Bauausschuss will zentrales Areal attraktiver gestalten

Potenzial der Plantage ausschöpfen

Die „Plantage“ ist eines der ältesten Gewerbegebiete Bremens. Seit längerer Zeit liegt das Areal zwischen Admiral-, Findorff-und Herbststraße sowie der Eisenbahnstrecke Bremen-Hamburg allerdings brach und vermittelt auswärtigen Besuchern und Anwohnern einen gleichermaßen verwahrlosten Anblick. Diesen misslichen Umstand endlich zu ändern, das haben sich die Mitglieder des Findorffer Fachausschusses Bau, Umwelt und Verkehr auf ihre Fahnen geschrieben.
13.11.2014, 00:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Christian Markwort

Die „Plantage“ ist eines der ältesten Gewerbegebiete Bremens. Seit längerer Zeit liegt das Areal zwischen Admiral-, Findorff-und Herbststraße sowie der Eisenbahnstrecke Bremen-Hamburg allerdings brach und vermittelt auswärtigen Besuchern und Anwohnern einen gleichermaßen verwahrlosten Anblick. Diesen misslichen Umstand endlich zu ändern, das haben sich die Mitglieder des Findorffer Fachausschusses Bau, Umwelt und Verkehr auf ihre Fahnen geschrieben.

Das Gewerbegebiet Plantage, ab 1863 erstes Wohnviertel in Findorff und im Zweiten Weltkrieg im Bombenhagel der Alliierten nahezu vollständig untergegangen, präsentiert sich heute als eine etwas unsortierte Mischung aus Wohnbebauung, Gewerbe, Dienstleistung und Kultur. Erste planerische Entwürfe für eine Neugestaltung des knapp 69 000 Quadratmeter umfassenden Areals, die vor allem die Situation in Richtung Admiralstraße deutlich verbessern sollen, wurden der Öffentlichkeit und der Kommunalpolitik bereits vorgestellt.

Während ihrer jüngsten Sitzung am Dienstag beschäftigten sich die Mitglieder des Findorffer Fachausschusses für Bau, Umwelt und Verkehr nun mit einigen neuen Ansätzen. „Wir hoffen schon länger auf eine Art Gegenbewegung zur verstärkten Ansiedlung des Einzelhandels an der Plantage“, betonte Ulf Jacob von den Grünen. Er begrüße ausdrücklich die Vorschläge der beiden Stadtplanerinnen Georgia Wedler und Diana Spanier, die dem Ausschuss ihre Vorstellungen in einer Powerpoint-Präsentation vorlegten.

In erster Linie war ihr Ansinnen, den Bebauungsplan aus dem Jahr 2004 zu überarbeiten. Denn er widerspricht dem städtebaulichen Entwicklungsplan, den die bremische Bürgerschaft im Jahr 2009 beschlossen hat. Weniger Einzelhandel und mehr Mischbebauung – also Platz für Wohnungen, Handel, Dienstleistungen und Kultur – sei gewünscht, erklärten die Planerinnen. Damit stießen sie fraktionsübergreifend auf großen Zuspruch der Politiker.

Besonders der große Supermarkt sei ihnen ein Dorn im Auge, hoben Ausschussmitglieder und Planerinnen hervor. „Das Areal bietet deutlich größeres Potenzial“, hieß es. Derzeit steht das Gebäude leer. Und das führt zu einer Verwahrlosung. „Dieser Leerstand ist ein Schandfleck, der dringend beseitigt werden muss“, formulierte Ulf Jacob.

An der Stelle könnten sich die Politiker kulturelle Angebote vorstellen, umrahmt von öffentlichen Plätzen, die zum Verweilen einladen und zu einer Aufwertung des Geländes führen könnten. Aber sie wissen auch, dass diese Umgestaltung nur unter Einbeziehung der Eigentümer gelingen kann, die von Beginn an in die Planungen einbezogen werden müssten.

„Wir können uns einen runden Tisch vorstellen“, erklärte Diana Spanier, die gemeinsam mit ihrer Referatsleiterin eine Aussprache mit den Eigentümern in Form eines zwanglosen Straßenfestes vorschlug. Stefan Bendrien (Grüne) griff ihren Vorschlag gern auf: „Seit Jahren brennt uns dieses Gebiet unter den Nägeln. Es ist vollkommen abgeschnitten und wirkt wie ein einsames Fort, das von den Soldaten verlassen und sich selbst überlassen worden ist.“

Hille Brünjes (SPD) stimmte ihm zu und sprach von einem „reizvollen Gebiet, das unzählige Möglichkeiten bietet.“ Nebeneinander könnten zum Beispiel Kreativ-und Versorgungswirtschaft einträchtig existieren. Die Lage biete sich ebenso zur attraktiven Wohnbebauung an.

In Richtung der Bahnanlagen müsse eine Ausweisung des Planungsgebietes als Gewerbegebiet überprüft werden, hieß es. Außerdem sicherte Stadtplanerin Diana Spanier den Findorffer Politikern zu, „schnellstmöglich ein Lärmschutzgutachten zu erstellen“.

„Ungeschliffener Rohdiamant“

Mit ihren Plänen verfolgten die beiden Städteplanerinnen das Ziel des „Innenstadtkonzeptes 2025“, in dem die Plantage als innovatives Wohnviertel profiliert werden soll. Unter Berücksichtigung der vielen denkmalgeschützten Industriegebäude – etwa die ehemalige Rohrstuhlfabrik – soll laut Entwurf ein Dienstleistungs- und Wohnquartier entstehen, das mit neuen Querungen und attraktiven öffentlichen Aufenthaltsräumen zu einer Wiederbelebung dieses „ungeschliffenen Rohdiamanten im Stadtteil“ (Ulf Jacob) führt.

Gleichzeitig müsse deshalb auch die Parkplatzsituation dringend neu geordnet werden. „Der riesige Parkplatz vor dem ehemaligen Supermarkt ist häufig ungenutzt“, stellte Ausschusssprecher Oliver Otwiaska (CDU) fest. Er will möglichst zeitnah eine Eigentümerversammlung einberufen, um über die Pläne zu beraten.

Nach der „Plantage“ stand noch ein weiteres Bauvorhaben auf der Agenda: das Grundstück an der Admiralstraße 23. Architektin Birgit Schramm stellte die Planungen ihres Weyher Unternehmens vor. Insgesamt 22 Wohneinheiten, 18 Autostellplätze sowie ein zweiteiliges Treppenhaus mit Aufzug sollen ab Mai 2015 entstehen.

„Großes Lob“, bedankte sich nicht nur Ulf Jacob nach der Präsentation, auch die übrigen Politiker stimmten den Plänen begeistert zu. „Diesmal werden wir aber genau darauf achten, dass der Bürgersteig nicht so schmal wird, wie es vor dem Hotelneubau auf der gegenüberliegenden Straßenseite passiert ist“, unterstrich Stefan Bendrien.

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