Prozess um zerteilte Leiche

Angeklagter Bremer legt Teilgeständnis ab

Ein 65-Jähriger Bremer ist vor dem Landgericht angeklagt, weil er seinen Bekannten durch Kopfschuss getötet und die Leiche dann bestialisch zugerichtet haben soll. Am Dienstag legte er ein Teilgeständnis ab.
05.05.2020, 14:43
Lesedauer: 2 Min
Zur Merkliste
Angeklagter Bremer legt Teilgeständnis ab
Von Nina Willborn
Angeklagter Bremer legt Teilgeständnis ab

Der Fall der zerteilten Leiche wird seit Mitte April vor dem Bremer Landgericht verhandelt.

CARMEN JASPERSEN/DPA

Der 65-jährige Bremer, der angeklagt ist, im September 2019 einen Bekannten von ihm mit einem Revolver erst eine Kugel in den Kopf geschossen und anschließend die Leiche auf bestialische Weise zugerichtet zu haben, hat am Dienstag Teile der ihm vorgeworfenen Taten zugegeben. Die Anwältin des Mannes verlies vor der Kammer des Landgerichtes eine Erklärung des Angeklagten. Ihr Inhalt: Er habe den Mann zwar nicht getötet, aber die Leiche zerteilt.

So soll die Tat laut der Erklärung abgelaufen sein: Der Bekannte sei in der Wohnung des Angeklagten gewesen, um dort eine Hanfplantage zu besichtigen, deren Ertrag er für den Angeklagten verkaufen sollte. Dabei habe der Bekannte einen Revolver des Angeklagten gefunden und damit herumgespielt. „Ich habe ihn noch gewarnt: ,Sei vorsichtig, der ist geladen'“, wird der Angeklagte in dem Statement zitiert. Er selbst sei zu dem Zeitpunkt im Badezimmer gewesen, um dort Wasser für die Pflanzen zu holen und habe dort dann einen Schuss in der Küche, wo der Bekannte auf einem Sofa gesessen habe, gehört. Ob es Zufall oder Suizid gewesen sei, könne er nicht sagen, der Bekannte sei stark alkoholisiert gewesen.

Lesen Sie auch

Der Angeklagte befand sich nach eigener Aussage nun in dem Dilemma, nicht die Polizei rufen zu können - denn dann wäre seine Hanfplantage aufgeflogen. Diese habe er gebraucht, um seinen täglichen Drogenkonsum zu finanzieren. Nach ungefähr zwei Tagen, in denen er die Leiche auf dem Sofa ließ, habe er begonnen, sie zu zerteilen, um die einzelnen Stücke nach und nach zu entsorgen. Er sei selbst von seinem Vorhaben angewidert gewesen, heißt es in der Erklärung, aber er habe keine andere Möglichkeit gesehen. Weil der Verfall der Leiche fortschritt, habe er einige Teile in seiner Wohnung, andere in der Wohnung des Bekannten eingefroren, um sie später loszuwerden.

Diese Version hatte der Angeklagte auch am Tag seiner Verhaftung im Verhör bei der Polizei angegeben. Das Video der knapp einstündigen Vernehmung wurde in der Verhandlung abgespielt. Der Gerichtsmediziner, der die Leichenteile, darunter Füße und Kopf des Getöteten, untersucht hatte, war am Dienstag als Zeuge geladen. Er gab an, aufgrund der weit fortgeschrittenen Verwesung vor allem des Kopfes sei es unmöglich, Genaueres zu Art und Weise des Kopfschusses zu sagen. „Grundsätzlich kann ich sagen, dass es bei der Zerstückelung des Körpers ein System gegeben hat“, sagte er.

Die Staatsanwaltschaft hat den 65-Jährigen wegen Totschlags angeklagt und wirft ihm außerdem vor, die Totenruhe gestört und die Leiche aus persönlichem Interesse, sexuellen Motiven oder „sportlichem Vergnügen“ zerteilt zu haben.

Insgesamt sind 13 Verhandlungstage angesetzt, ein Urteil könnte am 24. Juni gesprochen werden. Fortgesetzt wird die Verhandlung am Mittwoch, 13. Mai, um 11 Uhr.

Mehr zum Thema

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+