Polizei kontrolliert an der Haltestelle Theater am Goetheplatz / Obernstraße probe- und zeitweise freigegeben Radfahrer kommen Fußgängern zu nahe

Für Radfahrer birgt das Fahren am Ostertorsteinweg auf Höhe der Straßenbahnhaltestelle Theater am Goetheplatz stadteinwärts einige Gefahren. Grobes Kopfsteinpflaster, Markierungsnägel und die Gefahr, in den Schienen hängen zu bleiben und zu fallen, veranlassen viele von ihnen, unerlaubt auf den Fußweg zu wechseln. Bei ihren Kontrollen stößt die Polizei bei Radfahrern oft auf Unverständnis.
30.01.2012, 05:00
Lesedauer: 4 Min
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Von Liane Janz

Für Radfahrer birgt das Fahren am Ostertorsteinweg auf Höhe der Straßenbahnhaltestelle Theater am Goetheplatz stadteinwärts einige Gefahren. Grobes Kopfsteinpflaster, Markierungsnägel und die Gefahr, in den Schienen hängen zu bleiben und zu fallen, veranlassen viele von ihnen, unerlaubt auf den Fußweg zu wechseln. Bei ihren Kontrollen stößt die Polizei bei Radfahrern oft auf Unverständnis.

Ostertor·Altstadt. Eigentlich sollten sie Vorbilder sein, doch gerade Erwachsene scheren sich oft nicht um die Straßenverkehrsordnung. Am Ostertorsteinweg auf Höhe der Haltestelle Theater am Goetheplatz stadteinwärts hält die Polizei immer wieder Verkehrssünder auf dem Fußweg an. Erst kürzlich haben die Kontaktpolizisten (Kops) Jörg-Michael Noll und Frank Striepe wieder Gehwegradler angehalten und sie auf ihr Fehlverhalten angesprochen. Der Großteil zeigte aber keine Spur von Einsicht oder gar Reue.

Eigentlich gibt es entlang des Ostertorsteinwegs rechts und links einen Streifen mit kleinen Pflastersteinen, auf denen sich gut Rad fahren lässt. Für die Kap-Haltestelle aber wurde der Fußweg vorgezogen, sodass es an dieser Stelle keinen Fahrradstreifen mehr gibt. Radfahrer müssen dort auf das Pflaster zwischen den Schienen wechseln und sich die Fahrbahn mit Autofahrern und der Straßenbahn teilen. Das tun viele aber nicht, bedrängen und gefährden Fußgänger und Wartende.

Direkt vor der Haltestelle ist eine Fußgängerampel mit abgesenktem Bordstein. Den nutzen viele Radfahrer, um auf den Fußweg zu wechseln. "Die wissen, dass sie das nicht dürfen. Viele haben den Führerschein und kennen die Straßenverkehrsordnung", sagt Kop Jörg-Michael Noll. Nicht wenige Radfahrer ignorieren die Regeln aber. "Die Arbeit der Polizei ist an dieser Stelle undankbar", weiß Robert Bücking, der Leiter des Ortsamtes Mitte/Östliche Vorstadt. Bücking und Albrecht Genzel, der Verkehrsreferent des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC), weisen aber auch auf die Risiken für Radfahrer hin. "Es ist für Radfahrer tatsächlich nicht ungefährlich, an dieser Stelle die Spur zu wechseln", sagt Genzel. Zum einen könnten die Räder in den Gleisen hängen bleiben. Außerdem erschwere das grobe Kopfsteinpflaster zwischen den Schienen das Radfahren. Markierungsnägel im Pflaster an der Haltestelle seien eine zusätzliche Gefahrenquelle, ergänzt der Ortsamtsleiter. "Das soll keine Entschuldigung

sein, aber eine Erklärung", sagen er und Genzel.

Ruf nach mehr Rücksicht

An der Haltestelle gegenüber, also Goetheplatz stadtauswärts, wird der Radweg beispielsweise hinter der Haltestelle entlang geführt. Die Fahrgäste können gefahrlos ein- und aussteigen, ohne dass Radfahrer warten müssten. Am Dobben auf Höhe des Restaurants "Rotkäppchen" müssen sich Radfahrer und Leute, die an der Haltestelle auf die Bahn warten, arrangieren. Sie nutzen den Fußweg dort gemeinsam - bisher auch ohne größere Vorkommnisse. Allerdings würde keine dieser Lösungen für die Haltestelle Goetheplatz stadteinwärts passen, sagt Robert Bücking.

Kops und Ortsamt wollen gemeinsam nach Lösungen suchen. Auch wenn der Polizei bisher noch keine Zusammenstöße zwischen Radfahrern und Fußgängern an dieser Stelle gemeldet worden sind, kann es so nicht weitergehen. Darin sind sich Kops, Ortsamtsleiter und der Verkehrsexperte des ADFC einig. Letzterer gibt derweil zu bedenken, dass sich der ADFC schon vor Jahren, als die Schienen auf Höhe der Haltestelle neu verlegt wurden, dafür stark gemacht hat, dass dort asphaltiert wird - so wie in der Straße Vor dem Steintor geschehen. Dort sei derzeit noch ein "Findungsprozess" im Gange. "Radfahrer fühlen sich zum Teil noch unwohl auf der Fahrbahn", sagt Albrecht Genzel. Und auch manche Autofahrer hätten noch nicht verstanden, dass die Radfahrer dort tatsächlich fahren dürfen. Das entwickele sich alles gerade, allerdings könnten nach Meinung des ADFC mehr Piktogramme auf der Fahrbahn nicht schaden, damit sowohl Rad- als auch Autofahrer sehen, dass sie sich die Fahrbahn teilen müssen. Radfahrern,

denen das dennoch zu unsicher ist, rät der Experte, auf die Humboldtstraße auszuweichen. Dringend hat der ADFC in der Vergangenheit Radfahrer, die keine Kinder mehr sind, ermahnt, nicht auf dem Bürgersteig zu fahren. Einigermaßen vergeblich, wie sich jeden Tag im Viertel zeigt.

Was die Straße auf Höhe der Haltestelle Goetheplatz angeht, werde wohl niemand hingehen und sie noch einmal aufreißen, dessen ist sich Robert Bücking sicher. Allerdings könnten bei Reparaturarbeiten an den Gleisen beispielsweise die Markierungsnägel gezogen werden. Oder das Pflaster werde anders verlegt, damit das Radfahren dort nicht mehr so holprig ist. Diese Ideen müssen aber mit dem Amt für Straßen und Verkehr verhandelt werden.

Bis es Lösungen gibt, rät der ADFC Radfahrern, abzusteigen, vor allem dann, wenn eine Bahn an der Haltestelle steht. "Es ist absolut rücksichtslos, dann weiterzufahren", stellt Genzel klar, weil ein- oder aussteigende Fahrgäste gefährdet werden. Und auch sonst sollte es selbstverständlich sein, sich an die Verkehrsregeln zu halten, meint er. Die Polizei will auch in Zukunft an der Haltestelle kontrollieren.

Neue Regelung in der Stadt

Weniger Umwege müssen Fahrradfahrer jetzt zwischen 20 und 11 Uhr und an Sonn- und Feiertagen in der Altstadt machen. Probeweise haben sie zu diesen Zeiten in der Obernstraße erst einmal freie Fahrt. Der ADFC verweist auf das neue Schild am Rathaus und auf Vorbilder wie Hannover und Münster. Albrecht Genzel wird in der Pressemitteilung mit dem Satz zitiert, dass die Innenstadt durchlässiger und in den Abendstunden belebt werde. Genzel hofft auf rücksichtsvolles Verhalten "und auf gute Erfahrungen in der Erprobungszeit, sodass vielleicht schon bald weitere Flächen, wie der Bahnhofsplatz, für den Radverkehr freigegeben und auch die Zeiten ausgeweitet werden können".

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