Privatschulleiterin über digitales Lernen

„Beim Homeschooling kommt es sehr auf den Lehrer an.“

Privatschulleiterin Barbara Manke-Boesten berichtet bei einer Bremer Tagung darüber, wie digitales Lernen an ihrer Schule funktioniert.
07.11.2020, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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„Beim Homeschooling kommt es sehr auf den Lehrer an.“
Von Sara Sundermann
„Beim Homeschooling kommt es sehr auf den Lehrer an.“

Homeschooling und digitales Lernen sind während der Corona-Krise zu einem festen Bestandteil des Schulalltags geworden. (Symbolbild)

Stefan Puchner / dpa

Sie wollen den Bremerinnen und Bremern an diesem Samstag bei einer Tagung ­berichten, wie digitales Lernen an Ihrer Schule funktioniert. Was ist bei Ihnen so besonders?

Barbara Manke-Boesten: Bei uns haben alle Lehrkräfte ein Tablet und eine Email-Adresse. Jede Email an einen Lehrer soll von diesem innerhalb von 24 Stunden beantwortet werden. Mit digitalem Lernen beschäftigen wir uns schon seit der Gründung der Schule im Jahr 2006. Und nach dem ersten Lockdown haben in den Osterferien wir alle Lehrer für den Umgang mit der digitalen Lernplattform Its Learning geschult, die Plattform haben wir seit drei Jahren.

Its Learning – das dürfte den Bremern bekannt vorkommen, denn zu genau dieser Plattform hatten alle Bremer Schulen schon vor Corona Zugang ... Aber bei der technischen Infrastruktur können sicher die wenigsten Schulen hier mithalten. Wie sieht es denn bei Ihnen mit WLAN aus – das gibt es bei uns an einigen Schulen weiter nur im Lehrerzimmer ...

WLAN gibt es bei uns überall. Und jeder Klassenraum hat einen Nahdistanz-Beamer. Unsere alten Overhead-Projektoren haben wir gerade an eine Schule in Südafrika gespendet. Alle unsere Oberstufenschüler haben seit ein paar Jahren ein I-Pad, das ihnen gehört, und das von der Schule mit 150 Euro bezuschusst wird. Für die jüngeren Schüler haben wir I-Pad-Koffer mit 22 Geräten, die wir dann nutzen, wenn wir sie brauchen. In der Grundschule möchten wir nicht, dass die Kinder mit dem Tablet arbeiten. Denn es ist erwiesen, dass sie durch das Schreiben mit der Hand viel besser lernen, als wenn sie etwas eintippen.

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Sie können Ihre digitalen Werkzeuge jetzt gut gebrauchen. Ihre Schule, die etwa 1000 Kinder besuchen, ist ja derzeit wieder geschlossen.

Ja, wir haben insgesamt 19 positiv getestete Schüler und Schülerinnen, die Schule ist bis auf die Oberstufe in dieser und der nächsten Woche geschlossen. Aber für die Klassen eins bis zehn ist der Übergang ins Homeschooling reibungslos verlaufen.

Wie sieht für Ihre Schüler ein Tag aus, wenn die Schule zu ist?

Der Tag beginnt zur gleichen Zeit wie sonst, um 8 Uhr mit einer Videokonferenz. Die Schüler haben Unterricht nach ihrem normalen Stundenplan. Wir haben meist Doppelstunden, so eine Doppelstunde beginnt mit einer Videokonferenz der ganzen Klasse: Der Lehrer hält zuerst eine Art Vortrag und führt in das Thema ein. Danach kommt eine Phase, in der die Schüler Aufgaben bearbeiten, während der Lehrer weiter online und für Fragen ansprechbar ist. Wir wissen aber nicht, ob die Schüler dabei noch im Schlafanzug sind oder nebenbei ihr Nutella-Brot essen.

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Stoßen Sie auch mit einer guten technischen Ausstattung an Grenzen beim Distanzunterricht?

Auf jeden Fall. Gute Ausstattung ist schön, aber gerade beim Homeschooling kommt es sehr stark auf den Lehrer an. Der Lehrer bleibt unverzichtbar, das haben wir auch durch die Zusammenarbeit mit dem Bremer Hirnforscher Gerhard Roth immer wieder bestätigt bekommen. Der Lehrer braucht eine Struktur, muss sich gut vorbereiten. Ein Problem bleibt: Wenn ich in einer Videokonferenz ein Thema erkläre, weiß ich nicht, ob die Schüler zuhören. Die meisten schalten ihre Kamera aus, und ich kann nicht sehen, wann sie abgelenkt sind oder nicht mehr mitkommen. Und viele unserer Schüler trauen sich digital weniger, Fragen zu stellen als im normalen Unterricht.

Was kostet es für Eltern, ihr Kind auf Ihre Privatschule zu schicken?

Wir haben unterschiedliche Beiträge je nach Alter der Schüler. Das Schulgeld liegt zwischen 145 und 170 Euro pro Monat, eine Betreuung bis 17 Uhr und in den Ferien kostet zusätzlich zwischen 120 und 160 Euro. Hinzu kommt eine einmalige Aufnahmegebühr von 150 Euro für jedes Kind.

Das Gespräch führte Sara Sundermann.

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Zur Person

Barbara Manke-Boesten (69) ist Leiterin der Leibniz Privatschule in Elmshorn (Landkreis Pinneberg). Am Samstag berichtet sie bei einer Bremer Konferenz über digitales Lernen an ihrer Schule.

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Zur Sache

Internate mit Sorgen

Die Corona-Pandemie führt auch bei Internaten zu Problemen. Besonders kleinere Häuser, die bislang kaum digitalisiert hatten, müssen in diesen Tagen um ihre Existenz fürchten. Weil häufig der Unterricht gar nicht stattfand, mussten kleinere Internate Teile der Gebühren zurückerstatten. Hinzu kam, dass durch Grenzschließungen einige Internate bedeutend weniger ausländische Schüler hatten. Der Einreisestopp in die Bundesrepublik Deutschland habe zu millionenschweren Einnahmeausfällen geführt, heißt es.

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