Bremen Raummangel für Studierende

Bremen. An Bremens Hochschulen sind die Bewerberzahlen weiterhin hoch. Während man sich in Bremerhaven über den Zuwachs freut, wird die Bremer Universität im Herbst in manchen Bereichen wieder an ihre Grenzen geraten.
23.07.2013, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Raummangel für Studierende
Von Sara Sundermann

Bremen. An Bremens Hochschulen sind die Bewerberzahlen weiterhin hoch. Während man sich in Bremerhaven über den Zuwachs freut, wird die Bremer Universität im Herbst in manchen Bereichen wieder an ihre Grenzen geraten: Auf dem Campus herrscht nach Uni-Angaben deutlich spürbarer Raummangel, das Studentenwerk klagt über fehlende Wohnheimplätze.

24000 Schulabsolventen haben sich bislang an der Bremer Uni beworben. Dem stehen 5000 Studienplätze gegenüber, die zum Herbst vergeben werden. "Die Bewerberzahlen sind wie im vergangenen Jahr unverändert hoch, das ist schon ein sehr großer Ansturm", sagt Heidi Schelhowe, Konrektorin für Lehre und Studium an der Uni Bremen. Gründe für die hohe Nachfrage: Neben den Doppeljahrgängen und dem Wegfall der Wehrpflicht spiele auch eine Rolle, dass insgesamt immer mehr junge Leute studieren wollen, sagt Schelhowe: "Inzwischen bewirbt sich die Hälfte eines Abiturjahrgangs für ein Studium." Seit Jahren wächst die Uni: Von 2011 auf 2012 etwa hatte man die Zahl der Erstsemesterplätze von 3500 auf 5000 pro Jahr erhöht. Besonders beliebt ist der Studiengang Psychologie: Mehr als 4800 Bewerber kommen auf 143 Studienplätze.

Auch bei der Jacobs University ist ein Bewerberanstieg zu verzeichnen. Allerdings konnte eine Sprecherin der Privatuni gestern noch keine konkreten Zahlen nennen.

An der Hochschule Bremen ist die Lage entspannt: "Bei uns ist es nicht so schlimm wie bei den Unis, es ist alles im grünen Bereich", sagt Sprecher Sascha Peschke. "Die Studenten müssen nicht mit überfüllten Hörsälen rechnen, es sind genügend Kapazitäten vorhanden." Hier haben sich über 11900 Studierende beworben und damit sogar etwas weniger als im Vorjahr. Peschke führt das auf ein leichtes Abflauen der doppelten Abiturjahrgänge zurück. Von dieser besonderen Spitze abgesehen, steigen die Bewerberzahlen aber auch an der Hochschule konstant. Die meisten Interessenten bewarben sich für Soziale Arbeit, BWL oder Tourismus-Studien. Für Soziale Arbeit gab es in diesem Jahr 2622 Studierwillige – nur 80 von ihnen werden einen Platz bekommen.

Als ausgesprochen positiv beurteilt man das große Studieninteresse in Bremerhaven: 3890 junge Leute haben sich dort beworben, 200 mehr als im Vorjahr. "Wir wollen uns gerne erweitern, das tut der Hochschule und der Stadt gut", sagt Sprecherin Cornelia Driesen. Wegen der hohen Bewerberzahl würden in den Fächern ohne Numerus Clausus auch mehr Studierende aufgenommen. Es könnten knapp 1000 Plätze vergeben werden, schätzt Driesen. Um überfüllte Hörsäle müsse sich kein Student Gedanken machen.

An der Bremer Uni wird das im Herbst vermutlich ganz anders aussehen: Im vergangenen Jahr wurden manche Vorlesungen per Video in einen zweiten Hörsaal übertragen, weil der erste aus allen Nähten platzte. In beliebten Studiengängen seien nicht nur die Vorlesungen, sondern auch die Übungen überfüllt gewesen, sagt Jean-Jacques Dengler vom Studentenausschuss.

Für einzelne Veranstaltungen mussten externe Räume im Atlantik-Hotel angemietet werden. "In diesem Jahr gehen wir bislang davon aus, dass wir alle Veranstaltungen in Uni-Gebäuden unterbringen können", sagt Konrektorin Heidi Schelhowe. Dennoch bezeichnet sie die Raumsituation als "prekär", weil wenig investiert worden sei. "Der Raummangel ist sehr deutlich spürbar, im Prinzip bräuchten wir ein neues Gebäude für die Lehre." Die Uni sei deshalb derzeit in Gesprächen mit der Bildungssenatorin. "Außerdem haben wir großen Renovierungsbedarf. Ganz große Sorgen machen uns das Gebäude NW1 und die Geowissenschaften, dort ist die Bausubstanz stark angegriffen."

Die Bildungsbehörde verweist darauf, dass im Doppelhaushalt 2014/2015 insgesamt neun Millionen Euro für die Renovierung der Uni vorgesehen sei. "Das ist eine deutliche Erhöhung gegenüber zuletzt 2,5 Millionen Euro", sagt Michael Huesmann vom Wissenschaftsausschuss der Behörde. Zudem solle das Gebäude der Biologen, das NW 2, neu gebaut werden. Dort sei man derzeit in der Planungsphase.

Nicht zuletzt bringt der Studienauftakt im Herbst auch wieder ein Wohnungsproblem mit sich: "Es gibt einen riesigen Ansturm, und es wird wieder einmal zu wenig günstige Wohnungen geben", glaubt Hauke Kieschnick, stellvertretender Geschäftsführer des Bremer Studentenwerks. "Unsere 1900 Wohnheimplätze in Bremen und Bremerhaven werden bis Ende September wieder alle vergeben sein." Weiterhin würden 500 Plätze fehlen. Die Behörde prüft derzeit zwei neue Wohnheim-Standorte, einer davon am Waller Wied. Zudem überlege man, das Mensa-Wohnheim auf dem Campus zu renovieren, so Huesmann.

Indes: Selbst die Mensa rangiert nach Angaben des Studentenwerks längst an der Obergrenze. Sie sei für 5000 bis 6000 Essen ausgelegt, in Spitzenzeiten würden aber 7000 bis 8000 Essen ausgegeben.

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