Lehrkräfte in Bremen Projekt bringt Männer in die Grundschulen

Lehramtsstudenten sollen in Schulen ihre künftigen Kolleginnen unterstützen. Kritik kommt von der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft.
07.01.2015, 00:00
Lesedauer: 2 Min
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Von Irena Güttel

Die Grundschule an der Horner Heerstraße in Bremen ist eine wie viele andere in Deutschland: bunte Wände, Tierbilder, im Foyer eine große Kiste mit Fundsachen. Die überwiegende Anzahl der Lehrkräfte sind weiblich. Eine Ausnahme ist der Lehramtsstudent Kristian Bunte. Er leitet die Fußball- und die Theater-AG und unterstützt die Lehrerinnen beim Unterricht. Möglich macht das ein bundesweit einmaliges Projekt, das Lehramtsstudenten als männliche Vorbilder an Grundschulen holt.

Der Männeranteil an den deutschen Grundschulen liegt nach Angaben des Bremer Erziehungswissenschaftlers Christoph Fantini bei 12 bis 14 Prozent. Auch an den weiterführenden Schulen unterrichten inzwischen immer mehr Frauen. „Eine große Zahl von Kindern geht durch die Bildungsinstitutionen und sieht nicht einen einzigen Mann“, sagt Universitätsdozent Fantini. „Dadurch entsteht bei den Kindern ein eindeutiges Bild: Kümmern ist nicht männlich.“

Vor zwei Jahren gründete Pädagoge Christoph Fantini deshalb das Projekt „Rent a Teacherman“. Übersetzt bedeutet das: einen männlichen Lehrer mieten. 10,000 Euro bekommt Fantini jährlich von der Bildungsbehörde. Dafür stellt er Lehramtsstudenten ein, die er für zehn Stunden im Monat an Grundschulen verleiht. Zurzeit beschäftigt er zehn Mitarbeiter.

Kristian Bunte arbeitet bereits seit eineinhalb Jahren in der Schule an der Horner Heerstraße. Doch es kommt immer noch vor, dass Schüler den Vollbart-Träger versehentlich mit „Frau Bunte“ anreden – weil sie es einfach nicht gewöhnt sind, dass ein Mann vor ihnen steht. „Die Kinder haben mich schon öfter gefragt, wieso ich das mache und ob das zu einem Mann passt“, berichtet der 26-Jährige. Grundschullehrer zu werden, davon hatte Bunte nie geträumt. Erst nach seinem Zivildienst an einer Schule für geistig behinderte Kinder kam er auf diese Idee.

Praxiserfahrungen als Türöffner wollen auch Projekte an anderen Unis anbieten: Viele Schüler hätten falsche Vorstellungen von der Arbeit an Grundschulen, sagt die Hamburger Pädagogik-Professorin Hannelore Faulstich-Wieland. „Fachlich zu anspruchslos und im Umgang mit Kindern zu schwierig“, seien zwei Vorurteile der Jugendlichen. Deshalb wollen Hannelore Faulstich-Wieland und ihr Team Schülern aus 9. Klassen künftig Praktika in Grundschulen vermitteln.

Auch die Hildesheimer Universität organisiert Praktika und Schnuppertage. Lehramtsstudenten informieren an Schulen über ihren Beruf.

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft begrüßt Initiativen wie diese. Das Bremer Projekt allerdings sieht Vorstandsmitglied Ilka Hoffmann kritisch. „Nur ein Mann zu sein, ist noch keine pädagogische Qualität“, sagt sie. Dass die vielen Lehrerinnen angeblich dafür verantwortlich sein sollen, dass Jungen in der Schule schlechter sind, hält Hoffmann für einen Trugschluss. „Alle Forschungen, die in diese Richtung weisen, wiesen methodische Schwächen auf“, gibt Ilka Hoffmann zu bedenken.

Kristian Bunte fliegen an diesem Tag in der von ihm geleiteten Fußball-AG die Bälle nur so um die Ohren. 15 Dritt- und Viertklässler dribbeln im Slalom um die Pylonen und schießen dann aufs Tor, in dem Kristian Bunte steht. Er trägt ein Trikot von Werder Bremen. Auf dem Spielfeld zwischen den Schülern fühlt sich der Student wohl.

Doch nicht nur dort: auch im Lehrerzimmer, das an der Grundschule eigentlich Lehrerinnenzimmer heißen müsste, wie Bunte mit einem Schmunzeln feststellt. Allein unter Frauen zu sein, das sei er schon von der Uni gewöhnt. In seinem Studiengang, sagt er, komme auf zehn junge Frauen gerade mal ein Mann.

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