Verkehrskontrolle Polizei Bremen kontrolliert Hunderte Autofahrer auf Drogen und Alkohol

In einer großangelegten Aktion kontrolliert die Polizei Bremen Hunderte Autofahrer auf Drogen und Alkohol. Betäubungsmittel sind jedoch nicht das Einzige, was die Beamten während der mehrtägigen Razzia finden.
15.05.2019, 19:09
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Polizei Bremen kontrolliert Hunderte Autofahrer auf Drogen und Alkohol
Von Ina Bullwinkel

„Wann haben Sie das letzte Mal Alkohol konsumiert?“, fragt Polizist Tobias Glander den Fahrer eines schwarzen VW Golfs, während er dessen Führerschein und Fahrzeugpapiere kontrolliert. Anschließend schaut er gemeinsam mit einem Kollegen in den Kofferraum. Warnweste, Verbandkasten, Warndreieck: alles da.

Der Fahrer des Golfs ist einer von Hunderten Autofahrern, die an diesem Tag von der Polizei in Bremen angehalten und kontrolliert werden. In einer mehrtägigen Kontrollaktion zur Drogenerkennung im Straßenverkehr sind etwa 120 Polizistinnen und Polizisten im Einsatz, zum Teil aus anderen Bundesländern.

Dazu unterstützen Beamte vom Zoll die Kontrollen. Wie Polizeisprecher Nils Matthiesen mitteilt, waren die Beamten bereits am Dienstag in der Legienstraße und beim Autobahnzubringer Überseestadt im Einsatz und haben knapp 700 Autofahrer angehalten. Bei 44 von ihnen wurde Blut entnommen, 43 testeten positiv auf Drogen. Ein Fahrer war alkoholisiert.

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Zwölf der Fahrer hatten keinen Führerschein. Außerdem stießen die Beamten auf drei Personen, die per Haftbefehl gesucht wurden. Sieben Personen wurden zudem wegen des Verdachts der illegalen Einreise festgenommen. Hinzu kamen nach Angaben von Matthiesen einige Verstöße gegen das Waffengesetz. Zahlreiche Messer, Elektroschocker und Schlagstöcke seien beschlagnahmt worden. „Und das alles tagsüber“, sagt Matthiesen.

„Das zeigt, wie dringend notwendig solche Kontrollen sind.“ Insgesamt zehn Anzeigen wegen Verstoßes gegen das Betäubungsmittelgesetzes wurden gestellt. Bei zwei Beschuldigten wurde zudem die Wohnung durchsucht. Mit Erfolg: auch dort wurden die Beamten fündig. Polizist Glander bittet den Fahrer des schwarzen Golfs auszusteigen, für einen „kleinen Körperfunktionstest“. Glander beobachtet genau, wie sich der junge Mann verhält, ob er zittert oder unkonzentriert ist.

Der Beamte leuchtet ihm mit einer kleinen Taschenlampe in die Augen, anschließend muss der Fahrer der Lampe mit seinen Augen folgen. Glander ist nicht zufrieden, die Pupillen sind auffällig. Er äußert den Verdacht, dass der Fahrer unter dem Einfluss von Drogen steht, und bietet dem Fahrer an, einen freiwilligen Urintest zu machen. „Der ist für Sie nur entlastend“, sagt er. Doch der Fahrer lehnt ab. „Dann bitte ich Sie direkt für einen Bluttest mitzukommen.“

Glander und der Fahrer gehen zwischen parkenden Autos und den Dutzenden Polizisten hindurch, die auf einem Parkplatz hinter der Eishalle in Walle die Kontrollen durchführen. In einem weißen Zelt wartet der Arzt, der eine Blutprobe nimmt. Ob der Mann tatsächlich unter dem Einfluss von Drogen steht, kann erst später gesagt werden. „Wenn man ein reines Gewissen hat, ist es allerdings Quatsch, den Urintest abzulehnen“, meint Nils Matthiesen.

Der Urintest, den die Bremer Polizei an diesem Tag einsetzt, ist ein sogenannter Multitest, der auf Marihuana, Kokain, Amphetamine und Opiate reagiert. Ist er positiv, muss zusätzlich eine Blutprobe entnommen werden. „Das ist das entscheidende Beweismittel“, sagt ein Polizeibeamter, der mit dem Verfahren vertraut ist. Nach einem positiven Test darf der Fahrer außerdem für 24 Stunden kein Fahrzeug führen. Wer bei der Kontrolle herausgezogen wird, muss sein Auto also entweder stehen oder sich von einer anderen Person abholen lassen.

Auch Yonca Kilic wurde mit ihrem Kleinwagen von den Beamten auf den Parkplatz gelotst. Sie ist gerade von der Arbeit gekommen und auf dem Weg nach Hause. „Ich habe mich gewundert, dass sie mich angehalten haben“, sagt die 24-Jährige. Tatsächlich haben die Polizisten nichts Auffälliges an ihr oder ihrem Kleinwagen gefunden. Die Überprüfung habe sie nicht gestört: „Ich finde es gut, dass kontrolliert wird. Es fahren so viele ohne Führerschein oder obwohl sie getrunken oder gekifft haben und werden nicht erwischt.“

Eine weiße Limousine fährt vor. Der Fahrer, ein junger Mann, behauptet, mit Drogen nichts zu tun zu haben, er sei schließlich im Außendienst unterwegs. Wenige Minuten später ergibt der Urintest etwas anderes: Der junge Fahrer wurde positiv auf Marihuana getestet. Für ihn und seinen Beifahrer endet die Fahrt.

„Das Erkennen von Menschen unter dem Einfluss von Drogen ist auf den ersten Blick nicht so einfach“, sagt Matthiesen. Im Einsatz seien deswegen Polizisten, die speziell in diesem Gebiet ausgebildet sind. Sie könnten etwa unterscheiden, ob jemand unter Drogen steht oder lediglich unterzuckert ist.

Oft genug handelt es sich jedoch um Drogenmissbrauch. Vergangenes Jahr hat es in Bremen nach Angaben der Polizei mehr als 1000 erkannte Fahrten unter Drogen und Alkohol in Bremen gegeben, mehr als in den Jahren zuvor. Einige neue Fälle dürften die Beamten in diesen Tagen feststellen.

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