Start des Kulturfestivals am Osterdeich

Premieren, Pop und Politik auf der Breminale

Die Breminale 2019 ist eröffnet. Die erwarteten 200.000 Besucher des Kulturfestivals erwarten fünf Tage Kunst und Konzerte und auch in diesem Jahr gibt es einige Neuheiten.
03.07.2019, 22:42
Lesedauer: 5 Min
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Von Elena Matera und Pascal Faltermann

Mit viel Sonnenschein und guter Stimmung startet die Breminale 2019 am Mittwochabend. Schon am Nachmittag füllt sich das Gelände nach und nach. Die zahlreichen Essens- und Getränkestände öffnen ihre Türen. Erste Besucher schlendern umher, setzen sich auf den Deich und erkunden die Spielstätten und Buden. Hier und dort hört man noch ein Hämmern, die ersten Bands proben vor ihren großen Auftritten. Techniker überprüfen die großen Anlagen in den Zelten. Fünf Tage lang wird es auf dem Osterdeich wieder viel Kultur, Kunst und zahlreiche Konzerte geben. Auch in diesem Jahr gibt es einige Neuheiten auf der Breminale: neue Bühnen feiern Premiere, das Kulturfestival wird nachhaltiger und beim Clubverstärker wird es politisch. Um 18 Uhr treten dann die ersten Bands auf die Bühne. Der erste Breminale-Tag in Häppchen.

Entspannter Auftakt

Auf die Plätze, fertig, los! Die erste Band spielt auf der Bühne Dreimeterbretter. Die Künstler: Am Apparat, ein junges, unabhängiges Bremer Plattenlabel. Das besteht aus DJ’s, Producern und MC’s. Zahlreiche Besucher sitzen bei ihrem Auftritt im Sonnenschein auf dem Deich. Einige haben Sitzsäcke, Kissen oder Decken mitgebracht, andere Gäste sitzen auf den Holzbänken, die vom Team der Dreimeterbretter in den vergangenen Tagen zusammen gezimmert wurden. Die Band Am Apparat spielt vor allem ruhige Beats mit Rapeinheiten. Es ist ein entspannter Start für das Kulturfestival.

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Neue Clubmitglieder

Zahlreiche Clubbetreiber aus Bremen und dem Umland treffen sich an der Strandbühne direkt neben dem Flut-Zelt. Es ist einer der ersten Programmpunkte des Kulturfestivals. Bei einem Meet and Greet stehen die Mitglieder des Verbundes von Bremer Musikspielstätten auch den Besuchern Rede und Antwort. Julia von Wild von der Interessenvertretung begrüßt dabei gleich fünf neue Mitglieder im Verein: Die komplette Palette von Immo Wischhusen (Flowin Immo) ist neu dabei, wie auch die Viertelkneipe Lift, das Veranstalter-Kollektiv Kulturkraken, der Verein Musikszene mit der Zollkantine und aus Niedersachsen das Pumpwerk in Wilhelmshaven. Insgesamt kommt der Clubverstärker nun auf 40 Mitglieder.

Es wird politisch

„Wir haben eigentlich mit ein paar mehr Politikern gerechnet“, sagt von Wild. Zu dem Treffen der Veranstalter und Kulturschaffenden verirrt sich nur die Bürgerschaftsabgeordnete Kai Wargalla (Grüne). Der ehemalige Abgeordnete Wilko Zicht (Grüne) und Joe Schlosser aus der Bremer Kulturbehörde zeigen ebenfalls Präsenz. „Wir freuen uns aber, dass der Clubverstärker im Koalitionsvertrag des rot-grün-roten Bündnisses auftaucht“, sagt von Wild. In dem Papier der drei Parteien steht: „Im Bereich der Popularmusik werden neue Initiativen wie zum Beispiel die Musikszene Bremen, der Clubverstärker und ein Popbüro unterstützt, besser koordiniert, Netzwerkstrukturen gestärkt oder aufgebaut“. Zudem geben die Clubbetreiber bekannt, dass sie am 24. und 25. Oktober 2019 in Bremen ein Festival mit angeschlossenem Kongress veranstalten werden. Dafür haben sie eine Förderung aus Berlin zugesagt bekommen.

Pappinale feiert Premiere

Beats, DJ's und Tanz – mit diesem Vorsatz startet die Pappinale in diesem Jahr zum ersten Mal auf der Breminale. Die Zusammenarbeit zwischen dem Wohnzimmer aus dem Viertel und dem Breminale-Veranstalter wurde einvernehmlich aufgelöst. Stattdessen gibt es nun die Pappinale in Kooperation mit der Bar Papp aus der Neustadt. Auf der neuen Bühne zwischen Dreimeterbrettern und Biopromenade sollen in den nächsten Tagen vor allem viele DJs spielen. Der Nürnberger Bernd Pflaum alias Bird Berlin tritt als erster Künstler auf der Pappinale auf – und die Darbietung hat es in sich. Halb nackt und voller Glitzer steht der Sänger auf der Bühne und singt Popschlager. Viele Zuschauer kommen, um ihn zu sehen. Sie tanzen und feiern den verrückten Auftritt. Eine gelungene Premiere für das Papp.

Küchenkonzerte

Eine weitere Bühne gibt in diesem Jahr ihr Debüt: die Küche. Allerdings ist diese nicht im Programmheft zu finden. Der kleine, unscheinbare Ort befindet sich in der Holzhütte rechts neben der Dreimeterbretterbühne. Dort befindet sich eigentlich der Backstagebereich der Künstler und die Küche. Der Koch Matze hat in den vergangenen Jahren immer wieder auf seiner Gitarre in der Küche gespielt. Menschen kamen vorbei, lauschten seiner Musik – und waren begeistert von der entspannten Stimmung in der kleinen Oase aus Holz.

Das Team der Dreimeterbretterbühne dachte sich irgendwann, dass aus der Küche mehr rauszuholen ist. In diesem Jahr ist es nun soweit: Das Team hat eine kleine Bühne aus Holz gezimmert. Diese steht direkt am Eingang des Backstagebereichs der Dreimeterbretterbühne. Am Mittwochabend gibt Matze sein erstes kleines Konzert mit seiner Gitarre. In den nächsten Tagen sollen sich dort auch weitere Künstler ausprobieren können.

Spontane Auftritte

Auch inmitten der großen Konzerte auf den Bühnen gibt es die ein oder andere kleine musikalische Überraschung, die nicht im Programmheft zu finden ist. Es sind Mini-Konzerte, die spontan stattfinden. Einige Künstler singen und spielen auf dem Deich, im Park oder an der Weser. Fast zwanzig Minuten lang tritt etwa ein Posaunist im Park auf – zwischen Siebdruckstand und Bremen-Zwei-Bühne. Ganz ohne Gesang und andere Instrumente spielt der Künstler einige Songs. Immer wieder bleiben Besucher stehen, fotografieren den Künstler oder hören einfach nur zu. Es sind diese kleinen Überraschungen, die das Kulturfestival so besonders machen. Auch in den nächsten Tagen wird es sicherlich wieder hier ein Spontankonzert geben. Es lohnt sich, stehen zu bleiben.

Ein Graben im Flut-Zelt

Das Sicherheitskonzept für die Breminale wird jedes Jahr überarbeitet. So gibt es in diesem Jahr zum ersten Mal die Vorschrift, dass im Flut-Zelt vor der Bühne ein sogenannter Graben sein muss. Die Künstler sind für die Besucher also nicht mehr zum Greifen nahe. Es ist aber auch nur etwa ein Meter.

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Das Zigaretten-Problem

Bei Großveranstaltungen ist es immer das Gleiche: Der Müll der Besucher wird zum großen Problem. Vor allem unzählige Zigarettenstummel und Filter müssen nach dem Fest eingesammelt werden. Die Breminale-Organisatoren von der Agentur Concept Bureau haben sich für die Glimmstängel etwas einfallen lassen. Zum ersten Mal gibt es große bunte Tonnen, die zu Aschenbechern umfunktioniert wurden und mit Wasser gefüllt auf dem Gelände stehen. Zudem werden kleine Taschenaschenbecher aus Pappe verteilt. Trotzdem bleiben immer noch genügend Kippen am Deich liegen.

Vernissage mit Kunst und Sekt

Zeichnungen, Vasen oder Porträts – auf der Vernissage der Arrt Pop Galerie am Mittwochabend im Park können die Besucher moderne Kunst betrachten. Die Gäste werden mit Sekt begrüßt. Junge Künstler aus Bremen und der Umgebung stellen in der Galerie auch in den nächsten Tagen ihre Kunst aus – insgesamt sind es 19 Künstler. Die Arrt Pop Galerie ist ein mobiler Kunstraum – ganz ohne Eintritt und Museumsbesuch. Das Ziel des Projekts: Kunst soll für alle erfahrbar werden. Bis Sonntag können Festivalbesucher so einen kostenlosen Einblick in die Welt der modernen Bremer Kunst erhalten.

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