bayern München an. Doch wie so oft in dieser Hinrunde konnte die Mannschaft keine Punkte mit nach Hause bringen. Mit einem 1:4 und hängenden Köpfen ging es zurück nach Bremen. Eine Woche später sah die Welt schon wieder anders aus.

Das Heimspiel gegen den VFL Wolfsburg gewann die Elf von Thomas Schaaf souverän mit einem 4:1. Damit waren sieben von acht Heimspielen in dieser Saison gewonnen. Theoretisch eine Traum-Bilanz, wären da nicht die Auswärtsspiele. Das Auswärtsspiel gegen den 1. FC Schalke 04 offenbarte nochmal alle Lücken, die Werder im Verlauf der Hinrunde nur schwer schließen konnte. Die Mannschaft präsentierte sich harmlos, was letztendlich zu einer herben 5:0 Klatsche führte. Zuhause top, auswärts flop – so kann die Hinrunde zusammengefasst werden.

Zwei Tage nach der großen Auswärtspleite beim FC Schalke 04 lud Werder Bremen zu einer Pressekonferenz ins Weserstadion. Mit 29 Punkten überwintert Werder auf einem guten Platz 5 in der Tabelle. Im Vergleich zur Vorsaison ist das ein ansehnliches Ergebnis. Ist es dennoch Zeit für ein öffentliches Krisengespräch?

Eigentlich ist das nicht die hanseatische Art und so war das Debakel von Gelsenkirchen auch nicht Thema. Vielmehr setzte die Vereinsführung den drohenden Diskussionen um Trainerwechsel und Co. in der Winterpause einen Riegel vor. Um 13:19 Uhr verkündete der Verein bereits auf der offiziellen Facebook-Seite die Vertragsverlängerung von Chef-Trainer Thomas Schaaf und Sportdirektor Klaus Allofs. In der Pressekonferenz um 14:30 Uhr wurden die Details erläutert.

Klaus Allofs hat einen Vertrag bis 2015 unterschrieben, der zusätzlich eine Option für ein weiteres Jahr enthält. Diese Option ist leistungsbezogen und tritt automatisch in Kraft, wenn er seine Arbeit weiterhin erfolgreich fortführt. Thomas Schaaf verlängerte um zwei Jahre bis 2014. Sollte Thomas Schaaf seinen Vertrag erfüllen, würde er dann den bisherigen Rekordcoach Otto Rehhagel vom Thron stoßen. Dieser hatte von Anfang der 80er Jahre bis Mitte der 90er, 14 Jahre lang den Klub trainiert. Bei den Fans kommt die Vertragsverlängerung in der Mehrheit gut an.

Liest man sich durch die verschiedenen Foren, wird allerdings deutlich, dass das Duo Allofs und Schaaf nicht mehr die Zustimmung erhält, die es vor einigen Jahren noch deutlich gab. Einige wünschen sich frischen Wind auf der Trainerbank und sehen keine Weiterentwicklung in Schaafs Spielsystem. Häufig kritisiert wird auch Allofs Transferpolitik.

Vielleicht helfen zwei Fakten den Kritikern, dem Team Allofs und Schaaf im neuen Jahr eine weitere Chance zu geben: Thomas Schaaf ist der einzige Trainer in der Bundesliga, der eine Bundesliga-Mannschaft im letzten Jahrtausend übernommen hat und immer noch trainiert. Und zweitens: Seit Thomas Schaaf im Amt ist, hat der HSV 14 Trainerwechsel vollzogen.

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