Im Lernzentrum des Weserstadions sprechen Schüler über Rechtsextremismus / Bundesliga-Stiftung übernimmt die Finanzierung

Politische Bildung unter der Ostkurve

Bremen. Während in der Ostkurve des Weserstadions Spiel und Spaß angesagt sind, ist einige Etagen darunter im Ostkurvensaal politische Bildungsarbeit an der Tagesordnung. Seit über fünf Jahren kommen Schulklassen in diesen Raum mit dem Ambiente einer Jugendeinrichtung, um sich mit Rechtsextremismus, Gewalt und Diskriminierung zu befassen.
22.11.2014, 00:00
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Von Karina Skwirblies

Während in der Ostkurve des Weserstadions Spiel und Spaß angesagt sind, ist einige Etagen darunter im Ostkurvensaal politische Bildungsarbeit an der Tagesordnung. Seit über fünf Jahren kommen Schulklassen in diesen Raum mit dem Ambiente einer Jugendeinrichtung, um sich mit Rechtsextremismus, Gewalt und Diskriminierung zu befassen. Doch es geht auch um die Entwicklung eigener Fähigkeiten. Selbstsicherheit und Konfliktfähigkeit werden im Lernzentrum Ostkurvensaal ebenfalls vermittelt.

Nachdem die Robert Bosch-Stiftung diese Arbeit mit Schülern über fünf Jahre mit rund 200 000 Euro gefördert hat, übernimmt nun die Bundesliga-Stiftung einen Großteil der Kosten. Unterstützung bekommt sie von der Aktion Mensch, von der Werder Bremen-Stiftung und vom Fan-Projekt Bremen. Für drei Jahre ist dadurch das Fortbestehen dieses ungewöhnlichen Unterrichtsortes gesichert. Wie es danach weitergeht, steht vorerst in den Sternen.

Mit einem Fest wurde der Wechsel der Sponsoren gefeiert. Akteure, Stiftungsmitglieder und Jugendliche kamen zu der Feier in den Ostkurvensaal. „Bei einem Gespräch in Dortmund entstand die Idee zu diesem Lernzentrum“, berichtete Manfred Rutkowski, der gemeinsam mit Gesa Mann das Lernzentrum betreut. „Die Robert Bosch-Stiftung wollte politische Bildung in den Fußballstadien fördern, und uns war klar, dass wir das Projekt gerne machen würden.“ Inzwischen gibt es deutschlandweit zwölf solcher Projekte, unter anderem in Dortmund, Berlin, Frankfurt, Bochum und Rostock.

Das Lernzentrum Ostkurvensaal habe drei Schwerpunkte, erläuterte Rutkowski. So befassen sich Schüler ab 14 Jahren bei „Schulklassen zu Besuch“ mit rechtsextremistischen Symbolen. Bei „Fit for Life“ geht es um die eigenen Fähigkeiten der Jugendlichen. Mit seinem dritten Schwerpunkt möchte das Lernzentrum Ostkurvensaal vor allem Migranten ansprechen. Migranten seien in der Fanszene des Fußballs unterrepräsentiert, sagte Rutkowski. „Wir haben kaum Fans, die nicht aus einem deutschen Elternhaus kommen.“ Diese möchte man mit dem Projekt „Jumixx“ erreichen. Dabei wird auch schon mal Fußball gespielt oder ein Film produziert. Junge Migranten haben beispielsweise den Film „Bleib am Ball“ im Weserstadion gedreht.

„Das Stadion ist ein magischer Ort“, erklärte Sylvia Krenn von der Robert Bosch-Stiftung. „Da ist Lernen nichts Langweiliges, sondern es kann ein begeisterndes Lernen sein.“ Haider Hassan von der Bundesliga-Stiftung pflichtete ihr bei: „Über die Faszination des Fußballs können Werte vermittelt werden. Die Vorbilder haben eine große Kraft, und mit ihnen kommt man schnell in die Herzen und auch zum Kopf.“

Die Bundesliga-Stiftung wird das Lernzentrum Ostkurvensaal in den kommenden drei Jahren mit insgesamt 75 000 Euro unterstützen. Bislang haben knapp 8000 Jugendliche aus Bremen und umzu das Angebot genutzt. Klaus-Dieter Fischer vom SV Werder Bremen ist dies noch nicht genug. „Wir müssen zu den Schulen gehen, sonst erreichen wir zu wenige von den Jugendlichen. Da müssen wir uns Gedanken machen.“

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