Brandserie in Bremerhaven aufgeklärt? Polizei nimmt mutmaßliche Parzellen-Brandstifter fest

Immer wieder brannten in Bremerhaven Gartenlauben. Nun meldet die Polizei einen Erfolg: Zwei Tätergruppen konnten identifiziert werden, einige Verdächtige wurden festgenommen.
15.06.2018, 08:47
Lesedauer: 2 Min
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Polizei nimmt mutmaßliche Parzellen-Brandstifter fest
Von Alice Echtermann

Sie wollten offenbar ihre ausschweifenden Partys in fremden Gartenlauben vertuschen: Einer vierköpfigen Gruppe von Jugendlichen zwischen 15 und 17 Jahren werden sechs Brandstiftungen in Bremerhaven vorgeworfen. Wie die Polizei am Freitag mitteilt, brachen die Teenager in Lauben verschiedener Kleingartengebiete ein und feierten dort exzessiv. Um ihre Spuren zu verwischen, zündeten sie die Gartenhäuser anschließend an. Einige Mitglieder der Gruppe hätten bereits Geständnisse abgelegt, der 16-jährige Hauptverdächtige sitze in der JVA in Untersuchungshaft.

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Die zweite Tätergruppe bestehe aus fünf Jugendlichen, die Anfang Mai im Kleingartengebiet Laubenpieper Parzellen aufbrachen. Auch sie kamen offenbar von einer Party. Die Polizei Bremerhaven spricht von Eigentumsdelikten und Vandalismus. Zudem hätten die Verdächtigen versucht, zwei Lauben in Brand zu stecken. Auch bei dieser Gruppe hätten einige bereits die Taten gestanden. Es wurden zehn Ermittlungsverfahren eingeleitet.

Neben den Stafverfahren kommen auf die mutmaßlichen Brandstifter hohe Schadensersatzforderungen der Parzellenbesitzer zu.

Monatelang hatten die Ermittler nach den Tätern der Brandserie gefahndet, Spuren und Zeugenaussagen ausgewertet. Die Polizei habe einen speziellen Kontrollort für die Gegend eingerichtet, erklärt Nadine Laue von der "Soko Feuer". Dieser machte verstärkte Personenkontrollen durch die Schutzpolizei rechtlich möglich. Diese Maßnahmen hätten schließlich Wirkung gezeigt. "Wir freuen uns über diesen Erfolg im Bereich Parzellen", sagt Laue. Allerdings befasse sich die "Soko Feuer" auch weiterhin schwerpunktmäßig mit Bränden in Wohngebäuden und PKW. "Da bleiben wir weiter am Ball."

Die "Soko Feuer" wurde eingesetzt, weil die Zahl der Brände seit Anfang 2017 in Bremerhaven stark anstieg (wir berichteten). Auffällig oft brannte es im Stadtteil Lehe - auf Parzellen, in Wohngebäuden oder Autos. Ob die zwei Gruppen von Jugendlichen auch für einige dieser Brände verantwortlich sind, ist noch unklar.

Verbindungen zwischen den Tätergruppen und einem 15-Jährigen, gegen den im November 2017 bereits Anklage wegen Brandstiftung erhoben worden war, seien bisher ebenfalls nicht bekannt, sagt der Sprecher der Staatsanwaltschaft in Bremerhaven, Oliver Constien. Der junge Mann sei jedenfalls nicht Mitglied der betreffenden Gruppen gewesen.

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Ihm wurde unter anderem vorgeworfen, einen Brand in einem Haus in der Wülbernstraße im April 2017 gelegt zu haben. Dabei wurden 13 Menschen verletzt, drei davon schwer. Der Verdächtige wurde im Dezember wieder auf freien Fuß gesetzt. Das Landgericht Bremen hatte entschieden, dass kein hinreichender Tatverdacht bestehe. Er sei aber weiterhin im Fokus der Behörden, sagt Constien. "Wir waren ja der Ansicht, dass wir den Richtigen haben." Sein Geständnis habe der Jugendliche zurückgezogen, weshalb es nicht verwendet werden dürfe. Insgesamt habe die Zahl der Brände in Wohnhäusern in den vergangenen Monaten in Bremerhaven stark abgenommen.

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Allerdings ist in der Nacht zu Freitag in Lehe erneut ein Feuer in einem leerstehenden Gebäude in der Langen Straße in Lehe ausgebrochen. Ob ein Zusammenhang zu den vorherigen Brandstiftungen besteht, wird laut Polizei nun geprüft.

(Dieser Artikel wurde um 13.37 Uhr aktualisiert.)

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