Nach Protesten

Bremer Mathe-Abinoten werden angehoben

Nach Protesten gegen zu schwierige Aufgaben in den Mathematikprüfungen der Bremer Abiturienten hebt die Bildungsbehörde den Mathe-Notenstand für alle um zwei Punkte an.
29.06.2020, 05:00
Lesedauer: 2 Min
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Bremer Mathe-Abinoten werden angehoben
Von Justus Randt
Bremer Mathe-Abinoten werden angehoben

Auch in Sachsen wurden die Noten um einen Punkt verbessert.

Axel Heimken /dpa

Abiturienten an Bremer Schulen, die sich in Mathematik haben prüfen lassen, dürften aufatmen: Ihre Prüfungsnoten in den Grund- und Leistungskursen werden durchgängig um zwei Punkte aufgestockt. Das geht aus einer Mitteilung an Schülerinnen und Schüler hervor, die dem WESER-KURIER vorliegt. Aus der Bildungsbehörde war dazu am Wochenende keine Stellungnahme zu bekommen. Dem Vernehmen nach hat die Durchsicht der Abiturnoten jedoch erhebliche Unterschiede zum Vorjahr offenbart.

Die Abweichungen sind demnach nicht mit der Corona-Pandemie und den damit einhergehenden Prüfungsbedingungen zu begründen, sondern hängen mit dem Schwierigkeitsgrad der gestellten Aufgaben zusammen, die zu einem großen Teil aus dem bundesweiten zentralen Pool stammten. Sachsen hat aus dem gleichen Grund die Noten um einen Punkt verbessert. In Hamburg beispielsweise ist dem Vernehmen nach, anders als in Bremen, eine 30-minütige Einlesezeit gewährt worden. In jedem Fall führt die Aufstockung dazu, dass Schülerinnen und Schüler, die ihre Prüfung knapp nicht bestanden hatten, nun auf die Seite der erfolgreichen Absolventen wechseln.

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Anfang Juni hatten sich 89 Mathe-Abiturienten von 16 Bremer Gymnasien und Oberschulen in einem offenen Brief an Bildungssenatorin Claudia Bogedan (SPD) über die Prüfungen beschwert und bessere Noten gefordert. Sie kritisierten unter anderem enormen Zeitdruck durch schwer verständliche Aufgabenstellungen, Probleme mit Taschenrechnern und mutmaßlich verwechselte Aufgaben.

Eine der Initiatorinnen des Briefes, Clara Lütkefels, kam zu dem Schluss, es habe einen „drastischen Niveausprung gegenüber unserem Unterricht gegeben“. Der Erfolg des Protests, jedenfalls das Umdenken in der Bildungsbehörde, „das freut uns“, sagte die Schülerin der St.-Johannis-Schule am Sonntag. Ihr „persönlicher Punktestand“ habe sich von 13 auf 15 erhöht. Clara Lütkefels erreicht damit eine Abiturnote von 1,0.

Bei aller Genugtuung der Schulabgänger, erfolgreich protestiert zu haben, ruft die über Landesgrenzen hinweg geführte Diskussion über das Punktekonto auch Kritiker auf den Plan: „Es geht immer weniger um Leistung und Wissen. Das Abitur droht zur Verhandlungssache zwischen Schülerinnen und Schülern, ihren Eltern, Lehrern und der Verwaltung zu verkommen“, sagte Mathias Brodkorb, früher Kultusminister in Mecklenburg-Vorpommern, dem „Spiegel“ in einem Interview. „Man kann den Jugendlichen fast dankbar sein, weil sie vorführen, wie manipulierbar das Abitur in Deutschland ist. Sie zeigen auf, dass wir ein chaotisches System haben, das keinen gerechten und einheitlichen Maßstäben unterliegt.“

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