Urteil im Prozess um zerteilte Leiche

Angeklagter muss 14 Jahre in Haft

Der Prozess um den Fall einer zerteilten Leiche endet mit einer langen Haftstrafe für den Angeklagten. Das Bremer Landgericht verurteilte ihn unter anderem wegen Totschlags zu 14 Jahren Haft.
24.06.2020, 18:59
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Angeklagter muss 14 Jahre in Haft
Von Nina Willborn
Angeklagter muss 14 Jahre in Haft

Der Prozess um die zerstückelte Leiche gehört zu den gruseligsten, die in diesem Jahr bislang vor dem Bremer Landgericht verhandelt wurden.

JASPERSEN/DPA

Er hat seinem Freund in den Kopf geschossen. Davon war das Bremer Landgericht am Ende überzeugt, obwohl der Angeklagte, ein 65-jähriger Bremer, das geleugnet hatte. Er hatte das Geschehen, das sich am
9. September 2019 spätnachmittags in seiner Wohnung abgespielt hatte, zu Beginn des Prozesses als Unfall oder Suizid seines Bekannten dargestellt – allerdings zugegeben, dass er die Leiche zerteilt hatte, um sie unbemerkt entsorgen zu können und so eine Entdeckung der Hanfplantage in seiner Wohnung zu verhindern. Die Kammer verurteilte den Mann am Mittwochmorgen zu insgesamt 14 Jahren Haft wegen Totschlags, Störung der Totenruhe und bewaffnetem Handel mit Betäubungsmitteln. Sie blieb damit nur knapp unterhalb der zulässigen Höchststrafe für Totschlag, sie liegt bei 15 Jahren.

Die Strafe wird der Angeklagte allerdings zu großen Teilen nicht im Gefängnis verbringen. Weil er – wie auch das 50-Jährige Opfer – nicht nur mit Drogen (in Fall des Angeklagten Fall Marihuana) handelte, sondern sie auch konsumierte, wird er nach fünf Jahren Haft für die restliche Zeit in einer Entziehungsanstalt untergebracht. Das sei zwar eigentlich nicht der Wille der Kammer gewesen, betonte der Vorsitzende Richter, rechtlich aber nicht anders zu regeln gewesen.

Ansonsten bleiben auch nach diesem Prozess um die zerteilte Leiche viele Fragen offen, vor allem diese: Warum schoss der Angeklagte seinem Kumpel mit einem kleinen Revolver eine Kugel in den Kopf? Dass er es tat, davon war das Gericht in Anbetracht der Beweislage überzeugt. „Eine andere Erklärung ist nicht denkbar“, sagte der Richter. Sowohl die Einschussstelle direkt unter dem rechten Ohr des Opfers spräche dafür als auch, dass es keine DNA-Spuren des Opfers an der Waffe gegeben hatte. Die Erklärung der Verteidigung, der Angeklagte habe die Spuren abgewaschen, hielt das Gericht für unglaubwürdig. „Wieso hätte er das tun sollen? Damit hätte er ja die Suizid-Theorie beweisen können“, argumentierte der Richter. Gegen die Suizid-Theorie sprächen die Entfernung von mindestens 30 Zentimetern, aus der der Schuss abgegeben worden sei und auch, dass es keine Hinweise auf eine Selbsttötungsabsicht des Opfers gegeben habe. „Es ist unwahrscheinlich, dass er ohne seine Tochter, die ihm sehr nahestand, zu informieren, aus dem Leben geschieden wäre“, sagte der Richter. Zu guter Letzt hatte der Angeklagte fünf Tage nach dem Tod seines Bekannten in SMS an seine inzwischen verstorbenen Lebensgefährtin verschiedene Angaben zur Todesursache gemacht, woraufhin sie sinngemäß fragte: „Hattest Du nicht gesagt, Du hättest ihn erschossen?“

Dass es ein Mord war, konnte das Gericht dem Mann nicht nachweisen. Eben so wenig, dass die Zerteilung der Leiche aus sexuellen Motiven geschah. „Dass es um mehr als die pragmatische Beseitigung der Leiche ging, ist schwer vorstellbar“, sagte der Richter. Der Angeklagte hatte einige Teile des Toten eingefroren, sie laut der Kammer „wie normales Gefriergut behandelt“: Den Kopf etwa hatten Ermittler neben Speiseeis und Tiefkühl-Pommes entdeckt. Die Störung der Totenruhe sei damit gravierend, sagte der Richter.

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