Kommentar über Schule und Politik

Politischer Diskurs in Schulen ist wichtig

An einer Bremer Schule werden AfD-Politiker von einer Podiumsdiskussion zur Bürgerschaftswahl ausgeladen. Unser Kommentator hält das für falsch. Gerade Schulen müssten ein Ort des politischen Diskurses sein.
04.05.2019, 07:00
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Politischer Diskurs in Schulen ist wichtig
Von Norbert Holst
Politischer Diskurs in Schulen ist wichtig

Eine künstliche Abschottung der Schulen vor der realen Welt ist auch nicht realistisch.

Britta Pedersen/dpa

Die AfD ist zum Streitobjekt an Bremer Schulen geworden. Sollen Vertreter dieser Partei bei Diskussionen zur Wahl mit auf dem Podium sitzen? Nein, meinten die Schülervertretung der Oberschule am Leibnizplatz und die Gesamtschülervertretung. Sie hatten Erfolg. Ein AfD-Politiker wurde kurzfristig ausgeladen.

Über Stil und Politik der AfD lässt sich vortrefflich streiten. Und das gerade Schüler dies tun, ist gut so. Noch besser wäre es jedoch, erst einmal zuzuhören – auch AfD-Politikern. Klar, das mag für manche Menschen sehr anstrengend sein. Aber auch das gehört zum politischen Diskurs in einer Demokratie. Zumal, wenn es eine Partei betrifft, die im Bundestag den Oppositionsführer stellt und seit der Hessen-Wahl in jedem Landtag vertreten ist. Und überhaupt: Die wenigen AfD-Auftritte vor Bremer Schülern haben der Partei nicht unbedingt mehr Sympathien gebracht.

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Eine künstliche Abschottung der Schulen vor der realen Welt ist auch nicht realistisch. Das Klassenzimmer ist längst zum Missionsgebiet für Marketing-Strategen unterschiedlicher Couleur geworden. Mehr als die Hälfte der größten deutschen Unternehmen bietet mittlerweile eigenes Unterrichtsmaterial an. Ganz ähnlich sieht es bei den überwiegend politisch motivierten Spitzenverbänden aus. Und beim Thema „gesunde Ernährung“ kommt das Frühstück von einem namhaften Müsli-Hersteller. Die Frage ist doch: Werden Themen wie Werbung und politische Lobbyarbeit im Unterricht kritisch behandelt?

Es ist auch nicht zwangsläufig militaristische Propaganda – so sehen es viele linke Politiker –, wenn die Bundeswehr in Schulen über ihre Aufgaben informiert. Informieren meint nicht: werben. Idealerweise lädt man dann auch eine Friedensorganisation ein. Ganz anders sieht die Sache aus, wenn die Schulklasse beim Kasernenbesuch mit purer Action-Ballerei empfangen wird.

Die Schule hat, und das ist wichtig, eine Neutralitätspflicht. Aber sie ist deshalb kein unpolitischer Schonraum. Sonst würde es die „Fridays for Future“-Bewegung auch nicht geben. Und das wäre schade.

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