Dreharbeiten zum inklusiven Spielfilm „Mae goes away“ mit Aufnahmen im Blockland so gut wie abgeschlossen

Raus aus dem Alltag – rein in die Rolle

Blockland. Scharenweise zog es am Sonntag Radfahrer auf den Blocklander Wümmedeich. Auch viele Besitzer klassischer Automobile und Traktoren waren dort mit ihren blitzeblank polierten Schätzen unterwegs in Richtung „Blockland-Partie“.
21.09.2017, 00:00
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Von Anne Gerling
Raus aus dem Alltag – rein in die Rolle

Mae (Elizabeth Dinh, v. l.), Clara (Isabel Gersiek) und Magda (Rebekka Otterstedt) suchen im Film auf ihrer Flucht Unterschlupf in einer Land-WG. Im Hintergrund fangen Marc Dauen (Ton), Roland Mayer (Kamera) und Regisseur Jürgen J. Köster die Szene ein.

Roland Scheitz

Blockland. Scharenweise zog es am Sonntag Radfahrer auf den Blocklander Wümmedeich. Auch viele Besitzer klassischer Automobile und Traktoren waren dort mit ihren blitzeblank polierten Schätzen unterwegs in Richtung „Blockland-Partie“. Was sie alle bei ihrer Ausfahrt entlang der Wümme nicht bemerkten: Die Filmcrew, die auf einem großzügigen Gartengrundstück gleich hinter den grünen Bücken und Hecken neben der Straße hoch konzentriert bei der Arbeit war.

Hoch konzentriert – dabei aber bestens gelaunt, wie sich um kurz nach zwölf Uhr mittags zeigte: „Alle auf Position. Szene 29, die Fünfte: Kamera – läuft. Ton – läuft. Uuund Klappe!“, hatte es da just geheißen – als mitten in die Stille und Spannung hinein ein Handy klingelt. Rundum sorgt dies für spontanes Gelächter und nicht etwa für eine Strafpredigt aus der Regie. Ob dieses Stimmungshoch vielleicht auch ein kleines Bisschen am guten Wetter lag?

Klarer blauer Himmel und Sonne; so ideal wie an diesem Tag – dem drittletzten Drehtag – waren die Bedingungen nicht immer für die Filmcrew, die in den vergangenen Monaten an mehr als 20 „Locations“ – im Bürgerpark, in der Silbermanufaktur Koch & Bergfeld und an unterschiedlichen Orten in Gröpelingen, in der Überseestadt, in Oberneuland und im Bremer Umland – zu beobachten war.

Produktionsleiter ist sehr zufrieden

„Wir sind sehr zufrieden, obwohl wir unter äußerst schwierigen Umständen drehen mussten, da der Sommer sehr verregnet war“, erzählt Produktionsleiter Achim Ballhausen. Seit April arbeiten er, Regisseur Jürgen J. Köster und insgesamt 105 Mitwirkende an dem Spielfilm „Mae goes away“. Darin wird die Geschichte einer Frau erzählt, die mühsam versucht, sich aus der Abhängigkeit von ihrem Mann zu befreien und ihr Leben selbst in die Hand zu nehmen.

Verantwortlich für das Filmprojekt ist die „Compagnons Cooperative inklusiver Film“, ein internationaler Zusammenschluss von Menschen mit und ohne Handicap, die 2014 mit „Apostel und Partner“ ihren ersten inklusiven Spielfilm produziert hat und nun mit Unterstützung der Initiative zur sozialen Rehabilitation und der Aktion Mensch das nächste Vorhaben realisiert. An 29 Drehtagen jeweils am Wochenende hieß es dabei für die Schauspieler: Raus aus dem Alltag und direkt rein in die Rolle. Denn viele der Beteiligten sind anderweitig berufstätig und haben deshalb nur sonnabends und sonntags Zeit. Der größte Teil der Dreharbeiten – darunter Innenaufnahmen, Nachtszenen und eine Massenszene mit vielen Statisten – ist inzwischen geschafft. Sechs Szenen sollten nun aber im Blockland noch „in den Kasten“.

Im Film versucht Hauptfigur Mae, mit einem Imbisswagen vor Ihrem eifersüchtigen Mann Chris zu fliehen; dabei landet sie schließlich bei einer Land-WG. Bevor diese Szenen jetzt gedreht werden konnten, hatte Produktionsleiter Achim Ballhausen erst einmal ein gewichtiges Problem zu lösen: Der ursprünglich eingeplante Imbisswagen hatte zwischenzeitlich einen Unfall-Totalschaden: „Wir mussten deshalb improvisieren und innerhalb von 14 Tagen einen neuen Wagen besorgen.“ Das Ersatzfahrzeug steht nun am Set bereit – für eine Szene, die zum Teil im Auto spielt, gilt es dabei jetzt eine technische Herausforderung zu meistern. „Das Problem: Wir haben eine Metallwand hinter den Sitzen“, erklärt Regie und Projektleiter Jürgen J. Köster. Kameramann Roland Mayer und Tonmeister Marc Dauen kommen deshalb nicht von hinten an die Darsteller heran, sondern müssen sich zwischen ihnen in der Fahrerkabine oder neben dem Wagen aufhalten.

Szene immer wieder gespielt

Immer und immer wieder wird die Szene gespielt und aufgenommen; Mayer und Dauen ändern dabei jedes Mal die Positionen von Kamera und Mikrofon, um verschiedene Einstellungen und Perspektiven zu bekommen. Denn das Budget gibt es nicht her, gleichzeitig mit mehreren Kameras zu arbeiten, deren Bilder später gegeneinander geschnitten werden können.

Den Darstellern verlangt diese Arbeitsweise einen besonders langen Atem ab. „Bleibt in der Rolle, haltet die Spannung“, ermuntert Köster sie während der Umbauphasen immer wieder. „Man macht das einfach und merkt das schon gar nicht mehr“, sagt Hauptdarstellerin Elizabeth Dinh, als schließlich auch diese Szene vom Team „gekauft“ ist. Für die Filmarbeit müsse man nicht nur konzentriert sein, erzählt sie, sondern wegen der wechselnden Wetterbedingungen auch körperlich fit. Nach Tagen, an denen stundenlang im Regen gedreht wurde, freut sie sich über die warmen Sonnenstrahlen, auch wenn hitzebedingt das Make-up schneller verläuft.

Eine Seite im Drehbuch entspreche etwa einer Minute im Film, erklärt Christine Sterl, die für die Filmklappe verantwortlich ist, mit der jede einzelne Szene und jede Einstellung eindeutig gekennzeichnet wird. Zwei Drehtage noch, dann sind alle 121 Szenen fertig und können beim Schnitt in die richtige Reihenfolge gebracht werden; dabei helfen dann die Klappen. Die Dreharbeiten seien eine schöne Erfahrung gewesen, erzählt Darsteller Theo Müller, bevor er sich an diesem sonnigen Sonntag auf sein Fahrrad schwingt: Für ihn war dies der letzte Drehtag. „Der Film hat bestimmt Ecken und Kanten. Ich bin mal gespannt, was daraus wird!“

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