Prozess wegen versuchten Mordes

Kampfhund als Lebensretter

Wegen versuchten Mordes steht ein 41-Jähriger vor dem Bremer Landgericht. Dass die Anklage nicht „Mord“ lautet, hat der Mann aller Wahrscheinlichkeit nach dem Hund seines Opfers zu verdanken.
16.04.2021, 13:33
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Kampfhund als Lebensretter
Von Ralf Michel
Kampfhund als Lebensretter

Der Angeklagte sitzt in Untersuchungshaft und wird in Handschellen in den Gerichtssaal geführt.

Ralf Michel

Seit Freitag steht ein 41-Jähriger wegen versuchten Mordes vor dem Landgericht. Er soll dem 33-jährigen neuen Freund seiner getrennt von ihm lebenden Frau aufgelauert und ihn mit einem Messer niedergestochen haben. Als sein Opfer nach zwei Stichen in Hals und Bauch schwer verletzt zu Boden ging, habe der Angeklagte mehrfach versucht, weiter auf dessen Kopf einzustechen, sagt die Staatsanwaltschaft. Doch dann ging der Hund des 33-Jährigen, ein American Stafford Mix, dazwischen und zerrte den Angreifer von seinem Herrchen weg. Der Mann konnte sich daraufhin in Sicherheit bringen. „Mein Hund hat mir das Leben gerettet“, ist er überzeugt.

Am 15. Oktober 2020 führte der 33-Jährige wie jeden Abend gegen 21 Uhr in Blockdiek seinen Hund aus, heißt es in der Anklageschrift. Der Angeklagte habe zunächst im Wagen seines Vaters auf ihn gewartet, sei dem neuen Freund seiner Ex-Frau dann zu Fuß gefolgt. Als er ihn erreicht hatte, umklammerte er ihn von hinten und stach ihm mit einem Einhandmesser erst seitlich in den Hals, dann mit einer aufwärts gerichteten Bewegung auf Höhe der Leber in den Oberkörper.

Anschließend habe sich der 41-Jährige rittlings auf sein auf dem Boden liegendes blutendes Opfer gesetzt und versucht, auf dessen Kopf einzustechen. Der 33-Jährige sei mit einem Schnitt an einer Augenbraue verletzt worden, habe ansonsten aber die Stiche abwehren können. In diesem Moment habe der Hund des Opfers versucht, den Angreifer von seinem Herrchen herunterzuzerren. Der 33-Jährige sei dadurch freigekommen, habe dem Angeklagten Pfefferspray in die Augen gesprüht und sei dann gemeinsam mit seinem Hund weglaufen.

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Das Opfer erlitt durch die Messerattacke eine Stichverletzung im Halsbereich, eine Stichverletzung der Bauchwand, wobei auch das Zwerchfell und die Leber durchstoßen wurden und es zu Einblutungen in die Lunge kam, eine Blutansammlung im Brustkorb und einen Rippenbruch. Der 33-Jährige musste im Klinikum Bremen-Mitte notoperiert werden. Die Staatsanwaltschaft geht von einem Mordversuch aus. Der Angeklagte habe aus niederen Gründen versucht, sein argloses Opfer heimtückisch von hinten zu töten. „Er gönnte dem Mann seine Ex-Frau nicht.“

Die Verhandlung am Freitag endete nach Verlesung der Anklageschrift. Der 41-Jährige will sich zu den Vorwürfen äußern, allerdings erst nach Rücksprache mit seinem Anwalt am zweiten Verhandlungstag. Um ihm nicht die Möglichkeit auf ein umfassendes Geständnis zu verbauen, ohne dass er zuvor durch die Aussage seines Opfers belastet wurde, verzichtete das Gericht an diesem Verhandlungstag auch auf die eigentlich geplante Zeugenvernehmung des 33-Jährigen, der als Nebenkläger im Gerichtssaal anwesend war. Beide Männer sollen nun am nächsten Prozesstag, Donnerstag, 22. April, gehört werden.

Am Rande der Verhandlung schilderte der 33-Jährige im Gespräch mit dem WESER-KURIER bereits am Freitag einige Details des Vorfalls. Demnach soll der Angeklagte ihm schon vor der Attacke per Mail mit drastischen Mails gedroht haben. Er sei zum Zeitpunkt der Tat vier Monate mit der Frau des Mannes zusammen gewesen. Sie sei noch mit dem Angeklagten verheiratet, lebe aber getrennt von ihm.

Dass er noch lebe, verdanke er nicht nur seinem Hund „Two-Face“ („wegen seines schwarz-weißen Kopfes“) sondern auch einem 16-jährigen Jungen, der ihn auf seiner Flucht in einen rettenden Hauseingang gezogen habe. Denn zu diesem Zeitpunkt habe ihn der 41-Jährige immer noch verfolgt, behindert allerdings durch das Pfefferspray in seinen Augen und durch eine Handverletzung. „Two-Face hat ihm in die Hand gebissen.“

Er habe noch selbst den Rettungsdienst und seine Familie angerufen können, berichtet der 33-Jährige. Trotz der schweren Verletzungen habe er in diesem Moment keine Schmerzen gespürt. „Das war das Adrenalin. Ich war derart gepusht.“

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