Gebührenstreit mit der DFL

Politikschelte von Werders Sportchef Baumann

Werders Sportchef Frank Baumann sieht in Bremens Konfrontationskurs mit der DFL im Streit um Gebühren für Polizeieinsätze Wettbewerbsnachteile für seinen Verein. Und übt auch generell Kritik an Bremens Politik.
12.09.2019, 15:53
Lesedauer: 3 Min
Zur Merkliste
Von Von Michael Baltes und Ralf Michel
Politikschelte von Werders Sportchef Baumann

Hat Innensenator Ulrich Mäurer, aber auch Bremens Politik insgesamt kritisiert: Frank Baumann.

nordphoto / Ewert

Im Streit zwischen der Deutschen Fußball-Liga (DFL) und Werder Bremen um Gebühren für Polizeieinsätze hat sich am Donnerstag Werders Sportchef Frank Baumann anlässlich einer Pressekonferenz zu Wort gemeldet. Und dabei Innensenator Ulrich Mäurer (SPD), aber auch Bremens Politik insgesamt kritisiert. Durch den Bremer Konfrontationskurs mit der DFL entstünde Werder Bremen ein großer Wettbewerbsnachteil, betonte Baumann. Und dies, obwohl „wir der einzige Standort sind in den letzten 15 Jahren, der keinen Euro, keinen Cent von der Stadt und vom Land bekommen hat, was Infrastruktur betrifft“. Werder würden Knüppel zwischen die Beine geworfen. Außer netten Worten sei in den vergangenen Jahren von der Politik nichts gekommen.

Lesen Sie auch

Die Pressekonferenz wurde komplett auf dem Videoportal Youtube veröffentlicht. Und dort innerhalb kürzester Zeit von zahlreichen Nutzern kommentiert. Einer dieser Kommentare beschäftigt seit Donnerstagnachmittag den Bremer Staatsschutz. Darin schlägt sich der Verfasser in der Diskussion zunächst völlig auf die Seite von Werder Bremen und Frank Baumann und verbindet dies dann mit einer unverhohlenen Morddrohung gegen Bremens Innensenator. „Wir haben die Ermittlungen aufgenommen“, bestätigte die Bremer Polizei auf Anfrage des WESER-KURIER. Man prüfe die Ernsthaftigkeit dieses Kommentares.

Rechnung für Hochrisikospiele

Der Betroffene wollte sich hierzu am Donnerstag nicht äußern. „Der Innensenator wird weder das Statement von Frank Baumann noch die Kommentare auf Youtube dazu kommentieren“, erklärte seine Sprecherin Rose Gerdts-Schiffler.

Wie berichtet hatte die DFL in dieser Woche mitgeteilt, vier Gebührenbescheide aus Bremen über insgesamt 1,17 Millionen Euro fristgemäß noch im September begleichen zu wollen. Bremen hatte der DFL diese Summe für die Kosten zusätzlicher Polizeikräfte bei sogenannten Hochrisikospielen in Rechnung gestellt. Dagegen klagte die DFL bis vors Bundesverwaltungsgericht, unterlag dort aber im März dieses Jahres.

Die Rechtmäßigkeit der Gebührenerhebung erkennt die DFL zwar nach wie vor nicht an, will die Rechnungen aber unter Vorbehalt begleichen. Zugleich kündigte die Deutsche Fußball-Liga an, die Hälfte der geforderten Summe, rund 584.000 Euro, postwendend an Werder Bremen als Mitveranstalter der Spiele weiterzureichen. Für Frank Baumann eine Entwicklung, die Bremens Innensenator Ulrich Mäurer verursacht hat. Der habe das Bremische Gebührengesetz so gestaltet, dass, wenn mehrere Veranstalter dabei sind, auch beim Bezahlen alle im Boot säßen. Dies habe Mäurer zwar bis zum heutigen Tag immer wieder abgestritten, so Baumann. „Aber das ist für uns definitiv finanziell und aus verschiedenen Gründen ein großer Wettbewerbsnachteil.“

Allerdings kenne man dies bereits. Keinen Euro, keinen Cent habe Werder in den vergangenen 15 Jahren von der Stadt oder vom Land für Infrastruktur bekommen. „Das heißt, wir leiden schon die letzten 15 Jahre darunter, dass wir eine höhere Belastung haben, was die Stadionkosten betrifft.“ Und Werder leide auch darunter, „dass wir damals das Stadion nicht ausbauen konnten, dass uns eben auch Mehreinnahmen vielleicht fehlen“.

Für Baumann ist Werder „Sympathie- und Imageträger der Stadt“. Dahinter stecke für Bremen eine immense finanzielle Kraft. Man wisse bei Werder natürlich, dass es der Stadt finanziell nicht rosig gehe. Und dass es schwierig sei, angesichts fehlender Kitaplätze, Lehrer und Polizisten einen großen Betrag in den Milliardenmarkt Fußball zu stecken. „Trotzdem ist dies aus meiner Sicht sehr, sehr kurzfristig gedacht.“

Ein Riesennachteil für Werder und die Stadt Bremen

Ulrich Mäurer lasse sich derzeit für seinen Pyrrhussieg extrem feiern, sagte Baumann. „Aber auf lange Sicht gesehen, ist das ein Riesennachteil für Werder und für die Stadt Bremen.“ Denn durch die Wettbewerbsnachteile würden sich Werders Chancen auf höhere Einnahmen verringern, die zu höheren Steuerzahlungen und somit auch höhere Einnahmen für die Stadt hätten führen können.

Es gehe nicht darum, dass „wir nur unterstützt werden“, betonte Baumann. „Es ist aber eben so, dass uns darüber hinaus Knüppel zwischen die Beine geworfen werden und das ist etwas, was uns schon sehr, sehr schwerfällt.“ Zumal Werder als Verein wie kein anderer Klub in der Bundesliga für eine soziale, gesellschaftliche Verantwortung stehe. „Sei es durch unsere vier Hallen im Schulsport, unsere vielen sozialen Projekte, Arbeit mit Flüchtlingen oder Quartierskonzepte. Ganz, ganz viele Dinge, die wir hier sehr bewusst, sehr gerne tun, was aber von der Stadt in keiner Weise berücksichtigt wird.“

Lesen Sie auch

„Wir wissen zwar auch, dass sich der ein oder andere Politiker mal positiv zu Werder äußert“, beendete Baumann sein Statement. Und auch, dass es in diesen Reihen viele Sympathisanten und Werder-Fans gebe. „Aber außer netten Worten haben wir in den letzten Jahren eben nichts bekommen.“

+++Dieser Text wurde um 20.49 Uhr aktualisiert+++

Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+