Unvergessliche Tage

Prominente Bremer erinnern sich an ihr Abitur

Die Bremer Abiturienten sind gerade voll im Prüfungsstress. Ein guter Zeitpunkt, einmal bei einigen bekannten Bremern nachzufragen, wie sie ihre Abiturzeit erlebt haben.
19.04.2016, 00:00
Lesedauer: 3 Min
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Prominente Bremer erinnern sich an ihr Abitur
Von Katharina Elsner
Prominente Bremer erinnern sich an ihr Abitur

Werders Ehrenpräsident Klaus-Dieter Fischer.

Karsten Klama

Die Bremer Abiturienten sind gerade voll im Prüfungsstress. Ein guter Zeitpunkt, einmal bei einigen bekannten Bremern nachzufragen, wie sie ihre Abiturzeit erlebt haben.

Zwei schriftliche Prüfungen stehen Bremer Abiturienten und Abiturientinnen noch bevor: Mathe und Deutsch. Dann ist der vorletzte Schritt in Richtung Freiheit getan – nach einer letzten mündlichen Prüfung. Für viele beginnt dann ein neuer Lebensabschnitt: Studium, Ausbildung, Ausland oder Freiwilliges Soziales Jahr.

Viele werden danach auf der Karriereleiter nach oben klettern, Alltag und Arbeit erleben – das Gefühl von Freiheit und Aufbruch wird nie wieder so stark sein. Ein guter Zeitpunkt, einmal bei einigen bekannten Bremern nachzufragen, wie denn sie selbst ihre Abiturzeit erlebt haben.

Klaus-Dieter Fischer ist Ehrenpräsident von Werder Bremen:

Ich wurde in Chemie geprüft. Im Gymnasium an der Hamburger Straße. Manchmal laufe ich heute noch an der Schule vorbei, und schaue durch die Fenster. Ich saß damals in einem Raum neben der Turnhalle. Meine Aufgabe: ein Molekül zusammenzustellen aus bestimmten Atomen.

Sänger Johannes Strate.

Sänger Johannes Strate.

Foto: Imago

Ich war allein in dem Raum. Dann kam mein Chemielehrer Dr. Wigger, um mich zu holen. Ich musste vom Raum neben der Turnhalle an das andere Ende des Ganges laufen, ins Lehrerzimmer. Das Kollegium war dort versammelt, auch der Direktor. Denen musste ich das Modell vorstellen. Dr. Wigger kam in den Raum und starrte mich an: „Sind Sie mit dem Klammerbeutel gepudert?“ Er siezte mich.

Er schnappte sich das Modell, lief in den Gang zum Lehrerzimmer, ich hinterher. Wigger riss das Atom auseinander, setzte es neu zusammen. Ich war geschockt, denn wie sollte ich das neue Modell jetzt dem Kollegium präsentieren? Nun stand ich vor ihnen, stammelte die Antworten zurecht – doch Dr. Wigger zog mich durch die Prüfung hindurch.

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Johannes Strate ist Sänger und Frontmann der Band Revolverheld:

Das Beste war die Abi-Fahrt, nach den mündlichen Prüfungen. Wir waren ein starker Jahrgang, 150 bis 200 Abiturienten. Wir haben uns VW-Busse gemietet und fuhren damit nach Dänemark. Wir wohnten in zehn oder zwölf Häusern und feierten zwei Wochen lang, tanzten auf den Dächern, zerstörten die Pools der Ferienhäuser. Noch nie habe ich mich so frei gefühlt.

Es war eine große Freiheit, jede Entscheidung konnte ich selbst treffen. Trotzdem: Der Zusammenhalt in der Schule war schön, ich habe schon vormittags meine Freunde getroffen. Der traurigste Moment war der Tag der Zeugnisübergabe. Danach waren alle weg: Studium, Ausbildung, Ausland. Manche habe ich seitdem nie wieder gesehen.

Reyhan Sahin alias Lady Bitch Ray.

Reyhan Sahin alias Lady Bitch Ray.

Foto: Alexander Fanslau

Reyhan Sahin ist Rapperin, Schauspielerin und Sprachwissenschaftlerin

Ich gehörte zu den wilden Schülerinnen in meiner Abiturzeit. Ich trug Calvin-Klein-Unterhosen, die ich zu breiten Baggy-Jeans kombinierte. Meine Mitschülerinnen dachten, ich sei aus einem amerikanischen Rap-Video entsprungen, mein Klassenlehrer nannte mich „Streetgirl“.

Einmal wurde ich vom Schuldirektor herbeizitiert, der mich entsetzt fragte: „Frau Sahin, sagen Sie mir bitte, dass das nicht wahr ist: Sie sind nicht gestern in der Hofpause in die Gesamtschule von nebenan gelaufen und haben einer Schülerin aufs Maul gehauen, sagen Sie mir bitte, dass das ein Missverständnis ist.“ „Äh … doch, ich glaube, das war ich“, antwortete ich beschämt: „Und warum das?“, fragte er mich voller Erwartung auf eine erklärende Antwort. „Sie hat Scheiße gelabert“, sagte ich noch beschämter.

Der Schuldirektor schüttelte nur noch den Kopf. Das war mir so peinlich, dass ich mich von da an nie wieder geprügelt habe.

Jens Böhrnsen war zehn Jahre lang Bremens Bürgermeister:

Die letzten Wochen vorher hatten wir eigentlich nur ein Thema: Wie kann man am besten in den Prüfungen schummeln? Aber das Thema möchte ich nicht weiter ausführen, nicht, dass ich jemanden jetzt noch in Verlegenheit bringe…

Der ehemalige Bürgermeister Jens Böhrnsen.

Der ehemalige Bürgermeister Jens Böhrnsen.

Foto: Frank Thomas Koch

Am Vormittag waren die schriftlichen Prüfungen. Danach musste ich mich erst einmal entspannen, am Nachmittag habe ich mir immer ein paar Stunden zur Muße genommen. Ich war großer Fan der Rolling Stones, also habe ich die Musik in meinem Zimmer richtig laut aufgedreht, um mir alles aus dem Kopf zu blasen, um die Anstrengung wegzublasen – ein Kontrastprogramm zu den Prüfungen am Vormittag. Ich war entspannt, die Note war bei mir nicht so wichtig für das Jurastudium. Nicht wie heute. Das Motto hieß: bestehen. Und bestanden habe ich auch.

Am letzten Prüfungstag sind wir dann ordentlich Bier trinken gegangen. In der Nachbarschaft gab es diese Kneipe… dort waren wir immer in den Freistunden. Tja, und dann haben wir den berühmten „Stiefel“ getrunken…

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