Prozess gegen Angreifer an Bremer Uni Staatsanwältin fordert Einweisung in Psychiatrie

Ein 64-Jähriger soll im Sommer 2020 versucht haben, seinen Chef in einem Uni-Technikraum umzubringen. Am Ende des Prozesses geht es um die Frage, ob er dauerhaft in der Psychiatrie untergebracht wird.
28.06.2021, 15:39
Lesedauer: 2 Min
Zur Merkliste
Staatsanwältin fordert Einweisung in Psychiatrie
Von Nina Willborn

Fast ein Jahr ist es her, dass ein 64-Jähriger an der Universität einen Großeinsatz ausgelöst hat: Er hatte damals versucht, so steht es in der Anklageschrift, erst seinen ehemaligen Chef zu töten und dann sich selbst. An diesem Montag sollte der Landgerichtsprozess gegen den ehemaligen Haustechniker mit dem Urteil zu Ende gehen - aus "organisatorischen Gründen" musste Letzteres spontan auf Dienstag, 29. Juni, verschoben werden. Warum genau, wollte das Gericht nicht bekannt geben. Anlass für Spekulationen lieferte der Umstand, der der Angeklagte nach einer Pause nicht wieder im Gerichtssaal 218 erschienen war.

Was nach den Plädoyers, die am Vormittag gehalten wurden, feststeht: Am Ende des im Februar begonnenen Prozesses geht es nicht mehr so sehr um die Frage der Schuld. Nach Ansicht der Staatsanwaltschaft hat sich die Anklage in den vorherigen Prozesstagen bestätigt. Wegen versuchten Mordes kann der Angeklagte jedoch aus ihrer Sicht nicht verurteilt werden, weil er nach Ansicht von Sachverständigen bei der Tat aufgrund einer psychischen Störung nicht zurechnungsfähig gewesen sein soll.

Deshalb, sagte die Staatsanwältin, sei der Mann freizusprechen, nach Paragraf 63 des Strafgesetzbuches müsse er aber in der geschlossenen Psychiatrie untergebracht werden. "Die Wut des Angeklagten ist noch nicht beendet", sagte sie, es sei davon auszugehen, dass der Mann gefährlich sei und deshalb stationär behandelt werden müsse. Es ginge darum, eine Gefahr für Dritte auszuschließen, insbesondere für den ehemaligen Chef.

Der Vorgesetzte trat in dem Prozess als Nebenkläger auf, hatte umfassend und nach Ansicht der Staatsanwaltschaft auch glaubhaft die Geschehnisse des Attentats geschildert. Er hat zudem angegeben, psychisch noch immer unter den Folgen des Angriffs zu leiden - der Angeklagte hatte ihm in einem Technikraum hinterrücks mit einer rund 1,5 Meter langen Eisenstange auf den Kopf und den Rücken geschlagen. Vorausgegangen waren jahrelange Streits und Mobbing-Vorwürfe. Auch der Anwalt des Nebenklägers forderte die stationäre Einweisung des Täters in eine Klinik.

Der Anwalt des Angeklagten stellte die Geschehnisse des Tattages in seinem Schlussplädoyer nicht als Mordversuch dar, sondern als Versuch, eine Aussprache zu erzwingen. "Mein Mandant hatte in seinen Augen eine jahrelange Leidenszeit hinter sich, er stand vor dem Nichts." Der Angeklagte habe eine "ausgeprägte Sozialphobie", sei deshalb daran gescheitert, sich Hilfe zu holen. Gefährlich sei er aber nicht, sagte der Anwalt. Seine Forderung: Unterbringung auf Bewährung, also eine ambulante Therapie.

Die Kammer hat die Urteilsverkündung für Dienstag, 11 Uhr, angesetzt.

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+