Sport- und Bewegungsangebote Potenzial ist da – aber es braucht Akteure

Walle. Seit einigen Monaten laden Fitnessgeräte beim neuen „Platz der Generationen“ im Utbremer Grünzug insbesondere ältere Waller und Wallerinnen dazu ein, etwas für ihre Gesundheit zu tun.
09.06.2016, 00:00
Lesedauer: 3 Min
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Von WK

Ein Angebot, das bisher offenbar aber weniger genutzt wird als von den Organisatoren erhofft. In der Überseestadt wiederum zieht der im Sommer 2014 vom Sportgarten eröffnete Skatepark Tag für Tag Rollsport- und BMX-Fans aus der ganzen Stadt an. Und rund um den Dedesdorfer Platz an der Vegesacker Straße wird gewissermaßen schon mit den Hufen gescharrt: Nach der Dioxin-Sanierung hoffen Bürgerinitiative und Verein „Waller Mitte“, den ehemaligen BSV-Sportplatz möglichst bald wieder für Fußball, Boule und Beach-Volleyball öffnen zu können.

Woran liegt es, dass manche öffentliche Sport- und Bewegungsangebote sich großer Beliebtheit erfreuen, während andere so gut wie nie genutzt werden? Immer wieder beschäftigt diese Frage Einrichtungen, Akteure und Ortspolitiker. So auch jetzt wieder, bei einem Treffen im Ortsamt West – dort nämlich wurde darüber diskutiert, ob sich das vor einigen Monaten gestartete Projekt „Gröpelingen bewegt“ auch auf Walle übertragen ließe.

Bei „Gröpelingen bewegt“ geht es darum, wie unterschiedliche Freiräume rund um die Gröpelinger Sportmeile stärker für Sport und Spiel genutzt werden könnten. Aktuell wird dort zum Beispiel ein neuer Ballspielplatz im Grünzug gebaut, im Gespräch sind außerdem neue auffällige Riesen-Spielgeräte, kleinere Bewegungsstationen und eine Hundefreilauffläche. Beim Freizi könnten Klimmzugstangen für „Street Work-out“ aufgestellt werden und auch ein Ort für Urban Gardening wäre denkbar, sofern sich Menschen finden, die sich darum kümmern würden. Nun hatte das Team um die Bremer Raumplanerin Franziska Lehmann und den Berliner Landschaftsarchitekten Carlo Becker im Auftrag des Senators für Bau, Umwelt und Verkehr rund 50 Akteure aus Walle eingeladen, um auch hier das Thema „Bewegung“ zu prüfen und mit Leben zu füllen.

Die Sache hat allerdings einen Haken: Anders als in Gröpelingen, wo über das Integrierte Entwicklungskonzept (IEK) Projektgelder beschafft werden können, sind in Walle bisher keine Mittel in Sicht. „Wir wecken hier Erwartungen und können das dann gar nicht umsetzen. Da muss finanziell was kommen“, mahnt dementsprechend Beiratssprecher Wolfgang Golinski (SPD). Franziska Lehmann sieht es etwas anders: „Wir können Konzepte erarbeiten, um dann zu gucken, woher wir das Geld dafür kriegen.“

Das Wichtigste sei, möglichst schnell alle Akteure zusammenzubringen, ist Rainer Imholze überzeugt. Er verantwortet in der Baubehörde die Zentren- und Innenstadtentwicklung und unterstützt die Waller Ortspolitik seit etwa drei Jahren dabei, über das Bundesprogramm „Aktive Stadt- und Ortsteilzentren“ den Stadtteil städtebaulich weiterzuentwickeln, indem dort zentrale Bereiche städtebaulich gestärkt und Freiräume aufgewertet werden. „Es ist schon klasse, was sich hier in Walle alles schon bewegt hat“, findet er und plädiert für „Inhalte statt Hardware“: „Es gibt schon viele Ideen, deshalb sollte man meiner Ansicht nach nun überlegen: Wie kriegt man mehr Leben in die Bude? Wer macht mit? Wir brauchen Nutzungskonzepte, Akteure und Träger.“

„Selbsthilfe von unten“ wünscht er sich. Denn immer wieder würden schöne Plätze gestaltet, auf denen dann aber nichts passiere, meint Imholze und hat dabei nicht nur den „Platz der Generationen“ im Blick, sondern zum Beispiel auch den 2011 sanierten Wartburgplatz: Ursprünglich als Ort für die Freizeit und Erholung der Anwohner gedacht, dient die Fläche heute überwiegend als Parkplatz. Immerhin: Der dort vor einem Jahr auf Initiative des Beirats aufgestellte „gläserne Bücherschrank“ wird gut genutzt.

Das Potenzial ist da – es gibt aber an mehreren Stellen Verbesserungsbedarf, merkten auch andere Besucher an. Der Waller Grünzug etwa sei das reinste Hundeklo und alles andere als einladend. Und die Strecke am Waller Fleet könnte eine tolle Joggingstrecke hinaus zum Waller Feldmarksee sein – wenn da nicht der viele Müll, einige „Schmuddelecken“ und schließlich auch noch die unattraktive Autobahn-Unterführung wären. „Da ist nichts, was einem ein gutes Gefühl macht“, brachte es ein Redner auf den Punkt. Dabei arbeitet genau dort seit Längerem die Umweltbehörde an einer attraktiven und stadtteilübergreifenden Wegeverbindung von Walle bis nach Gröpelingen und auch am Projekt „Naherholungspark Bremer Westen“.

Einig war sich die Runde am Ende darüber, dass die Diskussion fortgesetzt werden soll – im Rahmen von zwei Workshops. Der erste davon ist für die zweite Augusthälfte geplant; inhaltliche Schwerpunkte werden dann Wassersport, Urban Gardening, Grünzug und Querverbindungen/Wege in die Landschaft sein. „Als Ergebnis sollen Ende 2016 Ideen auf dem Tisch liegen, wie ‚Walle bewegt’ umgesetzt werden kann“, so Franziska Lehmann.

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