"Girls Day" oder "Zukunftstag": Jungen und Mädchen erfahren Wissenswertes über verschiedene Berufe Praktisches Schnuppertraining für Schüler

Bremen-Nord. "Gar nicht so einfach", findet der 13-jährige Hannes, "das Schreiben im Stehen" und gleichzeitig ein Interview zu führen. Die 13-jährige Ina, die als Hannes Gesprächspartnerin fungiert und dem Beruf des Hörgeräteakustikers näher kommt, meint allerdings: "Hannes macht seine Sache gut". Nur zwei von vielen Beispielen am gestrigen "Girls Day", der für die Jungen ein "Zukunftstag" war.
15.04.2011, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Von IRIS MESSERSCHMIDT

Bremen-Nord. "Gar nicht so einfach", findet der 13-jährige Hannes, "das Schreiben im Stehen" und gleichzeitig ein Interview zu führen. Die 13-jährige Ina, die als Hannes Gesprächspartnerin fungiert und dem Beruf des Hörgeräteakustikers näher kommt, meint allerdings: "Hannes macht seine Sache gut". Nur zwei von vielen Beispielen am gestrigen "Girls Day", der für die Jungen ein "Zukunftstag" war.

Ursprünglich war dieser Tag dazu gedacht, Mädchen Berufe in den Bereichen Naturwissenschaft, Technik, Handwerk oder Informationstechnologie näher zu bringen. Noch immer hat der "Girls Day" diesen Hintergrund, doch im Zuge der Gleichberechtigung nutzen auch immer mehr Jungen diesen Tag, um sich über verschiedene Berufsfelder zu informieren. So waren auch gestern Mädchen und Jungen gemischt in etlichen großen und kleinen Firmen in Bremen-Nord den ganzen Vormittag unterwegs, um zu schrauben, zu drehen, zu fräsen oder eben Interviews zu führen.

Denn: Auch in der Redaktion der NORDDEUTSCHEN hatte sich Nachwuchs angesagt. Neben dem 13-jährigen Hannes Kosak von der IGS Buschhausen auch die elfjährige Sophie-Marie Kramber von der Waldschule Schwanewede sowie Ravin Khanaka (11) und Rico Schnell (11), beide vom Gymnasium Vegesack. Und: Das Fazit der vier Nachwuchsreporter war durchaus positiv, wenn sie auch am Ende erkannten: "Ganz so einfach, wie wir dachten, ist der Reporterberuf wohl doch nicht."

Vom "Girls Day" zur Ausbildung

Schon am frühen Morgen - noch vor der Redaktionskonferenz - gab es erste Einblicke in das Handwerk. "Später wird ein Interview geführt, überleg Dir schon mal ein paar Fragen", lautete an alle vier die Aufforderung. Mit Zettel und Block bewaffnet "qualmte" schon das erste Mal der Kopf. Eine kurze Entspannungspause, während der Telefonkonferenz mit Redakteur Robert Goldberg, dann durften die Nachwuchsreporter selber ran.

"Es kam auf meine Frage gar nicht die Antwort, die ich erwartet hatte", gesteht Sophie-Marie im Anschluss und Ravin ergänzt: "dann mussten wir immer mehr fragen, um auf die Antwort von der vorhergehenden Frage eingehen zu können und am Ende zu wissen, was wir eigentlich wissen wollten." Einig sind sich letztendlich aber alle: "Als Reporter erfährt man viel mehr Hintergründe zu verschiedenen Dingen". Diese Erfahrung machte auch Ina Barwich. Die 13-Jährige Gymnasiastin aus Oeslebshausen hatte selbst noch nicht so richtig eine Idee. Dann half ihre Mutter: "Die arbeitet bei der Handwerkskammer in Bremen." Inas Mutter suchte einige Betriebe und entsprechende Berufe heraus und Ina entschied sich für "Hörgeräteakustik Klink" in Vegesack.

"Das macht auch richtig Spaß", findet Ina, während sie das Negativ eines Abdrucks ihres eigenen Ohres mit einem Wattestäbchen poliert. "Ich habe mir den Tag genauso vorgestellt", erklärt der Teenager schon nach zwei Stunden. Allerdings gesteht Ina ebenso: "In Mathe und Bio bin ich ganz gut, in Physik nicht so. Ob ich später mal einen technischen Beruf möchte, weiß ich gar nicht. Viel lieber arbeite ich mit Menschen."

Für Hörgeräteakustik-Meisterin Michaela Beyer schließt sich das allerdings nicht aus. Vor 20 Jahren stellte die damals 18-Jährige fest, "dass Wirtschaftsassistentin mit Schwerpunkt Datenverarbeitung und mithin ein Schreibtischjob auf Dauer nicht mein Ding ist". So wechselte sie den Beruf und hat es bis heute nicht bereut.

Auf den "Girls Day" stieß der kleine Betrieb an der Gerhard-Rohlfs-Straße im Übrigen durch den Postboten: "Der fragte vor fünf, sechs Jahren, ob seine Tochter den Mädchen-Zukunftstag bei uns verbringen könnte", erklärte Michaela Beyer.

Der kleine Betrieb konnte und wollte. Seitdem ist jeweils ein Mädchen am "Girls Day" bei Klink und Michaela Beyer kann zu diesem Infotag nur jedem kleinen Betrieb raten: "Es gibt durchaus Erfolge". Eines der Mädchen, die durch den "Girls Day" zu Klink gelangten, hat nämlich nicht nur anschließend ein Praktikum, sondern auch gleich noch die Ausbildung zur Hörgeräteakustikerin absolviert.

Eine Nachwuchsförderung, die mittlerweile zahlreiche Unternehmen und Institutionen gerne nutzen: mit Mädchen alleine, die gestern beispielsweise bei der BBV anhand von Rohlingen Kerzenständer fertigten; mit Mädchen und Jungen gemeinsam, die unter anderem im Kraftwerk Farge Berufe wie Elektroniker für Betriebstechnik oder Industriemechaniker kennenlernten oder nur mit Jungen.

In dieser Hinsicht setzt beispielsweise die Arbeiterwohlfahrt (AWO) Bremen auf Gleichberechtigung und hat einen "Boys Day" eingerichtet: Damit sollen einen Tag lang die Jungen lernen, wie es in - bislang immer noch typischen - Frauenberufen ist: nämlich in der Senioren-, Behinderten-, Kinder- oder Jugendhilfe.

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