Matthias Ross vom Gesundheitsamt informierte im Beirat über Gefahren durch Elektrosmog / Keine Hoffnung auf Rückbau Protest gegen Stromtrassen

Blumenthal. Macht Elektrosmog krank? Die Unterzeichner eines Bürgerantrages zu den Stromtrassen durch das Lüssumer Wohngebiet sind dieser Meinung. Mit einer Unterschriftensammlung sprachen sich 260 Bürger dafür aus, die Strommasten im Bereich Neuenkirchener Weg, Lüssumer Ring, Lämmerweg und darüber hinaus abzubauen.
16.03.2016, 00:00
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Von DORIS FRIEDRICHS

Macht Elektrosmog krank? Die Unterzeichner eines Bürgerantrages zu den Stromtrassen durch das Lüssumer Wohngebiet sind dieser Meinung. Mit einer Unterschriftensammlung sprachen sich 260 Bürger dafür aus, die Strommasten im Bereich Neuenkirchener Weg, Lüssumer Ring, Lämmerweg und darüber hinaus abzubauen. Als Grund dafür wurden gehäufte Krebserkrankungen in dem Gebiet angeführt. Matthias Ross, beim Gesundheitsamt für die Umwelthygiene zuständig, versuchte während der Sitzung des Beirates Blumenthal über Grenzwerte und mögliche Gefahren aufzuklären.

Ob Radio-, Fernseh- und Radarstationen, Handys und drahtlose Internetzugänge, Schnurlostelefone und Haushaltsgeräte – sie alle verbreiten Elektrosmog. Das Gesundheitsamt empfiehlt auf seiner Internetseite, aus Vorsorgegründen „die individuelle Belastung so gering wie möglich“ zu halten. Soll heißen: beispielsweise mindestens einen Meter Abstand zu Radioweckern, Halogenstrahlern, Fernsehern, Stereoanlagen und Lautsprechern. Dies gelte insbesondere für Kinder und Jugendliche, so Matthias Ross.

Elektrische Felder entstünden überall, wo Strom fließe und Kabel angeschlossen seien. Mit wachsendem Abstand nehme die Belastung ab. „Starke elektrische, magnetische und elektromagnetische Felder können Gesundheitsschäden hervorrufen wie zum Beispiel Herzflimmern“, räumte der Referatsleiter ein. „In Deutschland gibt es aber Grenzwerte, die die Bevölkerung vor wissenschaftlich nachgewiesenen Gesundheitsschäden schützen.“ Die Grenzwerte basierten unter anderem auf Empfehlung der Weltgesundheitsorganisation und würden bei Hochspannungsleitungen eingehalten.

Bevölkerungsstudien hätten dennoch ein möglicherweise erhöhtes Leukämie-Risiko bei Kindern oberhalb von 0,3 bis 0,4 Mikrotesla – der Grenzwert liegt bei 100 Mikrotesla – ergeben. „Unter Laborbedingungen konnten diese Ergebnisse aber nicht bestätigt werden“, so Ross. Sein Fazit: „Es gibt keinen Nachweis über gesundheitsschädliche Wirkung niederfrequenter Felder unterhalb gültiger Grenzwerte.“

Rolf-Gerd Rosenberger, der den Bürgerantrag eingereicht hatte, sprach von neun Krebserkrankungen im Bereich Neuenkirchener Weg/Lüssumer Ring. Eine Baubiologin des BUND habe Messungen im Wohngebiet vorgenommen und dabei am Lüssumer Ring einen Wert von 0,35 Mikrotesla registriert. Am Neuenkirchener Weg, so Rosenberger, seien es weniger gewesen.

Für Beiratsmitglied Anke Krohne (Linke) ist es eine „enorm große Hürde, nachzuweisen“, dass die Krebserkrankungen durch Strahlungen verursacht würden. Von Matthias Ross wollte sie wissen, ob sich die Belastungen durch Hochspannungsleitungen, Radarstationen, Mobilfunksendeanlagen und mehr potenzieren würden.

Der Behördenvertreter erklärte, es gebe keinen Nachweis darauf, dass sich die verschiedenen Felder verstärkten. „Wir können in unserer zivilisierten Welt nicht jedes Risiko ausschließen.“ Er machte keine Hoffnung auf einen Abbau der Stromtrassen im Lüssumer Wohngebiet oder die Verlegung unter die Erde.

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