Streit wegen Tweet Polizei empört sich über Bremer Grünen-Politiker

Der Grüne Wilko Zicht twitterte das Video eines Chors, der Gangsterrap-Songs interpretiert. Darin wird teils zu Gewalt gegen Polizisten aufgerufen. Die Grünen-Fraktion Bremen weist die Kritik der Polizei als haltlos zurück.
05.04.2018, 11:43
Lesedauer: 2 Min
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Von Elke Hoesmann und Jan Heemann

Von Wilko Zicht, dem früheren Bürgerschaftsabgeordneten der Grünen, weiß man, dass er ein kritisches Verhältnis zur Polizei unterhält. Nun ist Zicht vom neuen Bremer Vorsitzenden der Gewerkschaft der Polizei (GdP) zur "Persona non grata" erklärt worden. Zicht habe sich als Gesprächspartner der GdP endgültig disqualifiziert, sagt GdP-Landeschef Lüder Fasche. Zicht fehle es an grundsätzlichem Respekt vor der Polizei.

Anlass für Fasches Zorn: Der Grüne hat einen YouTube-Link getwittert, in dem ein Studentenchor Songs sogenannter Gangster-Rapper klassisch interpretiert, aber die ursprünglichen Texte singt. Darin ist unter anderem von "Fick die Cops, sie sind Bullenschweine" die Rede - ein Song des Rappers Tamas. Wilko Zicht hat den getwitterten Link kommentiert mit "Achtung, Ohrwurmgefahr".

Die Grünen-Fraktion wies die Unterstellungen am Donnerstag als haltlos zurück. In einer Stellungnahme bezeichnete sie das Video als Persiflage und schlug dem GDP-Vorsitzenden vor, er könne bei der ARD, die den dazugehörigen Youtube-Kanal mit auf den Weg gebracht hat, ja Programmbeschwerde einlegen.

Gewerkschaftschef verlangt respektvollen Umgang mit der Polizei

Fasche sagt, solche Gangster-Rap-Texte seien die geistige Grundlage für zunehmende Gewalt gegen Polizisten. Wenn Zicht diese Texte gutheiße und verbreite, sei er als Fraktionsmitarbeiter einer Regierungspartei nicht mehr tragbar.

Wilko Zicht hatte nach seinem Rücktritt wegen Drogengeschichten eine Stelle bei der Grünen-Fraktion angetreten; er arbeitet den Abgeordneten bei den Themen Inneres und Gesundheit zu. Zichts Tätigkeit werde von Steuergeldern finanziert, erklärt Fasche. "Spätestens dieser Umstand sollte vermuten lassen, dass er einen respektvollen Umgang mit staatlichen Organen wie der Polizei pflegt." Doch den lasse Zicht gänzlich vermissen.

Aber rufen die Lieder des Chors wirklich zu Gewalt auf?

Der Studentenchor hatte mit der Neu-Interpretation der Songs offenbar ein Experiment wagen wollen. Entstanden sei ein Medley "zum Thema Polizistenhass – bzw. zur Doku 'Fick die Cops' – Wieso hassen Rapper die Polizei?", schreiben Kommentatoren dazu im Netz. Zicht kontert die GdP-Kritik übrigens auf Twitter mit einer Frage: "Mag jemand der GdP erklären, was eine Persiflage ist?".

Er bezieht sich in einem anderen Tweet auf das satirische Musikvideo von Jan Böhmermann als "POL1Z1STENS0HN" und findet, dass solche Videos durchaus einen Mehrwert erzeugen, indem sie "Gangster-Rap-Scheiße" bloßstellen.

Erschienen ist das Video auf dem Youtube-Kanal "STRG_F". Dabei handelt es sich um ein Doku-Kanal, der durch das "Funk"-Programm von ARD und ZDF finanziert wird und Reportagen zu verschiedenen Themen anbietet. Dort ist auch die Dokumentation zu finden. Ob es sich bei der Chor-Interpretation um Satire oder eine Persiflage handelt, wird dort nicht explizit erklärt.

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