Population der Tiere steigt stetig

Problemfall Hundeschulen Bremen: Betreiber mahnt Umdenken an

Mit seiner Hundeschule wäre Andree Kastens gern in Bremen geblieben. Doch eine neue Fläche suchte er vergebens, nun mahnt er angesichts wachsender Hundezahlen ein Umdenken an.
31.05.2019, 20:22
Lesedauer: 4 Min
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Problemfall Hundeschulen Bremen: Betreiber mahnt Umdenken an
Von Frank Hethey
Problemfall Hundeschulen Bremen: Betreiber mahnt Umdenken an

Wer gut erzogene Hunde haben will, muss Platz für Hundeschulen bereithalten – in Bremen hapert es daran, kritisiert Hundetrainer Andree Kastens.

Kastens

Gern wäre Andree Kastens mit seiner Hundeschule in Bremen geblieben. Doch daraus wird nichts, vergebens suchte der 40-Jährige nach einem geeigneten Standort. „Es kommen immer nur Flächen in Gewerbe- und Industriegebieten in Frage“, lautet sein frustriertes Resümee. Dabei sei der Bedarf „megagroß“.

Die Hundepopulation in Bremen wächst ständig, seit 2015 sind die Einnahmen aus der Hundesteuer um knapp 25 Prozent gestiegen. „Wir haben immer mehr Hunde und sind bei der Hundesteuer beinahe das teuerste Land“, konstatiert Kastens. „Aber Bremen macht nichts mit dem Geld.“ Sein ernüchterndes Fazit: „Es wird den Hundetrainern nicht leicht gemacht.“

Kastens weiß von einer Bekannten, die händeringend nach einem Standort für eine Hundeschule sucht. Jeden Monat habe sie sich bei der Baubehörde erkundigt. Schließlich sei ihr der Tipp gegeben worden, bei einem privaten Anbieter in einem Industriegebiet in Findorff nachzufragen. Das habe sie auch getan, das Ergebnis: Es wären monatlich fast 2000 Euro Pachtkosten angefallen.

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Das könne sich allerdings kein Hundetrainer leisten, sagt Kastens. „Niemand von uns kann die Kosten für eine Fläche im Gewerbegebiet tragen.“ Denn: „Das Hundewesen ist nun mal ein bisschen kleiner.“ Die meisten Hundetrainer seien nebenberuflich tätig. So wie er selbst, der im Hauptjob als Kriminalbeamter arbeitet. „Ich kann und will gar nicht mehr haben als ein Kleinunternehmen.“

Das Problem: Wer eine Hundeschule unterhält, betreibt ein Gewerbe. Und wer Gewerbetreibender ist, darf sich nicht einfach irgendwo niederlassen. Sondern muss sich nach einer Fläche in einem Gewerbe- oder Industriegebiet umsehen, das ist die Gesetzeslage. Dabei kann der Betreiber einer Hundeschule nach Stand der Dinge nicht auf eine wie auch immer geartete Vorzugsbehandlung hoffen. „Grundsätzlich muss ein Unternehmer selbst prüfen, ob sein Gewerbe am gewünschten Standort rechtlich passt“, sagt Jens Tittmann, Sprecher des Bauressorts. Dazu reiche ein Blick in den Bebauungsplan.

Kastens wurde zum Verhängnis, dass er auf dem Gelände der Hans-Wendt-Stiftung in Borgfeld eine schon länger bestehende Hundeschule übernahm. Natürlich im Glauben, es sei damit alles in Ordnung. Rund 15 000 Euro steckte er in den Ausbau seiner Ausbildungsstätte. Die Kundschaft kam, man schätzte seine Fähigkeiten als Hundetrainer, nichts trübte die guten Aussichten. Bis sich ein Anwohner beschwerte. Das Gelände sei nicht als Gewerbefläche ausgewiesen, die Hundeschule daher illegal. Zuständig bei Beschwerden ist das Bauressort.

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Und das konnte nach Prüfung des Falles nur bestätigen, dass die Hundeschule im sogenannten Außenbereich liegt, in dem laut Paragraf 35 des Bundesbaugesetzes ein Gewerbe nur in Ausnahmefällen zulässig ist. „Dabei gibt es viele Flächen in Bremen, wo man Hundeschulen einrichten könnte“, sagt Kastens. Mehrere Bauern hätten ihm Ausweichflächen in Oberneuland angeboten, darüber habe er sich sehr gefreut. „Aber die sind eben alle im Außenbereich.“

Es wurmt ihn, dass in ähnlich gelagerten Fällen keine Sanktionen greifen. Als Beispiel nennt er Einrichtungen oder Vereine, die Tierverhalten trainieren. Die seien auch nicht in Gewerbegebieten angesiedelt, sondern wie seine Hundeschule im Außenbereich. „Das ist der eigentliche Skandal, da wird es einfach geduldet. Wo kein Kläger, da kein Richter.“ Ein Eindruck, dem das Bauressort nicht widerspricht. Aktiv wird die Behörde erst, wenn Beschwerden eingehen.

„Wir greifen nur ein, wenn wir Hinweise auf eine illegale Hundeschule haben“, sagt Tittmann. Soll heißen: so wie im Fall von Kastens. Kastens will seinen Kollegen keinen Strick drehen, das betont er ausdrücklich. Ihm geht es darum, endlich eine Lösung für das leidige Standortproblem zu finden. „Wo soll man denn hingehen als Hundetrainer?“ Seine Dienste als Hundetrainer auf öffentlichen Straßen anzubieten, ist in Kastens’ Augen keine Alternative zur standortgebundenen Hundeschule. Zumal es dabei auch einen rechtlichen Haken gebe: „Im Grunde ist das illegal.“

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Doch was tun? Mit der Schaffung von Freilauflächen sei es nicht getan, sagt Kastens. „Das ist eine nette Idee, hat aber nichts mit Hundeerziehung zu tun.“ In der Freilauffläche in der Vahr komme es immer wieder zu Auseinandersetzungen unter den Hunden und in der Folge auch unter den Hundebesitzern. „Ohne Hundetrainer geht das gern mal in die Hose.“

Dass professionelle Hundeerziehung gebraucht wird, liegt für Kastens auf der Hand. Immer wieder würden Klagen über verzogene Hunde laut. „Alle wollen, dass sie sich benehmen“, sagt er. „Aber es gibt eben keinen Platz für Hundeschulen.“ Zumindest keinen gut erreichbaren und bezahlbaren. Gerade wegen der rasant steigenden Hundepopulation ist Kastens überzeugt: „Bremen braucht zentrale Hundeschulen. Jeder große Stadtteil braucht eine Hundeschule.“

Um das zu ermöglichen, bedürfe es einer Ausnahmeregelung für Hundeschulen. Obwohl gewerbetreibend, müsste Hundeschulen gestattet werden, sich in Außenbereichen anzusiedeln. Was nur denkbar sei, wenn sie als privilegiertes Vorhaben eingestuft würden. Für Kastens ist in dieser Sache die Politik gefordert. Eine Auflockerung der Gesetzeslage werde bereits bundesweit diskutiert, getan habe sich bislang aber wenig. Seine eigenen Vorstöße seien im Sande verlaufen. „Da traut sich keiner so richtig ran.“

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Eine bittere Erkenntnis für den gebürtigen Bremer, der mit seiner Hundeschule so gern in der Stadt geblieben wäre. Zumal er Bremen auch noch als frisch gebackener Sachverständiger für gefährliche Hunde erhalten bleibt. „Das ist schon eine kleine Ironie“, so Kastens.

Nun hat er eine Alternative in Lilienthal in Aussicht. „In Niedersachsen ist das Hundewesen entspannter und die Flächen sind günstiger.“ Allerdings geht er mit einem lachenden und einem weinenden Auge. „Die Verhältnisse zwingen mich nach Niedersachsen“, sagt Kastens.

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