Aktion "Türschild" in Bremen

Polizei und swb starten Aktion gegen Trickdiebe

Bremen. Um den immer dreisteren Methoden von Trickbetrügern entgegenzuwirken, starten Polizei Bremen und swb eine großangelegte Aktion zur Bekämpfung von Kriminalität an der Haustür.
18.11.2010, 16:33
Lesedauer: 3 Min
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Von Fabian Weidenhausen
Polizei und swb starten Aktion gegen Trickdiebe

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Barbara Debinska

Bremen. Um den immer dreisteren Methoden von Trickbetrügern entgegenzuwirken, starten Polizei Bremen und swb eine großangelegte Aktion zur Bekämpfung von Kriminalität an der Haustür.

Ob verkleidet als Polizist, Mitarbeiter der Stadtwerke, Handwerker oder Zeitungsverkäufer – Trickdiebe lassen keinen Schwindel unversucht. Seit Anfang des Jahres wurden in der Stadt Bremen rund 300 Straftaten von Betrügern und Eindringlingen angezeigt. Dabei entstand ein Schaden von mehr als 500.000 Euro. Die Dunkelzahl liegt noch weitaus höher, auch weil viele Opfer sich aus Scham, betrogen worden zu sein, nicht melden. Zum Vergleich: 2008 waren es zum gleichen Zeitpunkt 236 angezeigte Straftaten, 2009 schon 250.

Die Polizei und die swb haben nun einen Lösungsvorschlag präsentiert, der die Zahl der Betrugsfälle eindämmen soll. Im Zuge der "Aktion Türschild: Machen wir es ihnen schwer" werden am kommenden Sonntag alle Haushalte in Bremen ein rotes Pappschild mit der Aufschrift "Ich lasse keine Fremden in meine Wohnung" im Briefkasten vorfinden. Von da an sind die Schilder auch kostenlos in allen Polizeidienststellen und Kundencentern der swb erhältlich. Damit solle das Bitte-nicht-stören-Prinzip aus Hotels umgedreht werden, sagte die Pressesprecherin der swb, Angela Dittmer, bei der Vorstellung des Projekts am Donnerstag. Das Schild wird nicht von außen, sondern von innen an die Haustür gehängt, sodass es bei jedem Griff zur Klinke präsent ist.

Im Zweifel die Tür geschlossen halten

Die Warnschilder sollen "zu Vorsicht und Misstrauen anleiten", so Frank Steinhardt, Leiter Privatkunden der swb, der dazu aufrief, im Zweifel die Tür geschlossen zu halten. Neben der Ermahnung, keine Fremden ins Haus zu lassen, stehen auf den Schildern die Nummern des Polizeinotrufs und der swb-Hotline sowie Tipps, wie man sich verhalten soll, wenn Fremde an der Tür klingeln.

Auch der Bremer Polizeipräsident Holger Münch appellierte daran, niemals Fremde ins Haus zu lassen, falls diese sich nicht zweifelsfrei ausweisen könnten. Notfalls solle man bei der Polizei oder der fraglichen Institution anrufen und sich vergewissern, ob die Person an der Tür auch wirklich zur eigenen Adresse entsandt wurde. Allein dies sei bereits oft Anlass genug, damit sich die Betrüger zurückziehen. "Ich hoffe, dass wir die Quote von Betrugsfällen drücken können, insbesondere vor dem Hintergrund der immer höher werdenden Zahl Älterer in unserer Gesellschaft", sagte Münch. Er berichtete, dass von den bisher gemeldeten 300 Straftaten in diesem Jahr 50 Fälle aufgeklärt und die Täter gefasst worden seien.

Täter spezialisieren sich auf Senioren

Oftmals seien Senioren überfordert, Fremden entschlossen entgegenzutreten. Das mache sie zur Zielscheibe von Trickbetrügern. "Es werden gezielt Personen im Alter von 80 Jahren und älter ausgewählt, weil diese häufig einsam sind und sich über Gesellschaft freuen", sagte Münch. Nach polizeilichen Erkenntnissen agieren rund zwei Drittel der Täter, die durchaus auch im gesetzteren Alter sein können, überregional. Dabei handeln sie organisiert und koordiniert. So drängen sie ihre Opfer, Unterschriften unter dubiose Verträge zu setzen. Hierzu weisen die Polizei und die swb darauf hin, dass Verträge innerhalb von zwei Wochen rückgängig gemacht werden können.

Zu den beliebtesten Verkleidungen der Betrüger zählt die des Wasser- oder Gas-Ablesers der Stadtwerke, der beispielsweise auf eine Zahlung vermeintlich ausstehender Kosten besteht. In ungefähr einer von vier gemeldeten Straftaten wurde im Laufe des Jahres diese Masche angewendet. Dabei wurden bereits 150.000 Euro erbeutet. Die Polizei weist auf die immer wiederkehrende Beschreibung eines etwa 50- bis 60-jährigen, sehr kleinen Täters auf, der gepflegt auftritt und sich mit Blaumann und Mappe als Mitarbeiter der Stadtwerke ausgibt.

In der Hoffnung, die Zahl auftretender Straftaten deutlich zu senken, ruft die Polizei alle jüngeren Mitbürger dazu auf, die Warnschilder an ältere Verwandte und Nachbarn weiterzugeben. Auch sollen diese immer wieder auf die Maschen potentieller Betrüger hingewiesen werden. "Wir wollen keine Angst vor Fremden machen, sondern Handlungssicherheit vermitteln", betonte Harry Götze, Direktor der Ortspolizei Bremerhaven. Er verstehe die Aktion als eine "Hilfe zur Selbsthilfe".

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