Meine Haltestelle: Wer nicht als Pendler am Hauptbahnhof aus- oder umsteigt, wird gut unterhalten und bewirtet Raus aus dem Bus und rein ins Vergnügen

Bahnhofsvorstadt. Einen Knotenpunkt sondergleichen bilden die Haltestellen der Straßenbahnen, der Stadt-, der Disco- und der Regionalbusse am Hauptbahnhof. Täglich steigen dort rund 95000 Menschen ein, aus oder um. Berufspendler sind darunter, Bremer Fernreisende und Touristen. Wer nicht weiterfährt, hat es meist nicht mehr weit zur Arbeit oder auch ins Vergnügen, nicht nur während der Osterwiese oder des Freimarktes.
04.04.2011, 05:00
Lesedauer: 5 Min
Zur Merkliste
Von Katja Schirrow

Bahnhofsvorstadt. Einen Knotenpunkt sondergleichen bilden die Haltestellen der Straßenbahnen, der Stadt-, der Disco- und der Regionalbusse am Hauptbahnhof. Täglich steigen dort rund 95000 Menschen ein, aus oder um. Berufspendler sind darunter, Bremer Fernreisende und Touristen. Wer nicht weiterfährt, hat es meist nicht mehr weit zur Arbeit oder auch ins Vergnügen, nicht nur während der Osterwiese oder des Freimarktes.

Sechs Straßenbahnlinien (1, 4, 5, 6, 8 und 10) und vier Stadtbuslinien (24, 25, 26 und 27) halten parallel zueinander oder hintereinander an sechs Gleisen vor dem Hauptbahnhof. Die Haltestelle der Regionalbusse liegt in unmittelbarer Nähe, zwischen dem Pavillon der Bremer Straßenbahn AG (BSAG) und dem Bahnhofsgebäude. Die Linien 101, 102, 120, 121, 150, 226, 630, 660, 665, 670, 680, 730, 739, 740 und 750 fahren nach Niedersachsen, beispielsweise nach Worpswede, Stuhr oder Weyhe. Der Bus 150 legt die weiteste Strecke zurück - über Syke und Bruchhausen-Vilsen bis nach Hoya.

Aktiv im Alter

Ingrid Kromschröder fährt fast jeden Tag mit der Straßenbahnlinie 6 von der Wachmannstraße zum Hauptbahnhof. Von dort geht sie zum Seniorenbüro "Lebensart" am Breitenweg 1a. "Die vier Stationen dauern nur so ungefähr acht Minuten", sagt die Schwachhauserin. Im Seniorenbüro engagiert sie sich ehrenamtlich als Vorstandsvorsitzende und Administratorin, seit sie im Ruhestand ist. Die großen Buchstaben auf den Fenstern des Bürogebäudes sind von weitem zu sehen. "Wir bieten alten Leuten ein vielfältiges Angebot", sagt Ingrid Kromschröder. Besonders gefragt seien die Computer- und Internetkurse. 70 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter arbeiten für das Büro, die meisten von ihnen ehrenamtlich. Sie organisieren auch Reisen ins In- und Ausland sowie Tagesfahrten, leiten eine Malgruppe, eine Literaturrunde, einen Spieletreff oder das Klöncafé. Nähere Informationen unter Telefon 320549.

"Drei Schritte, und Sie sind im Überseemuseum", verspricht Wiebke Müller allen, die mit Bus und Bahn zum Hauptbahnhof fahren. Es sind große Schritte, zugegeben, aber sie führen nach Übersee. In dem Museum, Am Bahnhofsplatz 13, läuft gerade die Ausstellung "Erleben, was die Welt bewegt". Die Geschäftsführerin aus Horn-Lehe ist ganz fasziniert davon. "Es werden unterschiedliche Welten präsentiert." An einem Tag schaffe man es nicht, sich alles anzusehen. "Am besten, man sucht sich einzelne Aspekte heraus, die einen besonders interessieren", rät die Fachfrau. Weitere Informationen unter Telefon 16038101.

Witzig im Fritz

Das Schaumagazin Übermaxx verbindet das Überseemuseum mit dem Cinemaxx, einem modernen Großkino, in dem nicht nur Hollywoodfilme, sondern auch 3D-Filme und Filme in türkischer Sprache laufen. Die anderen Kinos in unmittelbarer Bahnhofsnähe haben ausgedient. In eines von ihnen, das einstige "U.T."-Kino An der Weide mit dem Tivoli-Saal, ist der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) gezogen.

Ein anderes, das ehemalige Filmstudio, ist im November 2010 als Varieté "Fritz" wiedereröffnet worden. Nur ein paar Gehminuten vom Hauptbahnhof entfernt, am Herdentorsteinweg 39, gibt es dort im Souterrain einen Mix aus Theater, Varieté, Musical, Oper, Gesellschaftstanz und Comedy, sogar eine Bremen-Revue. "In Bremen geht man zum Lachen in den Keller" steht über der Tür. "Wir haben ein buntes Programm zusammengestellt, da ist für jeden was dabei", sagt Ana Siska aus dem Viertel, die Pressesprecherin des Hauses. Timm Kulke aus dem Peterswerder hat das "Fritz" zusammen mit Christopher Kotoucek, Jens Meinke und Christian Schlemm gegründet und nach Emil Fritz benannt, dem Betreiber des 1967 geschlossenen Bremer Varietés "Astoria". Ana Siska gefällt die Lage des Hauses: "Wir sind nur drei Minuten vom Hauptbahnhof entfernt und haben drei Parkhäuser in der Umgebung. Das ist total zentral." Näheres unter www.fritz-bremen.de und unter Telefon 6391713.

Auf Tango Argentino, Salsa und Swing- und Lindy Hop hat sich das Tanzstudio Libertango, An der Weide 50, spezialisiert. Rena Jachens und Thomas Lotte zeigen, wie es geht. Der Tänzer und Tanzlehrer aus dem Peterswerder erklärt, warum ihn nicht nur die Kostüme begeistern: "Beim Tango erlebt man die faszinierendste Umarmung, die es im Paartanz gibt." Tangofreunde können sich jeden Freitag ab 21 Uhr in der Tangolounge in der"Kantine 5" zu Tangos, Milongas und Valsecitos umarmen lassen. "Jeder kann Tango lernen", glaubt Tangotänzerin Rena Jachens aus dem Viertel. Der nächste Crashkursus für Anfänger läuft am 14. und 15. Mai. Anmeldung unter Telefon 4984679.

Getanzt wird auch im "Club Loft", Bahnhofsplatz 5-7, wo unter anderem DJ Barfly aus dem Viertel auflegt, im "Tower", Herdentorsteinweg 7, natürlich auch in den Clubs der berühmt-berüchtigten Disco-Meile. Zu weiter entfernten Discos fahren am Wochenende Nachtschwärmerbusse (Fahrpläne unter www.vbn-bei-nacht.de).

Ein Rotlichtviertel in Bahnhofsnähe existiert in Bremen nicht. Das Schaufenster von "Beate Uhse" und die Werbung der Peepshows fallen zwischen Gartenfachgeschäften und Behörden, Apotheken, irischem Pub, Bäckereien und Imbissen nicht weiter auf. Die hässliche Hochstraße, deren Abriss immer wieder mal gefordert wird, nehmen viele Passanten schon gar nicht mehr wahr. Das sogenannte "Investorengrundstück" davor ist eine innerstädtische Brache, Anziehungsort für Skateboardfahrer.

Nobel im Hotel

Reisende, die in Bahnhofsnähe eine Unterkunft suchen, haben reichlich Auswahl, sogar bei den Drei- und Viersterne-Hotels. Nah am Gleis liegen das InterCityHotel und das neue Courtyard by Marriott Bremen. Im unmittelbaren Umkreis, bis zu 200 Meter vom Bahnhof entfernt, befinden sich unter anderem das Star Inn Columbus, das Hanseat, das Best Western Schaper-Siedenburg und das Best Western Hotel zur Post. Dessen stellvertretene Empfangschefin Hannah Heckrott begrüßt die Gäste in blauer Uniform. Die Schwachhauserin, die schon seit acht Jahren in dem Hotel angestellt ist, fährt mit der Straßenbahnlinie 6 oder 8 zu ihrem Arbeitsplatz am Bahnhofsplatz 11. "Ich steige am Stern oder in der Brahmsstraße ein, und dann bin ich ganz schnell am Bahnhof", sagt die junge Frau. Hoteldirektor Hartmut Deichsler ist 2001 als Empfangschef ins Best Western zur Post gekommen und seit 2010 Hoteldirektor. "Wir sind ein Traditionshaus. Die Leute fühlen sich wohl bei uns", sagt er und verweist

unter anderem auf den Wellnessbereich und das Café Hauptmeier.

Kreativ am Güterbahnhof

Uli Baumann aus dem Viertel, die weibliche Hälfte des Comedy-Duos "Charles & Erika" und Sängerin von "Bella Bordella und die Beatbuben", hat gemeinsam mit sechs anderen die "Schaulust" gegründet. Das Tor 48 des ehemaligen Güterbahnhofs wird zur Produktions- und Wirkstätte für Theater, Zirkus, Varieté Show, Kleinkunst, Tanz, Musik und Performance. Am 27. Mai soll es losgehen. "Uns ging es nicht darum, einen neuen Veranstaltungsort zu schaffen", sagt Uli Baumann. "Wir wollten eine Produktionsstätte für Künstler aus dem In- und Ausland schaffen, in der tage- und wochenlang geprobt und geübt werden kann." Noch werden Sponsoren gesucht. Näheres über das Theaterkontor Schildstraße unter Telefon 70 65 82. Am ehemaligen Güterbahnhof sind unter anderem auch der Kunst- und Kulturverein "Spedition" und das Künstlerhaus Güterabfertigung, die Galerie Herold zu finden. Am 5. Mai bricht dort der Kunstfrühling aus.

Der Bahnhofsplatz hat sich seit 1999 stark verändert. Bis dahin fuhren die Busse am Zentralen Omnibusbahnhof (ZOB) vor dem Überseemuseum ab. Der ZOB ist seitdem am Breitenweg, die Haltestellen der Busse und Straßenbahnen südöstlich des Bahnhofs, und die Fläche vor dem Museum, seit 2010 "Platz der Deutschen Einheit", ist eingesät. "Das Ziel des Umbaus der Haltestellenanlage war die Zentralisierung der Haltepunkte der verschiedenen Linien. Gute, sichere Erreichbarkeit in kurzer Zeit", sagt BSAG-Sprecher Jürgen Lemmermann. Dieses Ziel habe man erreicht. Die anfänglichen Bedenken, dass das Überqueren der Straßenbahngleise gefährlich sei, hätten sich nicht bestätigt. Vorsicht ist trotzdem geboten am Knotenpunkt Bahnhofsplatz, denn das Gedränge ist zu Hauptverkehrszeiten groß. Und schließlich sollen alle gut an ihrem Ziel ankommen. Um sich vom Alltag ablenken zu lassen, haben sie dann reichlich Gelegenheit.

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Einwilligung und Werberichtlinie

Ich erkläre mich damit einverstanden, dass die von mir angegebenen Daten dazu genutzt werden, regelmäßig per E-Mail redaktionelle Inhalte des WESER-KURIER seitens der Chefredaktion zu erhalten. Die Daten werden nicht an Dritte weitergegeben. Ich kann diese Einwilligung jederzeit formlos mit Wirkung für die Zukunft widerrufen, z.B. per E-Mail an widerruf@weser-kurier.de.
Weitere Informationen nach Art. 13 finden Sie unter https://www.weser-kurier.de/datenschutz

Schließen

Das Beste mit WK+