Offenbar politisch motivierte Tat in Bremen Polizei ermittelt nach Anschlag auf Migranten

Bremen. In der Nacht zu Sonnabend hat es in Woltmershausen einen offenbar politisch motivierten Angriff auf eine Migrantenfamilie gegeben. Die Täter könnten Nachbarn sein.
30.07.2012, 08:00
Lesedauer: 2 Min
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Polizei ermittelt nach Anschlag auf Migranten
Von Jürgen Hinrichs

Bremen. In der Nacht zu Sonnabend hat es im Bremer Stadtteil Woltmershausen einen offenbar politisch motivierten Angriff auf eine Familie von Migranten gegeben. Wie die Polizei bestätigt, haben vier Tatverdächtige, drei Männer und eine Frau, an dem Haus der Familie Feuer gelegt.

Sie sollen dabei nach Angaben des 20-jährigen Sohns der Familie einen brennenden Lappen an die Haustür gelegt zu haben. Anschließend sollen sie eine Scheibe eingeschlagen haben. Laut Auskunft der Polizei vom Sonntag haben die Täter dabei ausländerfeindliche Parolen gerufen.

Wie die Polizei weiter mitteilt, nahm der Vorfall offenbar seinen Anfang, als der 20-jährige Sohn am frühen Sonnabendmorgen gegen kurz vor halb vier nach Hause kam. Wenige Häuser weiter feierten Nachbarn lautstark auf der Terrasse und beschimpfen den jungen Mann mit "Ausländer raus"-Rufen. Der 20-Jährige ignorierte die Rufe und ging ins Haus.

Kurze Zeit später habe es an der Tür geklingelt, der junge Mann sah einen brennenden Lappen und löschte diesen mit Wasser. Etwas später hörte er ein Klirren: Die Scheibe der Haustür war eingeschlagen worden.

Die inzwischen verständigten Polizeibeamten nahmen drei Männer im Alter von 25, 31 und 33 Jahren sowie eine 43 Jahre alte Frau als Tatverdächtige fest. Alle waren alkoholisiert. Die mutmaßlichen Täter sind nach der Vernehmung durch die Polizei wieder auf freiem Fuß. Sie seien bisher nicht durch ausländerfeindliche Straftaten auffällig geworden, so die Polizei.

„Wir ermitteln wegen versuchter schwerer Brandstiftung und gehen aktuell von einem politisch motivierten Hintergrund aus“, sagte ein Polizeisprecher am Sonnabend. Seine Behörde nehme den Vorfall sehr ernst und werde mit der gebotenen Sensibilität vorgehen. Es werde aber auch in Richtung Nachbarschaftsstreitigkeiten ermittelt.

Zu der Frage, ob und wie die Familie zurzeit geschützt werde, wollte der Beamte am Samstag keine Angaben machen. Am Sonntag erklärte Polizeipressesprecher Nils Matthiesen, die Polizei fahre in der Straße nun regelmäßig Streife. Mit Angehörigen von beiden Familien sei zudem ausführlich über den Vorfall gesprochen worden.

In dem betroffenen Haus wohnt eine Mutter mit ihren sieben Kindern, das kleinste davon ist drei Jahre alt. Bekannt geworden ist der Vorfall durch den Anruf des Anwalts der Familie beim WESER-KURIER. Die Polizei hatte von sich aus keine Mitteilung gemacht.

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