Marktleute sammeln Unterschriften gegen geplante Parkregelungen

Protest auf dem Findorffmarkt

Weidedamm. Auf dem Findorffmarkt ist eine hitzige Diskussion entbrannt. Mit einer neuen Parkregelung sollen ab Februar auf der gesamten Fläche parkende Wohnwagen, Wohnmobile und Verkaufsanhänger verdrängt werden.
14.01.2016, 00:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Anke Velten
Protest auf dem Findorffmarkt

Marie Pigors vom Familienunternehmen Kurt Richter sammelt Unterschriften als Protest gegen ein drohendes Parkverbot für Marktbeschicker auf dem Wochenmarkt.

Roland Scheitz

Auf dem Findorffmarkt ist eine hitzige Diskussion entbrannt. Mit einer neuen Parkregelung sollen ab Februar auf der gesamten Fläche parkende Wohnwagen, Wohnmobile und Verkaufsanhänger verdrängt werden. Die Verantwortlichen erhoffen sich davon eine Attraktivitätssteigerung. Manche Marktleute befürchten genau das Gegenteil. Sie haben das Thema mit einer Unterschriftenaktion in die Öffentlichkeit gebracht und wünschen sich, dass sie die Findorffer noch zum Umdenken bewegen können.

Der Wochenmarkt – für die Kunden ein Vergnügen, für die Marktleute harte Arbeit. Wenn sie ihre Stände frühmorgens öffnen, haben sie schon mehrere Arbeitsstunden hinter sich. Da war es immer eine zeitsparende Erleichterung, wenn ein Teil der Lasten direkt auf dem Markt deponiert wartete. In Findorff nutzten eine Reihe von Marktbeschickern jahrzehntelang die Möglichkeit, ihre Verkaufsanhänger zwischen den Markttagen auf dem Platz stehen zu lassen. Doch mit dieser Bequemlichkeit soll nun Schluss sein. Ab Februar dürfen außerhalb von Markttagen im Abschnitt zwischen Bunker und Jugendzentrum ausschließlich PKW abgestellt werden.

Für Marie Pigor vom Familienunternehmen Kurt Richter aus Osterholz bedeutet das: erheblicher Mehraufwand und höhere Kosten. Anstatt den Verkaufsanhänger wie gewohnt morgens „eben schnell“ auf dem Marktplatz zu rangieren, müssten Lkw samt sorgfältig gepacktem Anhänger morgens und nachmittags bei Wind und Wetter quer durch die Stadt bugsiert werden. Die Bio-Händlerin rechnet mit mindestens zwei Stunden zusätzlicher Zeit und Arbeit für den Betrieb und seine Mitarbeiter. Man fühle sich „weggeschickt“ und „unerwünscht“, kritisiert Pigor und sagt: Auf Dauer werde durch solche Entscheidungen der Anreiz, hier einen Marktstand zu betreiben, verringert. „Mehrere Marktbeschicker haben bereits angekündigt, ganz aufzuhören, wenn das Verbot tatsächlich kommt“, deutet die Markthändlerin an. „Das kann nicht im Sinne der Sache sein.“ Sie hat eine Unterschriftenaktion gestartet, um auf die Perspektive der Betroffenen hinzuweisen. Mehr als 400 Unterzeichnerinnen und Unterzeichner hatten bereits in der vergangenen Woche Verständnis signalisiert.

Das Thema hat eine lange Vorgeschichte. Jahrelang habe man das unübersichtliche Kreuz- und Quer-Parken „schweren Herzens“ geduldet, erklärt Ortsamtsleiterin Ulrike Pala. Auf Betreiben einer Arbeitsgruppe, der Vertreter von Ortsamt West, Beirat Findorff, Polizei, Großmarkt und Marktbetreiber angehören, wurde im November 2013 in einem ersten Schritt der Abschnitt zwischen dem Kita-Grundstück und dem Marktbunker neu geordnet. Ab Februar soll auch zwischen Marktbunker und Jugendzentrum gelten: Zwischen 9 und 18 Uhr darf maximal zwei Stunden geparkt werden. Verkaufsanhänger und Wohnwagen dürfen dort nicht mehr abgestellt werden.

Für Pala sind die Vorteile der neuen Regelungen sowohl für den Stadtteil als auch für die Marktleute offensichtlich: Wenn die Dauerparker verdrängt sind, werden an den Markttagen zusätzliche Kundenparkplätze frei, der Parksuchverkehr wird verringert. Und ab 18 Uhr steht der Parkplatz den Anwohnerinnen und Anwohnerinnen zur Verfügung. „Die Arbeitsgruppe hat es sich nicht zum Ziel gemacht, die Marktbezieher zu vergraulen“, betont Ulrike Pala. „Im Gegenteil. Diese Maßnahmen machen den Einkauf auf dem Findorffmarkt noch weitaus attraktiver als bisher.“ Ähnlich sieht das auch Uwe Kluge, Geschäftsführer des Großmarkts Bremen. Wenn die Chance steige, während der Marktzeiten einen Parkplatz zu finden, sei das ein zusätzlicher Anreiz für motorisierte Besucher. Die Mehrfachnutzung von Stellplätzen könne die Kundenfrequenz erhöhen. Er prophezeit: „Für den Markt als Ganzes sind die Maßnahmen ein Vorteil“. Im Übrigen: „Auf so gut wie allen anderen Bremer Marktplätzen ist es völlig selbstverständlich, dass die Verkaufswagen nach den Marktzeiten abzufahren sind“, weiß Kluge. Wer seinen Anhänger nicht mit ins Umland schleppen möchte, fände auf dem Großmarkt-Gelände ausgewiesene Stellplätze.

Dennoch wünscht sich Marie Pigor eine Lösung, mit der auch die Findorffer Marktleute besser leben können. Ihr Vorschlag: Die Marktanhänger könnten vom Parkverbot ausgenommen werden und einen ordentlichen Stellplatz etwa auf einem Randstreifen zugewiesen bekommen. Dass eine solche Sonderregelung rechtlich umsetzbar wäre, wird allerdings sowohl im Ortsamt als auch beim Großmarkt bezweifelt. Die Diskussionen und die Unterschriftaktion werden den Stadtteil weiterhin beschäftigen. Für Ende Januar planen Vertreter von Ortsamt und Beirat ein Informationsgespräch auf dem Findorffmarkt.

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