Zlata Kikteva und Valeria Nikitina reisen nach zwei Monaten als Gastschüler in Aumund zurück auf die Krim Radfahren ist für sie ein Abenteuer

Aumund. Jeden Morgen steigen Valeria und Zlata auf's Rad. Im Pulk Hunderter von Schülern, die zu Unterrichtsbeginn an der Oberschule Lerchenstraße mit dem Drahtesel anrollen, fallen sie nicht auf. Mit dem Rad zur Schule, das ist für die beiden jungen Frauen inzwischen selbstverständlich. Vor zwei Monaten war es für sie noch ein Abenteuer.
28.06.2011, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Gabriela Keller

Aumund. Jeden Morgen steigen Valeria und Zlata auf's Rad. Im Pulk Hunderter von Schülern, die zu Unterrichtsbeginn an der Oberschule Lerchenstraße mit dem Drahtesel anrollen, fallen sie nicht auf. Mit dem Rad zur Schule, das ist für die beiden jungen Frauen inzwischen selbstverständlich. Vor zwei Monaten war es für sie noch ein Abenteuer.

In ihrer Heimat in der Ukraine gehen Zlata Kikteva und Valeria Nikitina wie die meisten ihrer Mitschüler zu Fuß zur Schule, ein Fahrrad besitzen sie nicht. "Radfahren ist bei uns viel zu gefährlich. Es gibt keine Radwege so wie hier", erzählt Valeria. Seit 1. Mai sind die beiden Mädchen aus der Stadt Sewastopol auf der Halbinsel Krim Gastschülerinnen an der Oberschule Lerchenstraße. Jetzt neigt sich ihr Aufenthalt dem Ende zu.

Für die 14-jährigen Schülerinnen ist es der erste Besuch in Deutschland. Ein Austauschprogramm des in Berlin ansässigen Vereins "Gastschüler in Deutschland" hat sie nach Aumund geführt. Den Kontakt zwischen der Lerchenstraße und der "Schule Nummer 35" in Sewastopol, die Zlata und Valeria besuchen, hat Gesine Zeynalov hergestellt. Seit Schuljahresbeginn arbeitet sie als Russisch-Lehrerin in Aumund. Zuvor unterrichtete sie fünf Jahre im Rahmen eines Bundesprogramms an der "Schule Nummer 35" in Sewastopol Deutsch.

Deutsch sprechen sie fließend

Die Schule hat sich auf Deutsch als Fremdsprache spezialisiert. "In der elften Klasse legen die Schüler ein deutsches Sprachdiplom ab." Darauf bereiten sie sich früh vor. "Wir lernen ab der ersten Klasse fünf Stunden in der Woche Deutsch, dazu kommen zwei Stunden bei Auslandslehrern", erzählt Valeria. Zlata nahm als Vorbereitung auf die Reise sogar zwei Stunden Privatunterricht in Deutsch. Die fremde Sprache ist für beide kein Problem, wortgewandt und flüssig drücken sie sich aus.

Schon vor ihrer Reise knüpften sie Kontakte zu ihren Gastgeber-Schülern in Bremen. Per E-Mail tauschten sie sich über Hobbys aus, stellten ihre Städte vor. Zlata ist in der Familie von Jule Sauer zu Hause. Valeria war die ersten vier Wochen in der Gastfamilie von Lina Timmermann willkommen, die letzten Wochen ist die Familie von Elisabeth Guschanow Gastgeber.

Zwei Monate lang sind Zlata und Valeria in Aumund Tag für Tag zur Schule gegangen. Sie haben am normalen Unterricht teilgenommen und Hausaufgaben erledigt. Noch eine Regel des Austauschprogramms, an die sich die Gastschüler halten müssen: "Wir müssen jeden Tag mindestens sieben neue Vokabeln lernen", erzählt Zlata. Das strenge Regelwerk hat einen Grund: "Die Schüler sollen den Aufenthalt nicht nur mit Freizeitaktivitäten verbringen", erklärt Zeynalov.

In Berichten bringen Zlata und Valeria ihre Erfahrungen in Deutschland zu Papier. Viele Unterschiede zu ihrer Heimat sind ihnen aufgefallen. Zum Beispiel im Schulalltag. "Hier müssen die Schüler weniger Hausaufgaben machen. Sie haben mehr Freizeit als wir", stellen sie fest. Im Vergleich zu ihrer Schule gebe es auch weniger Fächer. "Geschichte ist hier ein Fach, bei uns wird in Welt- und ukrainische Geschichte unterteilt." Mathematik werde in Sewastopol getrennt als Algebra und Geometrie unterrichtet. Lange Unterrichtszeiten von bis zu neun Stunden kennen die Ukrainerinnen zu Hause nicht. Nach spätestens sechs Stunden sei Schluss. Dafür müssen sie in Sewastopol auch sonnabends zur Schule. Das deutsche Modell-länger Unterricht und dafür am Sonnabend frei -finden beide besser. Im Stadtbild sind ihnen die vielen Einfamilienhäuser aufgefallen. Sie selber wohnen wie viele ihrer Landsleute in einem Hochhaus.

Geschmeckt hat beiden die deutsche Küche. "Lecker" schwärmen sie über Kartoffelklöße, Käsekuchen und Ofenkäse. Ihren Gasteltern tischten sie Speisen ihrer Heimat auf: russisches Schaschlik, gefüllte Teigtaschen "Pelmeni" und Charlotta-Apfelkuchen. Morgen heißt es für Zlata und Valeria "Auf Wiedersehen". Es ist ein Versprechen: In wenigen Monaten reisen ihre Aumunder Gastgeber nach Sewastopol.

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