Trickbetrug im Internet

Bremer Staatsanwaltschaft sichert 180.000 Euro

Corona macht auch die Betrüger kreativ. In Bremen zahlten vier Großkunden 200.000 Euro für Atemschutzmasken und Desinfektionsmittel. Sie erhielten die Ware aber nicht.
26.03.2020, 05:00
Lesedauer: 4 Min
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Bremer Staatsanwaltschaft sichert 180.000 Euro
Von Björn Struß
Bremer Staatsanwaltschaft sichert 180.000 Euro

Eine Bremer Scheinfirma hat mehrere Anbieter von Desinfektionsmittel und Schutzmasken betrogen (Symbolbild).

ERIC LALMAND

Die Bremer Polizei ist einem Trickbetrüger auf die Schliche gekommen, der versucht hat, sich an der Coronakrise zu bereichern. Wie die Pressestelle der Behörde zu Wochenbeginn mitteilte, hatte der Betrüger mehrere Großkunden in Bremen über das Internet hinters Licht geführt. Die per Vorkasse bezahlten Atemschutzmasken und Desinfektionsmittel kamen nicht bei den Kunden an. Es entstand ein Schaden von etwa 200.000 Euro. Am Mittwoch konnte die Polizei vermelden, dass die Staatsanwaltschaft durch eine Kontenpfändung 180.000 Euro zugunsten der Opfer sichergestellt hat.

Mit gefälschten Bescheinigungen hatte sich der Betrüger als eine in Bremen registrierte Firma ausgegeben. Vier Großkunden, die im Zuge der Coronakrise auf der Suche nach den knapp gewordenen Artikeln waren, gingen ihm ins Netz. Das gezahlte Geld verteilte der Kriminelle umgehend auf die Konten Dritter. Die Staatsanwaltschaft setzte mithilfe des Amtsgerichts aber sogenannte „Vermögensarreste“ durch. Dadurch ist der entstandene finanzielle Schaden nun deutlich geringer.

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Gefälschte Online-Geschäfte sind auf den ersten Blick laut Polizei nur schwer als solche zu erkennen. Teilweise kopieren die Kriminellen bereits existierende Internetseiten, die dann zunächst entsprechend seriös wirken. Die Ermittler beobachten zudem oft einen günstigen Preis für ein vermeintlich vergriffenes Produkt. Als Vorsichtsmaßnahme rät die Polizei zu einer Online-Recherche über den Anbieter. Zudem seien sichere Zahlungswege gefragt, wie etwa der Kauf auf Rechnung. Wenn der Betrüger zu spät erkannt wird, müsse umgehend Kontakt zum Zahlungsanbieter aufgenommen werden. Und dann: Anzeige erstatten.

Das Coronavirus macht derzeit Straftäter in ganz Deutschland kreativ. Ältere Menschen sind ohnehin im Visier der Trickbetrüger. Mit der Sorge um die eigene Gesundheit erzeugt die Pandemie nun eine neue Unsicherheit. Das wollte in Bremen bereits ein dubioser Anrufer nutzen. Mit der Frage „Fühlen Sie sich gesund?“ meldete er sich bei einer Seniorin. Er gab sich als Mitarbeiter der Caritas aus, der eine Umfrage machen wolle. Doch weil die Seniorin die Caritas kannte, war sie skeptisch. Sie legte auf und rief daraufhin den Sozialverband an. So erfuhr auch Simone Lause, Pressesprecherin der Caritas, von dem sonderbaren Anruf. „Die Caritas macht derartige Umfragen nicht“, stellt sie klar. Sie meldete den Vorfall der Polizei.

Mitarbeiter und die Bewohner dafür sensibilisieren, wie Trickbetrüger vorgehen

Mit einer gemeinnützigen GmbH kümmert sich die Caritas in Bremen um rund 200 Senioren, die auf häusliche Pflege angewiesen sind. Hinzu kam vor der Ausbreitung des Coronavirus auch eine aufsuchende Altenarbeit. Dieses ehrenamtliche Angebot hat der Sozialverband aus Vorsicht eingestellt. Auch in Einrichtungen mit betreutem Wohnen und Pflegestationen kümmert sich der Sozialverband um Senioren. „Mithilfe der Polizei sensibilisieren wir dort unsere Mitarbeiter und die Bewohner dafür, wie Trickbetrüger vorgehen“, erläutert Lause. Auch der erschwerte Zugang schütze die Senioren sehr gut vor Menschen mit kriminellen Absichten. Viel schwieriger sei es aber, sich auch um jene zu kümmern, die in den eigenen vier Wänden weitestgehend selbstständig leben.

Lause ist sich darüber bewusst, dass die Senioren derzeit auf die Besuche der Familie verzichten müssen. Gleichzeitig sieht sie aber kaum Möglichkeiten, dass Pflegerinnen und Pfleger diesen Verlust an familiärer Fürsorge ausgleichen können. „Unsere Mitarbeiter erbringen Dienstleistungen, die vertraglich geregelt sind“, erklärt sie. Die Bezahlung erfolge ausschließlich aus Mitteln der Kranken- und Pflegeversicherung. „Derzeit geht es darum, die Gesundheit zu schützen. Wir haben keinen Betreuungsauftrag“, betont Lause. Kosten für Pfleger, die in langen Gesprächen vor Trickbetrügern warnen, seien den Krankenkassen derzeit schlicht nicht zu vermitteln.

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Deshalb versucht die Polizei, mit Öffentlichkeitsarbeit vor den neuen Coronatricks zu warnen. „Kriminelle nutzen die Angst vor dem Coronavirus momentan auf vielfältige Weise aus“, schreibt die Polizei-Pressestelle. Betrüger würden etwa versuchen, sich als infizierte Angehörige Geld zu erschleichen. Eine weitere Variante seien Kriminelle, die sich als Amtspersonen ausgeben und verunsicherte Senioren auf Corona testen wollen. „Tatsache ist: Es werden keine unangemeldeten Corona-Tests an der Haustür durchgeführt!“, stellt die Polizei klar. Ziel derartiger Aktionen sei es, in das Haus zu gelangen.

Am Telefon als Arzt ausgegeben

Ein weiterer krimineller Trick ist laut Polizei, sich am Telefon etwa als Arzt auszugeben. Dieser behaupte dann, das Opfer stehe im Verdacht, sich mit Covid-19 infiziert zu haben. Deshalb käme jemand vorbei, um einen Test durchzuführen. Kosten: 200 Euro in bar. „Wichtig zu wissen: Es werden keine flächendeckenden Tests durchgeführt. Ein Corona-Test muss angefordert werden“, schreibt dazu die Polizei-Pressestelle. Nur ein Arzt oder das Gesundheitsamt könne einen Test anordnen, der dann an einem abgestimmten Termin durchgeführt wird. Die Tester könnten sich ausweisen und verlangten kein Geld.

Deshalb rät die Bremer Polizei zu einer besonderen Aufmerksamkeit, wenn unbekannte Personen an der Haustür klingeln. Gleichzeitig gilt für Bremen aber auch: Einen angezeigten Fall, bei dem es einem Trickbetrüger gelang, die Angst von Senioren vor Corona auszunutzen, gibt es bislang nicht. Laut Polizei scheiterten viele Straftaten gegen ältere Menschen im Versuchsstadium.

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