Reviere im Bremer Süden

Polizeireform wird sichtbar

Links der Weser wird es jetzt schon ernst mit den Reformplänen der Polizei: Das Kommissariat in der Neustadt wird ausgebaut und die umliegenden Reviere müssen Einsatzkräfte abgeben. Das stößt auf Kritik.
25.11.2018, 16:34
Lesedauer: 4 Min
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Von Karin Mörtel
Polizeireform wird sichtbar

Links der Weser wird jetzt schon bereits ernst mit den Reformplänen der Polizei.

Karsten Klama / dpa

Die angekündigten Veränderungen im Zuge der umstrittenen Polizeireform „2600“ rücken an den Revieren links der Weser in greifbare Nähe. In der Neustadt haben Handwerker am Standort Airport-Stadt mit den Umbauten zum Kommissariat (Infotext siehe unten) begonnen. Dazu gehört die neue zentrale Anzeigenaufnahme für den Bremer Süden. Bürgerfreundlicher und zeitgemäßer sollen die entsprechenden Räume im Klinkerbau an der Otto-Lilienthal-Straße 15 aussehen, heißt es auf Nachfrage. Der Starttermin ist für Anfang Januar angesetzt. Ab dann müssen dort nicht nur Bürger aus der Neustadt in der Wartezone ausreichend Platz finden, sondern auch Menschen aus Obervieland, Huchting, Woltmershausen, Strom und Seehausen, die eine Anzeige aufgeben wollen.

Außerdem müssen die Einsatzkräfte, die bislang an den Revieren Kattenturm, Huchting und Woltmershausen im Einsatz waren, neue Büros und Arbeitsplätze im neuen Kommissariat bekommen. Eben jener Umzug solle noch vor Jahresende erfolgen, ist aus einem der betroffenen Reviere zu hören, die deutlich verkleinert werden sollen.

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Die Polizeiführung gibt sich in diesem Punkt weitaus zurückhaltender. „Es ist angestrebt, die Zentralisierung der Einsatzkräfte im Bremer Süden im ersten Quartal 2019 abzuschließen“, lautet die Antwort auf eine entsprechende Nachfrage des STADTTEIL-KURIER. Es sei zudem noch nicht abschließend geklärt, welche und wie viele Einsatzkräfte in der Neustadt zusammengezogen werden. „Dazu laufen noch Gespräche“, erklärt Sprecherin Franka Haedtke.

Es dürfte sich aber in jedem Fall um die sogenannten „Regionalen Einsatzkräfte“ handeln. Diese waren bislang fest je einem Revier für Stadtteilbelange zugeordnet. Und zu festen Zeiten haben sie sich im Streifenwagen am zentralen Einsatzdienst in der Stadt beteiligt. Die Polizeiführung hatte bei Bekanntgabe der Reform deutlich gemacht, dass sie sich von einer Stationierung dieser Kräfte an wenigen Großrevieren angesichts der Personalnot in Bremen mehr Schlagkraft erwarte, um gemeinsam gezielt in den Stadtteilen einzelne Schwerpunkte angehen zu können.

Nur wenige Reviermitarbeiter vor Ort

Kontaktpolizisten (Kops) und Verkehrssachbearbeiter sowie eine Revierleitung bleiben laut Reformplan aber auf jeden Fall in allen Stadtteilen zurück. Doch genau das ist der Bürgerinitiative Keine Revierschließung in Bremen deutlich zu wenig. Deren Sprecherin, Jutta Strerath-Eichinger, findet es enttäuschend, dass durch die Reform nur noch wenige Reviermitarbeiter vor Ort bleiben. „Die Kops leisten wichtige Präventionsarbeit, aber die eigentliche Revierarbeit mit Anzeigenaufnahme kann ohne die Einsatzkräfte, die jetzt in die Neustadt wechseln müssen, nicht mehr stattfinden. Daher kann man es auch nicht mehr Reviere nennen“, ärgert sie sich.

Seit 2012 hat die Bürgerinitiative gemeinsam mit dem Beirat für einen Reviererhalt in Woltmershausen gekämpft – und schließlich sogar eine Aufstockung mit eigenem Streifenwagen erreicht. Errungenschaften, die in Kürze wieder verloren gingen. Klammheimlich werde nun durchgesetzt, was 2012 am Bürgerprotest gescheitert sei, konstatiert die Sprecherin der Bürgerinitiative. Die aktuellen Schritte, um die Reformpläne umzusetzen, seien daher „für uns Revierschließungen durch die Hintertür“, so Strerath-Eichinger.

Bürgersprechstunden sollen eingerichtet werden

Aus Sicht der Polizeiführung ist jedoch der Kontakt zu den Stadtteilbewohnern vor Ort weiterhin gewährleistet. An den Revieren werde es zum einen zukünftig eine Bürgersprechstunde von Montag bis Mittwoch und freitags von 10 bis 12 Uhr sowie donnerstags von 15 bis 17 Uhr angeboten. Und auch wenn die Anzeigenaufnahme in der Regel an den Polizeirevieren nicht mehr erfolgen solle, „können Anzeigesachverhalte mit eilbedürftigem oder gefährlichem Charakter dort vorgetragen und unmittelbar aufgenommen werden“, heißt es aus der Pressestelle der Polizei. Dasselbe gelte für „wichtige persönliche Hinderungsgründe“ des Anzeigewilligen.

Einfache Sachverhalte hingegen sollten an den neuen Zentralstandorten aufgegeben werden, „um die Dienstzeit der Kontaktpolizisten auf der Straße nicht zu reduzieren“, begründen die Verantwortlichen diese Maßgabe. Außerdem verweist die Polizei auf die Online-Wache, wo schon jetzt eine ort- und zeitunabhängige Anzeigenaufnahme möglich sei und die ständig um weitere Deliktsarten erweitert werde.

Und was geschieht mit den frei gewordenen Räumen nach Abzug der Stadtteilkräfte ins Kommissariat an den Revieren Kattenturm, Huchting und Woltmershausen? In Huchting und Kattenturm werde geprüft, ob die Räume zukünftig durch andere Organisationseinheiten der Polizei genutzt werden können wie zum Beispiel die Kriminalpolizei, lässt die Polizeiführung wissen. Für das Revier Woltmershausen, dessen Gebäude wie berichtet marode ist, würden zurzeit mehrere Immobilien im unmittelbaren Umfeld des alten Standortes daraufhin geprüft, ob sie als Standort geeignet seien, so die Polizeipressestelle. Ergebnisse lägen dazu allerdings noch keine vor.

Weitere Informationen

Ziel der Polizeireform 2600 ist es, dass die Bremer Polizei organisatorisch leistungsfähiger und flexibler wird. Dazu soll zum einen das Personal aufgestockt werden – 2600 Vollzeitstellen sollen es bis Herbst 2019 sein. Zum anderen wird die Polizeiarbeit umorganisiert und zentralisiert. Der Hauptteil der polizeilichen Arbeit soll künftig in sechs zentralen Kommissariaten geleistet werden, für den Bremer Süden liegt dies künftig am Flughafen. Die Kommissariate sollen als zentrale, 24 Stunden geöffnete Standorte unter anderem für die Anzeigenaufnahme sowie als Standorte der 110-Einsatz- und Schwerpunktkräfte ausgebaut werden. Dies geht personell und räumlich zulasten der bisherigen elf Polizeireviere.

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