Gravierende Baumängel

Polizei-Schießstand in Huckelriede vor Zwangsschließung

Dass der Schießstand der Bremer Polizei in Huckelriede sanierungsbedürftig ist, ist seit Jahren bekannt. Doch nun droht die Anlage stillgelegt zu werden, wenn die Mängel nicht kurzfristig beseitigt werden.
18.02.2019, 19:15
Lesedauer: 3 Min
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Polizei-Schießstand in Huckelriede vor Zwangsschließung
Von Ralf Michel
Polizei-Schießstand in Huckelriede vor Zwangsschließung

Der Schießstand der Polizei muss dringend saniert werden. In einem internen Papier der Innenbehörde ist sogar von Gesundheitsgefahr für die Schießlehrer die Rede.

Christina Kuhaupt

Der Schießstand im Trainingszentrum auf dem Gelände der Bereitschaftspolizei in Huckelriede muss von Grund auf saniert werden. Für eine Million Euro, heißt es in einer Vorlage der Innenbehörde, über die der Senat an diesem Dienstag entscheidet. Laut dem internen Papier gibt es hierzu keine Alternative. „Die baulichen Defizite haben eine derartige Tragweite, dass die Schießbahnsachverständigen der Polizei eine Stilllegung angekündigt haben, sofern nicht kurzfristig eine Mängelbeseitigung erfolgt“, heißt es in der Vorlage.

Der Schießstand in Huckelriede wurde 2001 in Betrieb genommen. Seither erfolgt hier unter unveränderten baulichen Bedingungen die gesamte theoretische und praktische Aus- und Fortbildung des Schusswaffengebrauchs der Polizei Bremen. Dass die Anlage bauliche Mängel aufweist, ist seit 2015 bekannt. Das stellten damals Sachverständige im Rahmen einer Regelüberprüfung fest. Von ihrer Tragweite beziehungsweise Dimension wurden diese Mängel aber als „noch vertretbar“ und „den Dienstbetrieb nicht gefährdend“ eingestuft, erklärt die Innenbehörde.

Eine Projektgruppe erfasste die Mängel

Eine detaillierte Erfassung der Bauschäden oder gar eine Berechnung der Kosten für ihre Beseitigung gab es seinerzeit nicht.

Zwei Jahre später führte dann die erneute Überprüfung des Trainingszentrums zu dem Ergebnis, dass die Anlage nicht mehr den Sicherheitsanforderungen und dem Gesundheitsschutz der aktuell geltenden Schießstandrichtlinien des Bundesministeriums des Inneren entsprach und „somit nicht mehr zu tolerieren“ war.

Eine Projektgruppe machte sich deshalb daran, die Mängel und deren Behebung detailliert zu erfassen. Ergebnis: Es gibt nicht nur Beschädigungen im Bereich der Schießbahnen, sondern auch Defizite bei den Sicherheitsstandards, beim Brandschutz sowie bei der Be- und Entlüftung der Schießbahnen. Laut Innenbehörde sind die festgestellten Mängel an der Lüftungsanlage so gravierend, dass für die Schießlehrer, die dort über einen längeren Zeitraum den durch die Schussabgabe entstehenden Immissionen ausgesetzt sind, ein erhöhtes Gesundheitsrisiko besteht.

Als Lösung des Problems schlägt das Innenressort die umfassende Sanierung der Anlage vor. Insgesamt schlagen die notwendigen Abbrucharbeiten, die Erneuerung von Türen, Decken, Bodenbelegen und Wandverkleidungen sowie die Erneuerung oder Anpassung von Lüftungs-, Energie- und Kommunikationsanlagen mit etwa einer Dreiviertelmillion Euro zu Buche. Was sich zusammen mit den Baunebenkosten (216 600 Euro), der Verwaltungskostenpauschale (12 700) und einem Risikoaufschlag (21 600) auf die runde Investitionssumme von einer Million Euro addiert. Hinzu kommen weitere 120 000 bis 150 000 Euro, die als Nutzungsgebühr für einen Ersatzschießstand kalkuliert werden.

2000 Schuss pro Tag

Für die dauerhafte Aufrechterhaltung der Schießausbildung und Fortbildung der Polizei Bremen in einem eigenen Schießstand sei dies die günstigere Alternative, argumentiert die Innenbehörde. Ein Ersatzbau würde etwa 4,8 Millionen Euro kosten. Schießstände der Polizei Niedersachsen, der Bundeswehr oder von Schützenvereinen dauerhaft zu nutzen, scheide als Alternative aus, da diese häufig nicht den Anforderungen der Polizei genügten. Zudem fielen hierfür als dauerhafte Lösung hohe Miet- und Wegekosten an.

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Die Baumaßnahme zu verschieben, schließt die Innenbehörde aus. Dies würde zu „erheblichen Verwerfungen im Dienstbetrieb der Polizei Bremen führen und ist somit unbedingt zu vermeiden“. Welche Bedeutung der Schießstand für die Polizei hat, verdeutlicht deren Pressestelle mit folgenden Zahlen: Die Anlage wird fünf Tage die Woche von 7.30 Uhr bis 17.30 Uhr genutzt. Pro Tag werden hier auf den beiden Bahnen (25 und 50 Meter) insgesamt circa 2000 Schuss verschossen. Benutzt wird der Schießstand derzeit von den 360 Studenten der Polizeihochschule sowie 2300 Waffenträgern der Polizei. In Bremen muss jeder Polizist, der eine Dienstwaffe trägt, zweimal im Jahr zum Schießtraining.

Private Zwischenlösung

Die Innenbehörde strebt den Baubeginn bereits Mitte 2019 an, auch, um die ausbildungsfreie Zeit im Sommer nutzen zu können. Fertiggestellt sein soll der sanierte Schießstand Ende Januar 2020. Während der Bauphase bleibt die Anlage für etwa sechs Monate geschlossen. Die Schießausbildung in dieser Zeit werde nur eingeschränkt unter Einbeziehung von Ausweichschießstätten möglich sein. Gemeint ist damit der private Schießstand des Bremer Schützenvereins von 1843 in der Volkmannstraße, der auch schon von Zoll und Bundespolizei genutzt wird. Da die Vereinsschützen nur abends schießen, besteht laut Innenbehörde tagsüber die Möglichkeit für die Polizei, die Anlage zu nutzen.

750 000 Euro der Gesamtkosten fallen bereits 2019 an. Finanziert werden könnte diese Summe laut Innenressort durch einen voraussichtlich geringeren Abfluss der noch gesperrten Mittel für den Neubau der Feuerwache Nord-Ost in diesem Jahr. Die verbleibenden 250 000 Euro müssten im Investitionsbedarf 2020 eingeplant werden.

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