Prozess um zerteilte Leiche

Angeklagter suchte nach Schallschutz

Fortsetzung des Prozesses um eine zerteilte Leiche vor dem Bremer Landgericht. Laut einem Polizeivermerk suchte der Angeklagte wenige Tage vor seiner Tat im Internet nach einem Schallschutz für Waffen.
28.05.2020, 05:00
Lesedauer: 2 Min
Zur Merkliste
Angeklagter suchte nach Schallschutz
Von Nina Willborn
Angeklagter suchte nach Schallschutz

Wegen Totschlags und Störung der Totenruhe muss sich ein Bremer vor dem Landgericht verantworten.

CARMEN JASPERSEN

Zerteilt hat er seinen Bekannten im Herbst 2019, das hat der 65-jährige Angeklagte, der sich derzeit vor dem Bremer Landgericht wegen Totschlags und Störung der Totenruhe verantworten muss, zugegeben. Die Frage, vor der die Richterinnen und Richter stehen, ist: Hat er ihn zuvor auch umgebracht? Der Angeklagte bestreitet dies, erklärte, der Bekannte habe sich – unabsichtlich oder nicht – mit dem Revolver des Angeklagten selbst eine Kugel in den Kopf gejagt. In der Verhandlung am Mittwoch kam ein Vermerk der Polizei zur Sprache, der gegen diese These spricht. Die Kriminalbeamten hatten die Handydaten des Angeklagten ausgewertet, darunter auch den Verlauf einer Suchmaschine im Internet.

Nur wenige Tage vor der Tat Anfang September habe der Angeklagte über sein Smartphone im Internet nach Schalldämpfern für Waffen gesucht, verlas der Richter. Der Angeklagte soll laut den Ermittlern Homepages von verschiedenen Anbietern besucht haben und auch eine Anleitung zum Selberbauen. In der Wohnung des Angeklagten, in der das Opfer zu Tode gekommen war, hatten die Beamten ein Kissen mit Löchern durch zwei Schüsse aus dem Revolver gefunden. Diese Ermittler allerdings waren der Ansicht, es sei zufällig durchschossen worden.

Lesen Sie auch

Dass sich der Angeklagte womöglich schon länger mit dem Gedanken trug, jemanden töten zu wollen, legt die Aussage eines Zeugen nahe. Er kenne den Angeklagten, weil sie jahrelang in derselben Praxis an einem Substitutionsprogramm für Drogensüchtige teilnahmen, erklärte der Mann. „Ich war nicht mit ihm befreundet, nur bekannt“, stellte er klar. Der Angeklagte habe ihm bei einer Gelegenheit erzählt, dass er „mal einen umbringen wollen würde“ und „dass er gerne mal einen verrecken sehen will“, sagte der Zeuge. „Ich habe das Gespräch dann sofort abgeblockt.“ Diese Aussagen lägen aber schon rund sieben Jahre zurück.

Mit den weiteren Zeugen hatte das Gericht weniger Glück: Eine Frau war gar nicht erst erschienen, der Bruder des Angeklagten, extra aus Flensburg angereist, machte von seinem Aussageverweigerungsrecht Gebrauch. Zum Geschehen nach der Tat machte eine Bankkauffrau Angaben: Bei ihr hatte der Angeklagte versucht, vom Sparbuch des Toten 400 Euro abzuheben. Das Vorhaben scheiterte allerdings, weil das Opfer zuvor verfügt hatte, Abhebungen nur gegen Vorlage des Personalausweises zuzulassen. Der Prozess wird am Dienstag, 2. Juni, um 10 Uhr fortgesetzt.

Lesen Sie auch

Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+