Öffentlichkeit ausgeschlossen

Prozess gegen Geisterfahrer in Bremen hat begonnen

Am Dienstagmorgen hat der Prozess gegen einen 33-Jährigen begonnen, der im August 2017 als Falschfahrer auf der A1 einen schweren Unfall verursacht haben soll.
06.02.2018, 11:07
Lesedauer: 2 Min
Zur Merkliste
Von Frank Hethey
Prozess gegen Geisterfahrer in Bremen hat begonnen

Der 33-jährige Geisterfahrer und sein Anwalt im Gerichtssaal.

Christina Kuhaupt

Noch knapp dreieinhalb Stunden hätten die beiden jungen Männer bis nach Hause gebraucht. Die 22-jährigen Niederländer waren auf dem Rückweg von ihrem Urlaub in Skandinavien, als ihnen auf der Autobahn 1 plötzlich ein Fahrzeug entgegenkam. „Es kam direkt auf uns zu, es gab einfach kein Entkommen mehr“, erinnert sich der Fahrer an den Frontalzusammenstoß. Ein knappes halbes Jahr danach muss sich der Geisterfahrer in Bremen verantworten: Am Dienstagmorgen hat der Prozess gegen den 33-Jährigen vor dem Landgericht begonnen. In Handschellen wurde der Mann vorgeführt. Die Staatsanwaltschaft wirft dem polnischen Staatsangehörigen versuchten Mord vor.

Angeklagter wollte sich selbst das Leben nehmen

In der Anklageschrift heißt es, der Beschuldigte habe im August 2017 „heimtückisch“ den Tod anderer Verkehrsteilnehmer in Kauf genommen, um sich selbst das Leben zu nehmen. Vom Parkplatz Mahndorfer Marsch soll er seinen Kleinlaster in voller Absicht in denGegenverkehr Richtung Hamburg gelenkt haben. Das bekräftigten am Dienstag die beiden Unfallopfer, die als Zeugen aussagten. Der damals schwer verletzte Fahrer sagte, er habe versucht, dem Fahrzeug auszuweichen. „Aber ich hatte das Gefühl, dass es die Bewegung mitmachte.“

Lesen Sie auch

Weil der Geisterfahrer psychisch krank sein soll, läuft der Prozess als Sicherungsverfahren. Darum ist auch von einem Beschuldigten und nicht von einem Angeklagten die Rede. Als psychisch Kranker ist der Geisterfahrer nach juristischer Definition schuldunfähig. Deshalb kann er auch nicht bestraft werden, bei dem Verfahren geht es nur um die Frage, ob er als Gefährdung für andere Menschen weiter ineiner psychiatrischen Klinik untergebracht werden muss.

Auf Antrag der Verteidigung geht das Verfahren weitgehend hinter verschlossenen Türen vor sich. Sobald der Beschuldigte oder der Sachverständige zu Wort kommen, ist die Öffentlichkeit ausgeschlossen. Damit sollen die Persönlichkeitsrechte des Beschuldigten geschützt werden. Einige spärliche Hinweise zu seinem Geisteszustand sind der Anklageschrift zu entnehmen: Der 33-Jährige soll unter einer „halluzinatorischen Psychose“ leiden, er habe „imperative Stimmen“ gehört, die ihm den Richtungswechsel auf der Autobahn befahlen.

Lesen Sie auch

Dem Vernehmen nach war der aus dem polnischen Wallfahrtsort Tschenstochau stammende Mann längere Zeit arbeitslos. Bis ihn ein Spediteur nicht zuletzt wegen seiner hervorragenden Englischkenntnisse als europaweiten Fahrer einstellte. Seinem neuen Arbeitgeber soll er jedoch verschwiegen haben, schon vorher mehrfach in psychiatrischer Behandlung gewesen zu sein.

Falschfahrer entschuldigt sich für seine Tat

Für seine Tat entschuldigte sich der Falschfahrer bei den beiden jungen Niederländern. Er beteuerte, er habe nur sich selbst umbringen wollen, es sei nicht seine Absicht gewesen, anderen Schaden zuzufügen. Die Unfallopfer nahmen seine Entschuldigung an.

Der Beifahrer kam glimpflich davon. Anders der Fahrer, der sich beim Aufprall schwer am Bein verletzte: Oberschenkel und Kniescheibe waren gebrochen, der Fuß ist durch einen komplizierten Trümmerbruch noch immer nicht belastbar. Bis heute ist der 22-Jährige auf eine Gehhilfe angewiesen, er befindet sich inphysiotherapeutischer Behandlung und muss damit rechnen, bleibende Schäden davonzutragen. Sein Studium hat der 22-Jährige erst in dieser Woche wieder aufgenommen. An seine früheren Hobbys Snowboarden und Kitesurfen ist nicht mehr zu denken.

Der nächste Verhandlungstag ist am Freitag, 23. Februar, um 9.15 Uhr.

Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+