Private Tests

Ansturm auf Corona-Ambulanz der Johanniter in Bremen

Das Beherbergungsverbot steigert die Nachfrage nach privaten Corona-Tests. Nachdem Bremen zum Risikogebiet erklärt wurde, verdoppelte sich die Zahl der Getesteten im Testzentrum der Johanniter.
19.10.2020, 05:00
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Ansturm auf Corona-Ambulanz der Johanniter in Bremen
Von Lisa Urlbauer
Ansturm auf Corona-Ambulanz der Johanniter in Bremen

Warteschlangen gibt es vor dem Corona-Testzentrum der Johanniter in Habenhausen.

Frank Thomas Koch

Ohne einen negativen Corona-Test müssen viele innerdeutsche Urlaube in diesen Herbstferien ausfallen – in Teilen des Landes gilt ein Beherbergungsverbot. Mit dieser Regelung ist die Nachfrage nach freiwilligen Corona-Tests deutlich angestiegen. Das berichtet ein Ehrenamtlicher des Testzentrums der Johanniter-Unfall-Hilfe.

Anfang August haben die Johanniter ein Corona-Testzentrum in der Julius-Bamberger-Straße in Habenhausen eröffnet. Seit Bremen den Inzidenzwert von 50 Corona-Neuninfektionen pro 100.000 Einwohnern überstiegen hat, habe sich die Zahl der durch die Johanniter getesteten Personen verdoppelt, sagt Einsatzkraft Mirko Saak. „Wir haben einen enormen Sprung in der Nachfrage gemacht, als Bremen zum Risikogebiet erklärt worden ist.“ Rund 1000 Personen haben sich nach Angaben von Regionalvorstand Andreas Setzer seit dem Start der Einrichtung testen lassen.

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Anders als die Corona-Ambulanzen in der Messehalle und in der Vahr, ist das Johanniter-Testzentrum für Personen gedachtet, bei denen keine medizinische Notwendigkeit für einen Corona-Test besteht, die sich aber dennoch testen lassen möchten. Die Johanniter-Unfall-Hilfe bietet Tests für Menschen, die beispielsweise in ein Bundesland reisen möchten, in dem das Beherbergungsverbot gilt. Oder die Verwandte besuchen möchten, die zur Corona-Risikogruppe gehören. „Wir testen auch Mitarbeiter von Unternehmen, die ihren Betrieb sicherstellen möchten“, sagt der Helfer. Die Kosten dafür müssen sie selbst tragen, derzeit 95 Euro pro Test. Ein Großteil dessen gehe an das Labor und müsse für die Materialkosten zum Infektionsschutz aufgewendet werden, erklärt Saak.

Weil es sich um eine freiwillige Leistung handelt, brauchen Personen, die sich von den Johannitern testen lassen möchten, keine ärztliche Überweisung, sondern lediglich einen Termin, den sie über die Internetseite der Johanniter vereinbaren können. „Wir haben standardmäßig drei Termine, montags, donnerstags und samstags“, sagt Saak. Der Bedarf sei aber deutlich höher. „Wir bekommen täglich Dutzende Anrufe und E-Mails von Leuten, die keinen Termin mehr bekommen haben.“ In den ersten Wochen hätten die Einsatzkräfte 20 bis 30 Personen täglich getestet, mittlerweile seien es 40 bis 50. Bisheriger Tagesrekord: 124 Tests innerhalb von sieben Stunden. Um mehr Tests durchführen zu können, haben die ehrenamtlichen Helfer der Johanniter die Testzeiten verlängert und ein bis zwei weitere Termine pro Woche eingeführt.

Abstrich aus dem tiefen Rachen

Ihr Testzentrum haben sie in einer Fahrzeughalle auf dem Hof der Johanniter-Unfall-Hilfe eingerichtet, in einem Kunststoffzelt. „Das Plastik können wir vollständig desinfizieren“, erklärt Saak. Die Einsatzkräfte haben eine Ecke zum Warten und Registrieren eingerichtet sowie einen geschützten Bereich zum Testen. Die Abstriche würden die Helfer aus dem tiefen Rachen entnehmen, erläutert der Helfer. Anschließend würden alle Flächen, mit denen eine getestete Person in Berührung gekommen sei, gereinigt. Am Ende des Tages senden die Johanniter die Proben an ein Labor.

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Wann die Ergebnisse vorliegen, können Saak und seine Kollegen nicht beeinflussen. „Medizinische Testungen haben Vorrang“, betont der 31-Jährige. „Unsere Tests sind eine individuelle Gesundheitsleistung, die nur bei Kapazität untersucht werden können.“ Es gebe gute Chancen, dass die Ergebnisse am nächsten Tag vorlägen. „Es kann aber auch länger dauern.“

Hausärzte testen freiwillig

Nicht nur im Testzentrum der Johanniter-Unfall-Hilfe können sich Personen freiwillig auf das Corona-Virus testen lassen. Auch Hausärzte bieten diesen Service an – wenn sie denn Kapazitäten dafür haben.

„Bei uns in der Praxis rufen jede Menge Leute an und bitten um eine Testmöglichkeit“, berichtet Hans-Michael Mühlenfeld, Allgemeinmediziner und Vorsitzender des Bremer Hausärzte-Verbandes. „In unserer Gemeinschaftspraxis haben wir die Kapazitäten dazu. Viele meiner Kollegen haben sie aber nicht.“

„Wir müssen in erster Linie unsere Patienten versorgen“, sagt Mühlenfeld. Das sei aber schwierig, wenn sie keinen Termin machen könnten, weil die Telefonleitung aufgrund der erhöhten Nachfrage nach freiwilligen Corona-Tests ständig belegt sei. „Unter Umständen kommen unsere Patienten dann nicht zu uns durch.“ Mühlenfeld wünscht sich eine bessere Kommunikation von der Gesundheitsbehörde. „Es müsste einfach ein bisschen klarer sein, wer sich an welche Stelle wenden kann für einen Test.“

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Personen, die einen Abstrich für eine Reise bräuchten, könnten zur Johanniter-Unfall-Hilfe gehen. Wer Kontakt zu einer infizierten Person hatte, sollte sich an das Gesundheitsamt wenden. „Alle Kranken testen wir Hausärzte oder überweisen sie an die Corona-Ambulanz der Kassenärztlichen Vereinigung (KVHB)“, sagt Mühlenfeld.

In der Ambulanz der Kassenärztlichen Vereinigung habe sich die Lage entspannt, sagt Sprecher Christoph Fox. Mit Beginn des Beherbergungsverbots hatten sich offenbar zahlreiche Menschen auf eigene Faust zu dem Testzentrum in der Vahr aufgemacht, um sich vor Reiseantritt testen zu lassen. Nun habe sich das Verfahren eingespielt, erklärt Fox. „Es kommen kaum noch unangemeldete Patienten in die Ambulanz.“

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