Energie-Einkauf

Rathauslicht brennt ohne swb

Bremen bezieht den Ökostrom für seine öffentlichen Gebäude bis Ende 2016 nicht über eine Tochter der swb, sondern vom EnBW-Konzern mit Hauptsitz im baden-württembergischen Karlsruhe.
28.12.2014, 00:00
Lesedauer: 3 Min
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Rathauslicht brennt ohne swb
Von Wigbert Gerling
Rathauslicht brennt ohne swb

Es werde Licht – das Rathaus gehört zu den öffentlichen Gebäuden und soll durch Ökostrom erstrahlen. Ein Auftrag zum Energieeinkauf geht nun an die EnBW mit Hauptsitz in Karlsruhe.

Frank Thomas Koch

Bremen hat im Mai beschlossen, dass es einen dreistelligen Millionenbetrag leiht, um sich beim Energieversorger swb in den Netzbetrieb auch zur Stromverteilung einzukaufen – und jetzt sorgt die Hansestadt dafür, dass dieses Unternehmen bei der Auftragsvergabe zur Lieferung von Strom für ihre öffentlichen Gebäude nicht zum Zuge kommt. Bremen bezieht den Ökostrom bis Ende 2016 nicht über eine Tochter der swb, sondern vom EnBW-Konzern mit Hauptsitz im baden-württembergischen Karlsruhe.

Im Frühjahr hatte sich der Senat darauf verständigt, dass sich Bremen mit 225 Millionen Euro beim Betrieb der swb-Versorgungsnetze einkauft. Vorlauf war eine Diskussion über die Rekommunalisierung, die Rückführung von Dienstleistungen unter staatliche Regie. Mitte Mai beschloss die Landesregierung dann, dass Bremen und Bremerhaven gemeinsam investieren, um sich zu 25,1 Prozent am Netzbetrieb der swb zur Strom-, Gas-, Wasser- und Fernwärmeversorgung zu beteiligen. Das sei für Bremen ein gutes Geschäft, so hieß es nach der Kabinettssitzung, weil der jährliche finanzielle Ertrag aus dem Netzbetrieb höher ausfalle als die Bedienung der Schulden koste. Es werde ein Plus von über 3,5 Millionen pro Jahr erwartet.

Das Parlament folgte der Landesregierung und billigte die Ausleihe der Investitionssumme von 225 Millionen. Dieser finanzielle „Einstieg“ Bremens, so hieß es in der parlamentarischen Debatte, komme dem swb-Standort in der Hansestadt zugute. Allein in der Netzgesellschaft arbeiteten in Bremen rund 550 und in Bremerhaven 190 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Zudem biete die Beteiligung eine Möglichkeit zur energiewirtschaftlichen Zusammenarbeit, was dem Ausbau regenerativer Energien diene.

Ämter und Betriebe der Hansestadt – von den Behörden bis zu den städtischen Krankenhäusern –

beziehen nach einer Verpflichtung durch den Senat ihren Strom aus umweltfreundlicher Erzeugung. Die Immobilien Bremen (IB), die im Namen der Stadt die öffentlichen Bauten betreut, wurde mit der Ausschreibung des Stromkaufs für die Zeit bis Ende 2016 beauftragt. Es geht bei dem Auftrag dem Vernehmen nach – einschließlich aller Nebenkosten wie Netzbenutzung oder auch Steuern – um ein finanzielles Volumen von etwa neun Millionen Euro.

Der Zuschlag geht nun aber nicht an das Unternehmen, mit dem Bremen künftig gemeinsam die Stromnetze betreibt, sondern nach Angaben aus Senatskreisen an die EnBW Sales & Solutions GmbH. Zur Begründung wird darauf verwiesen, dass damit der bremische Anspruch an eine umweltfreundliche Versorgung eingelöst werde. Die öffentlichen Gebäude bekämen Strom aus einem schwedischen Wasserkraftwerk, das erst im vergangenen Jahr ans Netz gegangen sei.

Dieser Hinweis auf das Alter der Anlage spielt für Bremen bei der Vergabe des Auftrags offenbar eine gewichtige Rolle. Die swb, so heißt es, könnte zwar ebenfalls mit Ökostrom aufwarten. Als 2012 der Zuschlag an ihre Vertriebsgesellschaft erteilt worden sei, seien als Quelle mehrere norwegische Wasserkraftwerke genannt worden, die allerdings nicht im vergangenen Jahr, sondern in der Phase von 1973 bis 2008 in Betrieb gegangen seien.

Zu den bremischen Vorgaben gehört es, dass die Belastung durch Kohlendioxid in den nächsten Jahren verringert wird. Diese Maßgabe gilt auch für die Vergabe des Strombezugs. In einer Senatsübersicht wird hervorgehoben, dass dabei Lieferungen aus möglichst neuen Anlagen ein besonderes Plus eingeräumt werde. Damit solle ein Anreiz gesetzt werden, in erneuerbare Energien und damit in den Klimaschutz zu investieren. Da die EnBW den Strombezug aus einer deutlich jüngeren Anlage als die swb anbiete, sei der Zuschlag an die Süddeutschen gegangen.

Der Pressesprecher der Immobilien Bremen, Peter Schulz, verwies darauf, dass sich ein niedrigeres Preisniveau beim Strom abgezeichnet habe und dieser Effekt mit der neuen Auftragsvergabe genutzt werden solle. Ziel sei es, den Ausstoß von Kohlendioxid zu verringern, sodass bei einer Vergabe der Strombezug aus jüngeren Anlagen berücksichtigt werde.

Die swb bedauert, dass das Unternehmen bei dieser Auftragsvergabe bis Ende 2016 nicht zum Zuge gekommen sei. Unternehmenssprecher Christoph Brinkmann: „Wir werden uns anstrengen, dass wir den Vertrag zurückbekommen – in zwei Jahren werden die Karten neu gemischt.“

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