Partymeile am Bremer Breitenweg Randale auf Diskomeile nur Einzelfall?

Eine Gruppe betrunkener junger Männer hat am Wochenende die Diskomeile regelrecht aufgemischt. Polizei und Betreiber halten das für einen Einzelfall: In Wirklichkeit sei die Meile sicherer geworden.
16.01.2015, 00:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Ralf Michel und Elke Gundel

Eine Gruppe von neun jungen Männern, alle mehr oder weniger betrunken, hat am Wochenende die Diskomeile regelrecht aufgemischt. Die 19 bis 22 Jahre alten Verdächtigen griffen wahllos Passanten und Türsteher an und zwangen einen Busfahrer auf dem Breitenweg zu einem unfreiwilligen Stopp. Die Polizei geht von sieben Opfern aus, zwei von ihnen wurden schwer verletzt.

Laut Polizei hat sich das gewalttätige Geschehen gegen halb vier in der Nacht innerhalb von nur fünf Minuten zugetragen. Sechs der Täter konnten unmittelbar darauf festgenommen werden. Zeugenhinweise besagen, dass sich die Männer zuvor in mehreren Betrieben der Diskomeile aufgehalten haben. Ob es sich dabei von Beginn an um eine geschlossene Gruppe gehandelt hat, oder sie sich erst im Laufe des Abends zufällig gebildet hat, ist noch Gegenstand von Ermittlungen.

So, wie die Reihe von Attacken in der Nacht von Freitag auf Sonnabend abgelaufen ist, schätzt Bülent Ünal, Club-Chef von La Viva und Privée sowie Sprecher der Interessengemeinschaft Meile, dass die Gruppe junger Männer sich offenbar vorgenommen hatte: „Heute machen wir ein bisschen Stress.“

Die Täter hätten es weder auf eine bestimmte Personengruppe abgesehen gehabt, noch auf ein bestimmtes Lokal. Vielmehr hätten sie „jeden, der ihnen über den Weg lief, angegriffen“. Darunter zwei 17 und 25 Jahre alte Besucher einer Gaststätte, zwei Türsteher vor einer Diskothek und einen 65-Jährigen, der auf der Suche nach Pfandflaschen war.

Türsteher stellten Täter

André Scheulenburg, ein weiterer Betreiber des Clubs La Viva, erzählt, dass schließlich mehrere Türsteher des La Viva und des Woody‘s eingegriffen hätten. Sie verfolgten die Täter und hielten sie fest, bis die Polizei eintraf. Nach allem, was seine Mitarbeiter berichtet hätten, hatte die Gruppe zunächst versucht, ins La Viva zu kommen. Ohne Erfolg. Dann zogen die Männer weiter. „Unsere Leute hatten schon vorher von dieser Truppe gehört und waren in Alarmbereitschaft“, sagt Scheulenburg.

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Ein solcher Vorfall verbreitete sich wie ein Lauffeuer von Tür zu Tür. Allerdings seien die Türsteher „zögerlich“, sich in das Geschehen auf der Straße einzumischen. „Sonst riskiert man, angezeigt zu werden.“ Schnell verwandele sich dann so mancher Täter in ein vermeintliches Opfer. Solche Anzeigen könnten sich die Türsteher aber nicht leisten. Die Ereignisse am frühen Sonnabendmorgen hätten jedoch einen Punkt erreicht, an dem das Sicherheitspersonal nicht mehr untätig bleiben konnte.

Scheulenburg betont, dass dieser Vorfall mittlerweile eine absolute Ausnahme sei. Und Bülent Ünal ergänzt: In den vergangenen Jahren habe sich die Meile positiv entwickelt – dank einer funktionierenden Kooperation zwischen Stadtamt, Polizei, Innen- und Sozialbehörde sowie den Betreibern der Diskotheken. Es gebe regelmäßige Treffen aller Beteiligten. Jeder werde ernst genommen, und alle Parteien hätten ein Interesse daran, dass es am Breitenweg positiv weitergeht.

Dieser Vorfall, da sind sich Disko-Betreiber und Polizei einig, beschreibt nicht den Alltag auf der Meile, sondern ist eine Ausnahme. „Wir sind seit längerer Zeit gar nicht in Erscheinung getreten mit Gewaltdelikten auf der Meile“, sagt Bülent Ünal, Club-Chef von La Viva und Privée sowie Sprecher der Interessengemeinschaft Meile. „Das ist der guten Zusammenarbeit mit der Polizei und ihrer verstärkten Präsenz zu verdanken.“

20.000 Einsatzstunden

Die taktische Ausrichtung sieht am Wochenende und zu relevanten Feiertagen den Einsatz geschlossener Einheiten der Bereitschaftspolizei vor, die je nach Situation in Gruppenstärke agieren, erklärt hierzu ein Polizeisprecher. „Die Jahres-Gesamtzahl an Einsatzstunden liegt bei etwa 20.000.“ Unter der Woche sind die Einsatzkräfte der Schutzpolizei eingebunden.

Insgesamt weist die Mehrjahresbetrachtung von Gewalt- und Eigentumsdelikten laut Polizei für den Bereich der Disko-Meile keine signifikante Veränderung auf. Im gesamtstädtischen Vergleich würden die Zahlen hier zwar einen vergleichsweisen hohen Wert erreichen, der aber im Mehrjahresvergleich ebenfalls keine großen Änderungen aufzeige.

Hintergrund: Umbau soll Diskomeile freundlicher machen

Die Kooperation zwischen Behörden und den Betreibern der Diskotheken ist ein Ansatz, um die Situation auf Bremens Diskomeile zu beruhigen, bauliche Umgestaltungen ein anderer: So soll eine Fahrspur vor den Clubs entfallen, um mehr Platz für Fußgänger und einen Radweg zu schaffen. Die zweite Spur soll an den Wochenenden nachts für Autos gesperrt werden. Zur Frage der konkreten Umgestaltung gibt es laut Baubehörde inzwischen einen ersten Entwurf des damit beauftragten Stadtplanungsbüros aus Berlin. Der Entwurf werde der Arbeitsgemeinschaft Meile am 29. Januar vorgestellt. Die Zielrichtung dabei: Das ganze Umfeld soll freundlicher und einladender werden. Dazu gehört unter anderem eine besser Beleuchtung, mehr Außengastronomie oder auch eine massive Holz-Tribüne, die als Windschutz dienen und gleichzeitig Sitzmöglichkeiten bieten könnte. Eine weitere Idee betrifft die Fläche unter der Hochstraße: Hier könnten eine Skateranlage und ein umzäunter Street-Basketball-Platz entstehen.

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