Starke Einschnitte bei Nordwestradio Radio Bremen muss noch mehr sparen

Bremen. Es ist die "Quadratur des Kreises", sagte der Intendant, denn was an Geld da ist für Radio Bremen, "das ist zu wenig zum Leben und zu viel zum Sterben." Als Jan Metzger Donnerstag im Rundfunkrat zu einer ersten großen Bilanz anhob, schwang Dramatik mit.
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Radio Bremen muss noch mehr sparen
Von Jürgen Hinrichs

Bremen. Es sind die "Weichen fürs Überleben", sagte der Intendant, es ist die "Quadratur des Kreises", denn was an Geld da ist für Radio Bremen, "das ist zu wenig zum Leben und zu viel zum Sterben." Als Jan Metzger gestern Abend im Rundfunkrat zu einer ersten großen Bilanz anhob, seitdem er Chef im Sender ist, schwang Dramatik mit, aber Bange machen wollte Metzger nun auch wieder nicht: "Die finanzielle Situation ist kompliziert, aber beherrschbar."

Die kleinste Rundfunkanstalt der ARD, ohnehin seit vielen Jahren finanziell schwer gebeutelt, muss noch einmal einen Betrag von 4,8 Millionen Euro einsparen. Verteilt zwar auf die Jahre 2011 und 2012, aber eine Herkulesaufgabe ist es bei einem Jahreshaushalt von rund 90 Millionen Euro trotzdem, zumal im Grunde fast alle Sparmöglichkeiten ausgeschöpft sind und der Sender aufpassen muss, dass er sich nicht kaputt saniert.

"Wir sparen uns nicht zu Tode, wir sparen, um zu überleben", betonte Metzger. Gleichzeitig warnte er aber vor einem Zuviel, vor allem bei den Einschnitten ins Programm: "Wir dürfen in der ARD nicht grau werden oder unsichtbar, denn dann werden wir überflüssig."

Das Messer angesetzt wird deshalb zunächst und ein weiteres Mal bei den Strukturen des Senders. Die bisher selbstständigen Fachredaktionen Kultur und Musik werden in das Nordwestradio integriert, einhergehend mit einer wesentlich schlankeren Organisation. So soll bei den Führungsposten gespart werden, und für Stellen von Mitarbeitern, die in den Ruhestand gehen, gibt es keinen Ersatz mehr. Unterm Strich soll bei diesen Bemühungen ein Sparbetrag von 2,31 Millionen Euro herauskommen.

Auch beim Programm muss der Hörfunk bluten. Wieder beim Nordwestradio, aber auch bei den Nachrichten. Im Fernsehen, so ist es beschlossen, muss Radio Bremen unter anderem auf die "Musikschau der Nationen" verzichten und auf zwei TV-Aufzeichnungen von Bremen-Vier-Radiokonzerten. Den "Sportclub am Sonntag" gibt es schon nicht mehr, er wird nun auch aus dem Budget gestrichen und hat damit definitiv keine Zukunft mehr.

Die Kürzungen im Programm schlagen mit 1,75 Millionen Euro zu Buche. Zusammengerechnet sind das 4,06 Millionen und noch nicht die veranschlagten 4,8 Millionen. "Das haben wir bewusst so gemacht", sagte Metzger. Klaglos eine schwarze Null zu schreiben und der ARD zu zeigen, dass Radio Bremen durchaus weiter sparen könne, hält er für falsch. "Wir schreiben stattdessen eine rote Null", so der Intendant. In der Vorlage für die Rundfunkratssitzung heißt es, dass die fehlenden 700.000 Euro im laufenden Betrieb eingespart werden müssen. Wo und wie auch immer, möglicherweise auch gar nicht. Der Finanzplan für das kommende Jahr weist eine Lücke von 400.000 Euro aus.

Bei allem Zwang zum Sparen will Metzger aber nicht darauf verzichten, mit gezielten Investitionen die Zukunftsfähigkeit seines Senders zu sichern: "Sonst sind wir in der digitalen Welt schnell abgehängt." Ein Programm für junge Menschen, das könne die Nische sein für das kleine Radio Bremen in der großen ARD. Metzger nannte ein Beispiel, die "Digitale Garage", ein Programm von und für junge Menschen.

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