Grünen-Abgeordneter sorgt für Empörung Zicht kritisiert Polizeistrategie gegen Fans

Mit Äußerungen zur Polizeistrategie gegen gewalttätige Fußballfans hat der Grünen-Abgeordnete Wilko Zicht am Donnerstagnachmittag für Aufregung und Empörung in der Innendeputation gesorgt.
14.01.2016, 00:00
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Zicht kritisiert Polizeistrategie gegen Fans
Von Ralf Michel

Mit Äußerungen zur Polizeistrategie gegen gewalttätige Fußballfans hat der Grünen-Abgeordnete Wilko Zicht am Donnerstagnachmittag für Aufregung und Empörung in der Innendeputation gesorgt.

Die Innendeputation hatte sich gerade eine Filmsequenz mit randalierenden Fußballfans auf dem Hannoveraner Hauptbahnhof angeschaut. Werder-Anhänger auf dem Weg zum Spiel in Wolfsburg. Nicht einmal eine Minute lang dauerte der Ausschnitt, aber er reichte allemal, um einen nachhaltigen Eindruck davon zu vermitteln, was an Aggressionen und Gewalt im Spiel ist, wenn bestimmte Fan-Gruppen im Umfeld eines Fußballspiels auf Polizisten treffen.

Die Fakten zum Film lieferte Polizeipräsident Lutz Müller: Nach den Ausschreitungen auf dem Bahnhof in Hannover habe die Bundespolizei eine größere Gruppe der Werder-Anhänger postwendend zurück in einen Zug nach Bremen gesetzt. Etwa 40 von ihnen seien dann im Pulk vom Bremer Bahnhof in Richtung Steintor gelaufen. Auf der Straße, Kfz-Verkehr und Straßenbahnen behindernd. Die Bremer Polizei schritt ein, es folgten die üblichen Scharmützel, so Müller: Beleidigungen, Rangeleien, Flaschen- und Steinwürfe. 20 der Randalierer wurden in Gewahrsam genommen. „Ihre Identität wurde festgestellt, Platzverweise ausgesprochen, dann war Ruhe.“

Zicht: "Ein paar Flaschenwürfe hat es immer schon gegeben"

Gegen sieben dieser einkassierten Fans ermittele auch die Bundespolizei in Hannover wegen Landfriedensbruch, Körperverletzung und Sachbeschädigung, ergänzte Müller. Dann meldete sich Zicht zu Wort. So „ein paar Flaschenwürfe“ habe es immer schon gegeben, so der Bürgerschaftsabgeordnete der Grünen. Da könne man nicht von einer neuen Dimension sprechen. Zudem gelte es, die Hintergründe des Vorfalls in Hannover zu erläutern. Ursprünglich sei es nur darum gegangen, dass eine Reihe von Fans ohne gültigen Fahrausweis unterwegs war. Deshalb hätten etwa 180 Fans nicht weiterfahren dürfen. Das habe zu Frust geführt und der habe sich dann auf dem Bahnhof entladen. „Dies nur zur Einordnung der Taten, das ändert aber nichts an der Verantwortung jedes Einzelnen für mögliche Straftaten.“

Damit nicht genug, Zicht legte nach: Man müsse schon fragen, wie sinnvoll es gewesen sei, die 40 enttäuschten Fans in Bremen von Polizisten in Empfang zu nehmen, die nur deshalb noch im Einsatz gewesen seien. Frustrierte Fans treffen auf frustrierte Polizisten – da könne man geradezu von „Verfolgung einer Anleitung zum Unglücklichsein“ sprechen, so Zicht.

Eine Steilvorlage, die in der Innendeputation empört aufgenommen wurde. Schockiert sei er von den Ausführungen Zichts, bekannte Holger Welt (SPD). „Das sind Straftäter, da gibt es nichts zu beschönigen.“ Es gehe um aggressive Chaoten, nicht um Fußballfans, betonte Christine Schnittker (CDU). Das Vorgehen der Polizei infrage zu stellen, sei ein starkes Stück.

Allein Horst Wesemann sprang Zicht zur Seite. Gewalt sei kein Mittel, gegen nichts und niemanden, betonte der Vertreter der Linken. Dennoch müsse auch geschaut werden, wie es zu Eskalationen komme. „Vielleicht wäre es besser gewesen, die kurzfristige Störung des Verkehrs aus taktischen Gründen hinzunehmen.“

Polizeipräsident kritisiert "ausgeprägtes Feindbild" der Ultras

Innensenator Ulrich Mäurer (SPD) wollte davon nichts wissen. Die Gewaltexzesse im Rahmen von Fußballspielen seien für jeden normalen Bürger ein Albtraum. Es gehe um „absolut unerträgliche Situationen“ und er habe ernsthafte Zweifel, ob man die randalierenden Gruppen überhaupt noch irgendwie erreichen könne. Mäurer kündigte an, weiterhin hart durchgreifen zu wollen, und forderte mehr Solidarität mit den Polizisten.

Seinen Beamten mache besonders das „ausgeprägte Feindbild Polizei“ zu schaffen, erklärte Polizeipräsident Müller. „Es wäre schön, wenn die Ultras es schaffen würden, das untereinander zu regulieren. Dann bräuchten sie auch keine Polizisten mehr zu sehen.“ Nicht allein auf den Fußball bezogen, vermisse er in der Gesellschaft und in Reihen von Bremens Politik eine klare Haltung zur Gewalt gegen Polizisten, so Müller unmissverständlich in Richtung Zichts.

Er wolle nicht falsch verstanden werden, versuchte der, sich wieder aus dem Abseits herauszuspielen. „Derartige Gewaltaktionen sind völlig inakzeptabel“, da gebe es nichts zu relativieren, betonte Zicht. Es sei aber auch Aufgabe der Innendeputation, die Einsatztaktik der Polizei zu beurteilen.

Unkommentiert blieb in diesem Zusammenhang ein Einwurf Horst Wesemanns. Der ist nicht nur Mitglied der Innendeputation, sondern auch Anwalt des Werder-Ultras Valentin S., gegen den in Kürze ein Strafprozess beginnt. Er wunderte sich deshalb schon, dass der Filmausschnitt gerade jetzt gezeigt werde. Für Wesemann eine „eine extrem unglückliche öffentlichkeitswirksame Aktion“, die das Verfahren gegen Valentin S. belasten werde.

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