Christian Jacobs im Interview „Quartier wird 2024 fertig“

Christian Jacobs ist es ein Anliegen, der Marke Jacobs unter anderem im Johann-Jacobs-Haus ein Zuhause zurückgeben. Doch er nimmt die Bremer Innenstadt auch als Unternehmer in den Blick.
15.01.2020, 05:00
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„Quartier wird 2024 fertig“
Von Jürgen Hinrichs
Herr Jacobs, vom unternehmerischen Wirken Ihrer Familie war in Bremen nach dem Verkauf des Kaffeegeschäfts nicht mehr viel zu spüren. Nun die große Wiederkehr mit einem vielfältigen Engagement in der Innenstadt. Was hat Sie dazu bewogen?

Christian Jacobs: Zunächst will ich feststellen, dass meine Familie über all die Jahre viel in Bremen investiert hat. Mein Großvater Walther unter anderem in Kunst. 2006 hat die Jacobs Foundation, noch zu Lebzeiten meines Vaters, unter meiner Führung 200 Millionen Euro in die damalige International University Bremen gesteckt. 2013 habe ich die Jacobs Foundation überzeugt, nochmals 100 Millionen Euro für den Zeitraum bis 2027 in die Jacobs University zu investieren.

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Gut, aber jetzt treten Sie nicht mehr nur als Mäzen auf, sondern auch als Unternehmer und nehmen speziell die Bremer Innenstadt in den Blick.

Ich kann Ihnen sagen, warum: Bremen ist die größte Stadt zwischen Amsterdam und Hamburg im europäischen Nordwesten. Es muss jetzt die Voraussetzungen schaffen, dass die Stadt für junge Menschen auch noch 2050 attraktiv ist. Daran glaube ich und möchte dazu beitragen.

Wie viel Kaffee ist noch in Ihren Genen? Nur die tägliche Tasse - welche Sorte übrigens? – oder auch das besondere Sensorium für Bohne und Röstung?

Wir fragen zu Recht immer mehr Produkte nach, deren Herkunft wir kennen wollen. Kaffee ist insofern einzigartig, als wir theoretisch nachverfolgen können, woher jede einzelne Bohne kommt. Zu diesem Aspekt der sozialen Verantwortung für die Herkunft unserer Lebensmittel kommt hinzu, dass Kaffee in immer größeren Varianten angeboten wird und damit der Genussfaktor steigt. Bei uns liegt immer ein Blatt des Kaffees auf dem Tisch, den wir gerade trinken. Wir probieren, ob im Geschäft oder zu Hause, daher laufend. Wenn Sie nach Geschmacksrichtungen fragen: Da hat sich die gewisse Vorliebe meines Großvaters für kolumbianischen Kaffee und meines Vaters für guatemaltekischen Kaffee erhalten. Ergänzt in meiner Generation vielleicht noch durch hervorragende ost-afrikanische Kaffees.

Was ist in dieser Hinsicht vom neuen Johann-Jacobs-Haus zu erwarten? Noch ein Coffee-Shop oder eher die verfeinerte Art des Kaffeegenusses?

Zunächst geben wir der Marke Jacobs ihr Zuhause zurück. Im Haus werden wir gemeinsam mit Jacobs Douwe Egberts die bislang in der Langemarckstraße befindliche Kaffeeakademie in einem völlig neuen Set Up betreiben. Im Erdgeschoss befindet sich das Kaffeegeschäft, wie es mein Urgroßonkel Johann Jacobs, der Gründer des Unternehmens, nach dem Krieg wieder eröffnet hat, allerdings zeitgemäß interpretiert. Dort wird es gerösteten Kaffee geben. Die Marke Jacobs steht für guten Kaffee. Im Haus wollen wir das für jedermann erfahrbar machen.

Ihr neues Stammhaus, das Sie im April beziehen, ist der erste Baustein. Sie wollen mit der Stadtwaage, dem Essighaus und dem Kontorhaus weitermachen und daraus das sogenannte Balge-Quartier entwickeln. Wie ist der Zeitplan?

Essighaus und Kontorhaus werden um- oder neu gebaut, wenn die bisherigen Nutzer ausgezogen sind. Das ist spätestens 2022 der Fall. Das Quartier insgesamt wollen wir spätestens 2024 eröffnen.

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Ihre Projekte kommen voran. Das neue Stammhaus ist eine Power-Baustelle. Anderes in der Innenstadt stockt dagegen. Wünschen Sie sich mehr Tempo und Dynamik?

Ich wünsche mir einerseits eine gute und vor allem positive Diskussion darüber, wie Bremen als bedeutendster Standort zwischen Amsterdam und Hamburg im 21. Jahrhundert auszusehen hat. Deswegen unterstütze ich auch die Diskussion darüber, welche Institutionen staatlicherseits in Zukunft in der Altstadt liegen müssen, damit der Kern Bremens die notwendige Kraft für die Entwicklung der Stadt „um zu“ entfalten kann. Eine Metropole entwickelt sich nun einmal vom Kern und nicht vom Rand. Und andererseits wünsche ich mir ein entschlossenes Handeln von Seiten der Politik, wenn die Diskussion greifbare Ergebnisse erbracht hat.

Die Fragen stellte Jürgen Hinrichs.

Info

Zur Person

Christian Jacobs (57) ist der älteste Sohn des Bremer Kaffeerösters und Unternehmers Klaus Jacobs (1936 - 2008). Er ist in Bremen geboren und hat am Alten Gymnasium Abitur gemacht. Jacobs, der mit seiner Familie in Hamburg lebt, arbeitet als Rechtsanwalt und Unternehmer.

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