Freiwilliger Sommerschlussverkauf Rabatte auf Rabatte

30 Prozent, 50 Prozent oder sogar bis zu 70 Prozent Rabatt – am Montag hat der freiwillige Sommerschlussverkauf (SSV) begonnen. Große Geschäfte und Online-Handel kurbeln die Preisspirale an.
26.07.2016, 00:00
Lesedauer: 3 Min
Zur Merkliste
Rabatte auf Rabatte
Von Alexandra Knief

30 Prozent, 50 Prozent oder sogar bis zu 70 Prozent Rabatt – am Montag hat der freiwillige Sommerschlussverkauf (SSV) begonnen.

Das mag viele verwundern, denn die meisten Händler werben in ihren Schaufenstern schon seit Wochen mit Preisnachlässen und eigentlich gibt es das ganze Jahr über Rabattaktionen, die fast nahtlos ineinander übergehen. Auch in Bremen hängen die Nachlasshinweise in den Geschäften nicht erst seit gestern. „Oftmals gibt es in der Zeit des SSV auf bereits bestehende Rabatte noch weitere Rabatte“, sagt Jan König, Hauptgeschäftsführer des Handelsverbands Nordwest.

Viele Läden setzen noch auf den SSV Ende Juli, um in ihren Lagern Platz für die Herbstmode zu schaffen – wenn auch zum Teil in ausgedehnter Form. „Von den Geschäften für Schuhe und Textilien beteiligen sich in der Innenstadt mindestens drei Viertel am Sommerschlussverkauf“, sagt Jan-Peter Halves, Geschäftsführer der City-Initiative. Zwar habe der Sommerschlussverkauf weder für Kunden noch für die Händler die gleiche Bedeutung, wie noch vor 15 Jahren, „das Prinzip funktioniert aber immer noch und je mehr Geschäfte gleichzeitig Rabatte anbieten, desto mehr Leute kommen auch in die Stadt“, so Halves.

Das größte Angebot finden Schnäppchenjäger laut König in der Textilbranche vor. Neben der typischen saisonalen Sommermode im Schlussverkauf könne man aktuell auch im Sportbereich das ein oder andere günstige Angebot finden. Wegen der Fußball-Europameisterschaft und der Olympischen Spiele in diesem Jahr sei das Angebot hier besonders groß.

Auch Baumärkte machen mit

Aber auch Geschäfte aus den Bereichen Elektronik und Spielwaren oder auch Baumärkte machen beim SSV mit. Wer sich beteiligt und wer nicht, hänge laut Jan König vor allem von der Lagersituation der Händler ab. „In diesem Jahr sind viele Lager aufgrund des nicht so schönen Sommerwetters noch sehr voll“, sagt er. Wegen des Klimawandels werde es für die Händler immer schwieriger einzuschätzen, wie das Wetter wird und welches Sortiment sie wann anbieten sollen. „Manche Leute suchen jetzt schon nach Herbstjacken“, so König.

Auch wenn der Kunde sich im ersten Moment darüber freut, fast dauerhaft irgendwo Rabatte angeboten zu bekommen, sind auch für ihn die Auswirkungen langfristig negativ anzusehen. „Rabattschlachten sorgen dafür, dass die Preise kaputt gemacht werden und der kleine Händler, der keine großen Massen an Ware kaufen kann, wird Probleme bekommen“, sagt König. „Wenn die Händler am Ende keine Gewinne mehr machen, gibt es immer weniger Anbieter und je geringer das Angebot, desto schlechter ist das am Ende auch für die Kunden.“

Grund für die „Rabattschlacht“ auch außerhalb der Schlussverkaufstermine sei vor allem der Preisdruck, der von Discountern und großen Händlern ausgehe. Gerade im Textilgeschäft gebe es viele große Unternehmen, die immer weiter expandieren und durch die großen Einkaufsmengen ihre Ware immer günstiger anbieten können. „Wettbewerbsdruck gibt es permanent“, sagt Karsten Nowak, Leiter des Geschäftsbereichs Einzelhandel bei der Handelskammer. „Allein durch den Online-Handel ist die Welt ein Dorf geworden, in dem man sich als Händler hervorheben muss.“

Lesen Sie auch

Ansturm auf die Geschäfte

Der stationäre Handel müsse laut König fantasievoller werden, damit es nicht zu einer Kettenreaktion kommt, bei der zu viel Saisonware eingekauft wird, die am Ende nur über Rabatte an den Mann gebracht werden kann. Kleinere Geschäfte könnten zum Beispiel darüber nachdenken, verstärkt auf Marken zu setzen, die es im Internet oder bei großen Anbietern nicht gibt oder mehr vom klassischen Sommer-Winter Sortiment abweichen, damit das Wetter dem Geschäft keinen Strich durch die Rechnung macht. „Der Handel muss neue Wege einschlagen, damit das mit den Rabatten nicht zu einem Dauerzustand wird“, sagt König.

Dass Rabatte mittlerweile zum Alltag gehören, hängt auch mit der Abschaffung des Rabattgesetzes 2001 zusammen. Bis zu diesem Zeitpunkt waren Preisnachlässe stark reglementiert. Händler durften nur zwei Mal im Jahr, Ende Juli und Ende Februar für jeweils zwölf Tage saisonabhängige Ware zu reduzierten Preisen verkaufen.

Dies löste regelmäßig einen großen Ansturm auf die Geschäfte aus. Auch das ist ein Grund, warum viele Händler neben diversen Aktionen im ganzen Jahr auch heute noch an den Schlussverkaufsterminen festhalten. „Gerade in den Köpfen der etwas älteren Kunden ist der Termin Ende Juli noch drin“, sagt König.

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+