Bündnis gegen Rechts und Frauenmarsch

Polizei Bremen ermittelt nach Demonstrationen

Nach Auseinandersetzungen auf dem Marktplatz ermittelt die Polizei Bremen wegen Körperverletzung, Landfriedensbruchs und Beleidigungen. Sie prüft auch ein Foto, das jemanden beim Hitlergruß zeigen könnte.
08.07.2018, 10:55
Lesedauer: 3 Min
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Von Carolin Henkenberens Alice Echtermann

Nach der Demonstration in der Bremer Innenstadt am Samstag, bei der das Bremer Bündnis gegen Rechts gegen einen geplanten Frauenmarsch protestierte, hat die Polizei Bremen Ermittlungen wegen gefährlicher Körperverletzung, Landfriedensbruch, Beleidigungen und Verstößen gegen das Versammlungsgesetz aufgenommen. Dies teilt sie am Sonntagmorgen mit.

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Bei dem Protest, der zunächst friedlich vom Hauptbahnhof über das Viertel zog, war es auf dem Marktplatz zu Auseinandersetzungen gekommen. Dort trafen die linken Gegendemonstration auf die Teilnehmer des Frauenmarsches, der dort um 14 Uhr beginnen sollte. Die Gegendemonstranten versuchten mit Lärm, Blockaden, Schubsereien und Beleidigungen den Frauenmarsch zu stören, so die Polizei. "Nur durch das Einschreiten von Polizeikräften konnten Übergriffe auf die Teilnehmer verhindert werden", teilt die Polizei mit. Nach der Absage des geplanten Frauenmarsches ins Viertel durch die Veranstalterin, auch wegen zu geringer Teilnehmerzahl, erfolgte der Abmarsch der Beteiligten unter Schutz der Polizisten.

Frau soll Polizisten geschlagen haben

Auch die Polizei geriet in den Fokus der Demonstranten: Ihren Angaben zufolge schlug eine Frau mit einer Holzstange einen Polizisten. Gegen sie werde wegen gefährlicher Körperverletzung ermittelt.

Auf dem Marktplatz trafen die Demonstranten des Frauenmarsches und des linken Protests aufeinander.

Foto: Nina Willborn

Ebenfalls wegen gefährlicher Körperverletzung ermittelt die Polizei, weil ein Unbekannter zwei Frauenmarsch-Beteiligten eine reizende Flüssigkeit ins Gesicht sprühte. Der Radfahrer hatte mit der Hand gegen den Außenspiegel des Autos geschlagen, in dem die 51 und 71 Jahre alten Männer saßen, die für die Logistik des Frauenmarsches zuständig waren. Als der 71 Jahre alte Fahrer die Fensterscheibe nach unten ließ, um den Spiegel wieder zu richten, habe der Unbekannte die Insassen mit der Flüssigkeit besprüht. Die beiden Männer konnten noch zum Hauptbahnhof fahren und verständigten dort die Polizei.

Ermittlungen wegen mutmaßlichem Hitlergruß

Für Aufregung sorgt ein Foto, das von einem Mitarbeiter des "Weser-Reports" aufgenommen wurde. Es zeigt Teilnehmer des Frauenmarsches. Ein Mann in einem weißen Hemd begrüßt darauf einen anderen in einem schwarzen T-Shirt, schüttelt ihm mit der Rechten die Hand und erhebt den linken Arm in einer Geste, die an den Hitlergruß erinnert. Die Partei Die Linke aus Bremen griff das Bild noch am Samstagabend auf Twitter auf und wies in dem Zusammenhang darauf hin, dass die NPD Niedersachsen auf ihrer Facebookseite auf den Frauenmarsch hingewiesen hatte – somit also Werbung für die Veranstaltung gemacht hatte.

Sonntagabend ergänzte die Partei ihre ursprüngliche Aussage auf Twitter. Der Mann im schwarzen Shirt, dem die Hand geschüttelt wurde, habe sich gemeldet, um zu widersprechen, dass er zum "Frauenmarsch" gehörte. Derjenige im weißen Hemd, der den Arm gehoben hatte, sei jedoch definitiv ein Teilnehmer der Demo gewesen, so die Linke weiter.

Das Zeigen des Hitlergrußes ist in Deutschland eine Straftat, ein Verstoß gegen Paragraf 86a des Strafgesetzbuches ("Verwenden von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen"). Solche Taten werden mit Freiheitsstrafen bis zu drei Jahren oder Geldbußen geahndet. Die Polizei Bremen sagte auf Nachfrage des WESER-KURIER, das Foto werde wie auch andere Hinweise zu den Ereignissen rund um die Demonstrationen am Samstag geprüft. Bezüglich des Fotos wird, so der Stand am Dienstag, überprüft, ob eine Grundlage für eine Anzeige vorliegt.

Der Screenshot zeigt die Facebookseite der NPD Niedersachsen, auf der auf den Frauenmarsch hingewiesen wurde.

Der Screenshot zeigt die Facebookseite der NPD Niedersachsen, auf der auf den Frauenmarsch hingewiesen wurde.

Foto: Screenshot Facebook
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