Katastrophenschutzübung am Flughafen Proben für den Ernstfall

Bremen. Das Unglück ist erfunden, könnte aber genau so stattfinden: Am Bremer Flughafen gerät ein mit 95 Passagieren besetzter Airbus A 320 kurz nach dem Abheben in einen Vogelschwarm.
24.08.2014, 00:00
Lesedauer: 2 Min
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Proben für den Ernstfall
Von Jörn Seidel

Das Unglück ist erfunden, könnte aber genau so stattfinden: Am Bremer Flughafen gerät ein mit 95 Passagieren besetzter Airbus A 320 kurz nach dem Abheben in einen Vogelschwarm. Im linken Triebwerk verfangen sich so viele Tiere, dass es ausfällt. Der Pilot verliert die Kontrolle. Die Maschine setzt auf den Boden auf und driftet von der Landebahn ab. Das Triebwerk fängt Feuer.

Dann beginnt die Realität: Kurz vor Mitternacht am Freitagabend löst der Bremer Flughafentower Crash-Alarm aus. Mit Blaulicht rücken rund 250 Einsatzkräfte aus. Ihr Ziel: die vom Frankfurter Flughafen zur Verfügung gestellte Brandsimulationsanlage am Rande des Rollfelds. „Wir üben alles so realitätsnah wie möglich“, sagt Flughafenbetriebsleiter Christian Knuschke über den „Emergeny Exercise 2014“.

Der nach internationalen Luftfahrtregeln geprobte Großeinsatz, der ein Jahr lang vorbereitet worden ist, wurde in Bremen zuletzt vor zwei Jahren durchgeführt. Kleinere Übungen gab es seither zuhauf. Beteiligt sind an diesem Abend nicht nur die Einsatzkräfte des Flughafens. Auch die Feuerwehr der Stadtgemeinde und die Freiwillige Feuerwehr Diepholz sind dabei, zudem die Bundespolizei, die Luftfahrtbehörde und nicht zuletzt die Rettungsdienste von Malteser, Rotes Kreuz und Arbeiter-Samariter-Bund. Gemeinsam wollen sie den Brand bekämpfen und die Passagiere retten und betreuen. Dass die Verletzten möglichst echt wirken, dafür sorgt die Johanniter Unfallhilfe aus Oldenburg mit ihren speziell geschulten Kräften der Abteilung Realistische Unfalldarstellung.

Mit rund 30 anderen Beobachtern verfolgt Christian Knuschke das Geschehen aus sicherer Distanz. Diesmal findet die Übung ohne den Leiter des Notfallmanagements statt. „Wir sind ein Team“, sagt Knuschke. „Daher müssen auch die anderen Kollegen so einen Einsatz beherrschen können.“ Und das scheinen sie zu tun, meint der Chef. Nach strengem Ablauf kommen die schweren Fahrzeuge angefahren: erst Feuerwehr, dann Krankenwagen, damit sich niemand im Weg steht.

Das angedeutete Flugzeug besteht aus mehreren Containern. Flammenwerfer simulieren den Triebwerksbrand. Die Feuerwehr beginnt, mit Wasserwerfern zu löschen. Wenig später steigen Einsatzkräfte auf die linke „Tragfläche“, versuchen die Türen aufzubrechen. Auf dem Rollfeld stehen Passagier-Statisten herum und wirken, als ob sie nicht wüssten, was sie tun sollen. Tatsächlich aber sind auch sie Teil der Übung. Das Gewusel habe System, meint Knuschke. „Unfallopfer reagieren oft irrational.“ Manchen von ihnen wurden Wunden geschminkt. Einige tragen Rettungsdecken. Hier und da gibt es Hilferufe.

Gut eine Stunde nach dem Crash-Alarm sind die meisten Passagiere abtransportiert. Die Übung geht dem Ende zu. Knuschke zeigt sich zufrieden. Ausgewertet wird in den kommenden Tagen.

Der vorerst letzte Crash in Bremen geschah erst Anfang dieses Monats. Zwei Menschen verunglückten beim Absturz eines Sportflugzeugs. Den bis heute letzten großen Absturz gab es im Januar 1966. Damals stürzte die Maschine des Lufthansa-Flugs 005 kurz hinter der Startbahn ab. Alle 46 Insassen kamen ums Leben.

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