Rückläufige Gebühreneinnahmen Radio Bremen muss weitere Millionen sparen

Bremen. Schwere Zeiten für Radio Bremen: Der kleinste ARD-Sender muss bis Ende 2012 weitere 3,5 Millionen Euro einsparen, um zum Ende der vierjährigen Gebührenperiode einen ausgeglichenen Haushalt vorlegen zu können.
04.06.2010, 11:35
Lesedauer: 2 Min
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Von Thomas Joppig

Bremen. Schwere Zeiten für Radio Bremen: Der kleinste ARD-Sender muss bis Ende 2012 weitere 3,5 Millionen Euro einsparen, um zum Ende der vierjährigen Gebührenperiode einen ausgeglichenen Haushalt vorlegen zu können.

Grund sind rückläufige Gebühreneinnahmen. Intendant Jan Metzger kündigte vor diesem Hintergrund weitere Einschnitte an, die man leider auch im Programm spüren werde. Eine straffere Organisation von Arbeitsabläufen soll weitere Einsparungen bringen. Wo im Detail gespart wird, wird sich im Laufe dieses Jahres herauskristallisieren. 80 Vorschläge haben die Mitarbeiter bereits zusammengetragen. „Es muss alles auf den Prüfstand dürfen“, sagte Radio-Bremen-Sprecher Michael Glöckner auf Nachfrage von WESER-KURIER online.

Kleiner Trost für Radio Bremen: Die Gebühren-Prognose trifft den Sender nach eigener Einschätzung weitaus weniger unvorbereitet als viele andere ARD-Sender. Im Unterschied zu anderen Landesrundfunkanstalten haben wir schon im vergangenen Jahr ein Brems-Manöver eingeleitet und damit rund 2,4 Millionen Euro pro Jahr aus unserem Budget herausgestrichen“, betont Intendant Metzger.

Der Spar-Spagat

Gebündelt werden die Sparmaßnahmen in dem Projekt "Radio Bremen 2012". Der Sender übt sich dabei - wie so viele Medien in Zeiten sinkender Einnahmen und steigender Erwartungen -  in der Kunst des Spagats. Einerseits muss Radio Bremen bei den Ausgaben für das Programm sparen, andererseits will der Sender ein multimediales Angebot für junge Nutzer schaffen, die digitalen Medien aufgeschlossen gegenüber stehen.

Radio Bremen soll die erste konsequent multimedial arbeitende Rundfunkanstalt innerhalb der ARD werden. Zudem will der Sender im Fernsehprogramm der ARD durch qualitativ herausragende Beiträge auffallen.„Das alles geht nur, wenn wir gleichzeitig unsere Hausaufgaben beim Sparen machen“, sagt Metzger. Überleben können und auffällige Programme machen, sind für ihn zwei Seiten derselben Medaille: „Ohne finanzielle Grundlage keine interessanten Programme. Ohne erfolgreiche Programme langfristig keine Akzeptanz, keine Legitimation und keine Finanzierung.“

Einnahmenrückgang hat verschiedene Gründe

Für das rückläufige Gebührenaufkommen sind vor allem drei Gründe maßgeblich: Zum einen schrumpft die Gesamtbevölkerung in Deutschland und mit ihr auch die Einnahmen. Zum anderen gibt es in Deutschland immer mehr Menschen, die aufgrund ihres geringen Einkommens keine Rundfunkgebühren zahlen müssen. Und nicht zuletzt melden immer weniger Menschen von sich aus ihre Radios, Fernseher und Computer an, weil sie das System der Rundfunkgebühren mitsamt der detektivischen GEZ-Kontrollen ablehnen.

Ein Systemwechsel hin zu einer pauschalen Haushaltsabgabe könnte zumindest die umstrittene Schnüffelei der Gebührenkontrolleure beenden. „Die ARD unterstützt dieses Vorhaben, und als Teil der ARD unterstützen wir es damit grundsätzlich auch“, sagt Radio-Bremen-Sprecher Glöckner. „Es gibt allerdings noch viele ungeklärte Fragen. Derzeit ist noch nicht absehbar, was dieser Systemwechsel für die finanzielle Ausstattung von Radio Bremen bedeuten würde.“

Eindeutiger ist da die Haltung der ARD-Anstalt gegenüber dem Werbeverbot für offentlich-rechtliche Sender, das Kulturstaatsminister Bernd Neumann vor kurzem im WESER-KURIER gefordert hatte: „Eine solche Entscheidung“, sagt Glöckner, „würde die Zukunft von Radio Bremen in Frage stellen.“

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