Jugendliche trainieren mit New Yorker Profi

Tanzprojekt an vier Bremer Oberschulen überwindet Grenzen

Jugendliche aus vier Bremer Oberschulen trainieren täglich mit dem New Yorker Profi Sean Scantlebury. Am Ende soll eine Choreografie im Netz veröffentlicht werden. Nicht immer geht es dabei zimperlich zu.
26.02.2021, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Karina Skwirblies

„Here we go, five, six, seven, eight“ – wenn der Tänzer Sean Scantlebury seine Anweisungen mit amerikanischem Akzent gibt, fühlt man sich in eine Tanzschule in New York versetzt, in der mit harter Disziplin an einer internationalen Karriere gearbeitet wird. Ganz so diszipliniert sind die zwölf Schülerinnen und Schüler der Oberschule an der Helgolander Straße zwar nicht, doch ihre Tanzschritte und die Choreografie erinnern durchaus an die hohe Schule des Modern Dance.

Zwei Wochen lang nehmen die Schüler an dem Projekt „Dancing to Connect for Refugee Integration“ des Tanzensembles Battery Dance Company teil. Täglich zwei Stunden am Nachmittag trainieren sie mit Sean Scantlebury. Wegen der Pandemie ist der Tänzer und Choreograf nicht persönlich vor Ort, er gibt seine Anweisungen via Internet auf einer großen Leinwand weiter und nimmt die Anregungen der jugendlichen Tänzer auf.

Es sind Schüler mit Migrationshintergrund, Geflüchtete, Inklusionsschüler und andere, die ihre eigenen Themen in die Choreografie einbringen sollen. Es geht um Enge und Beschränkungen, um Türen, die sich öffnen, um Alltägliches und mehr.

Inga Seyffahrt, Leiterin des Zentrums für unterstützende Pädagogik an der Oberschule, sowie Lehrerin Carolin Riechmann begleiten den Workshop und übersetzen bei Bedarf. Denn Scantlebury spricht ausschließlich US-amerikanisches Englisch.

Kritisch betrachtet der Tänzer, wie die Mädchen einen Kreis bilden, eine Solistin in der Mitte. Dann verändert sich die Konstellation, die Jungen treten in den Vordergrund. Secrets, also Geheimnisse, oder Colours, Farben, heißen die einzelnen Sequenzen der Choreografie. Wenn mit einer romantischen, stark rhythmisierten Musikbegleitung ein kleiner Durchlauf ansteht, ergibt sich bereits eine gewisse Dynamik des Tanzes.

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Doch Scantlebury ist nicht immer zufrieden. „Wenn ihr aus dem Kreis geht, möchte ich niemanden sehen, der auf der Heizung rumgammelt“, ermahnt er. Denn die konsequente Präsenz ist noch nicht die Sache der jugendlichen Tänzer. Ab und zu verpasst einer von ihnen seinen Einsatz und erhält einen Rüffel. Scantlebury ist ein strenger, hartnäckiger Lehrer. Schließlich soll am Ende des Workshops ein Video stehen, das auf Youtube in der ganzen Welt zu sehen ist.

„Wir haben noch wenige Tage“, sagt Seyffahrt. „Ihr müsst es zu Hause durchgehen und üben, üben, üben.“ Doch das fällt manchen jungen Tänzern schwer. „Und auf einmal kommen die Eltern rein und denken, man ist bescheuert“, verteidigt sich ein Junge, dem die ungewöhnlichen Bewegungen noch etwas suspekt sind. „Macht euch keine Gedanken über andere Leute“, sagt Scantlebury. „Macht euch Gedanken über euch selbst.“

Der 13-jährige Mallam Dako, dessen Eltern aus Ghana stammen, hat keine Schwierigkeiten, seiner Mutter vorzutanzen, was er im Workshop gelernt hat. „Wir hören viel Musik und ich habe ein gutes Taktgefühl.“ Er findet den Workshop spannend und ist überzeugt, dass er Talent zum Tanzen hat. Eine besondere Vorliebe für eine Musikrichtung hat Dako nicht. „Es ist egal, ob es Hip-Hop oder Modern Dance ist.“

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Im Land Bremen nehmen vier Schulen an dem Tanzprojekt „Dancing to Connect for Refugee Integration“ teil. Die Carl-von-Ossietzky-Oberschule in Bremerhaven sowie in Bremen die Oberschulen an der Helgolander Straße, In den Sandwehen und Lerchenstraße. Das Projekt soll Barrieren aufheben und Vertrauen bilden. Die New Yorker Battery Dance Company bietet seit 15 Jahren Jugendlichen in aller Welt Workshops an. In 52 Ländern waren professionelle Tänzerinnen und Tänzer aus New York unterwegs, um junge Menschen durchs Tanzen zusammenzubringen.

Sean Scantlebury hat an der New York City Public School for Dance studiert und ist auf Hip-Hop, Ballett und Modern Dance spezialisiert. Zehn Jahre lang war er professioneller Tänzer in New York, für die Battery Dance Company hat er unter anderem in Europa, China, Malaysia, Sri Lanka, Uganda und Vietnam Workshops mit Jugendlichen geleitet.

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