Brief an Bremer Jugendsenatorin

Ex-Lehrer will rechtslastige Zeitschrift auf den Index bringen

Die Militärzeitschrift „Schwerterträger“ ist Hans-Werner Ellerbrock ein Dorn im Auge. Nun will der frühere Berufsschullehrer aus Bremen dafür sorgen, dass sie auf dem Index jugendgefährdender Schriften landet.
29.06.2020, 05:00
Lesedauer: 2 Min
Zur Merkliste
Ex-Lehrer will rechtslastige Zeitschrift auf den Index bringen
Von Frank Hethey
Ex-Lehrer will rechtslastige Zeitschrift auf den Index bringen

Umstritten: die Militärzeitschrift Schwerterträger.

FR

Als Berufsschullehrer in Bremen hat Hans-Werner Ellerbrock oft genug erlebt, wie sich rechtsextremistisches Gedankengut in den Köpfen junger Menschen festsetzen kann. „Da hieß es dann auf einmal, der Holocaust habe in Wahrheit nie stattgefunden oder Deutschland sei gar nicht schuld am Kriegsausbruch“, sagt der 70-Jährige aus Hude im Landkreis Oldenburg.

Deshalb wurde er sofort hellhörig, als der WESER-KURIER im Frühjahr über die rechtslastige Militärzeitschrift „Schwerterträger“ in der Auslage des Kaufhauses Lestra in Horn berichtete. Nachdem er sich die Illustrierte selbst beschafft hatte, war für ihn klar: Das Magazin gehört auf den Index der jugendgefährdenden Schriften. In seinem Heimatlandkreis hat Ellerbrock das Verfahren jetzt in Gang gebracht. Doch dabei soll es nicht bleiben: Mit einem Brief an Jugendsenatorin Anja Stahmann (Grüne) will er auch Bremen ins Boot holen.

Lesen Sie auch

Penibel hat der streitbare Rentner die April-Mai-Ausgabe der „Schwerterträger“ unter die Lupe genommen. Jede Nummer der seit 2017 erscheinenden Vierteljahreszeitschrift beschäftigt sich nach Verlagsangabe mit dem militärischen Werdegang eines der 148 Schwerterträger der deutschen Wehrmacht. Gemeint sind die Träger der Auszeichnung „Eichenlaub mit Schwertern“, die ergänzend zum Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes verliehen wurde. Mit ausführlichen Einsatzberichten, Fotos und Karten will der Verlag die „Waffentaten“ der hochdekorierten Militärs würdigen.

Warnung vor Fanatisierung

Für Ellerbrock war das harter Tobak. In der gesamten Ausgabe werde der Krieg verherrlicht, passend dazu seien Nazi-Symbole auf Fotos oder Faksimiles zu sehen. Sein Fazit: „Die Seiten 3 bis 50 lesen sich wie Darstellungen von Frontberichterstattern.“ Von solchen Schilderungen könne man regelrecht infiziert werden, warnt Ellerbrock. „Diese einseitige Darstellung von Kriegshandlungen birgt die Gefahr einer Verrohung und Fanatisierung von Kindern und Jugendlichen.“ Ihre Entwicklung zu kritischen, toleranten und sozialen Menschen werde durch die Lektüre erschwert und in antidemokratische Bahnen gelenkt.

Die Indizierung kann der frühere Berufsschullehrer mit dem Zweitfach Politik aber nicht selbst beantragen, er muss sich an eine von bundesweit 800 Stellen wenden, die dazu befugt sind. In seinem Fall ist das die Kreisjugendpflege des Landkreises Oldenburg. Erst wenn die seiner Argumentation folgt und einen Antrag stellt, wird die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien aktiv. Ellerbrock ist zufrieden, der Kreisjugendpfleger teilt seine Einschätzung. Stimmt auch das zuständige Gremium der Prüfstelle zu, darf die indizierte Zeitschrift nicht mehr öffentlich angeboten und verkauft werden, sie ist dann nur noch „unter dem Ladentisch“ erhältlich.

Konzertierte Aktion in Vorbereitung

Allerdings gilt die Indizierung zunächst einmal nicht für sämtliche Ausgaben, sondern nur für das jeweils beanstandete Heft. Mit anderen Worten: Die nächste „Schwerterträger“-Ausgabe könnte wieder öffentlich ausliegen, wenn sich niemand daran stößt. Genau an diesem Punkt will Ellerbrock ansetzen, er möchte verschiedene Bundesländer für eine konzertierte Aktion gewinnen. „Es geht um die Frage, wie das Land Bremen zu präventiven Maßnahmen steht“, sagt er. „Im Vorfeld etwas zu tun ist besser, als wenn es zu spät ist.“

Bremen könnte sich laut Ellerbrock die August-Ausgabe der „Schwerterträger“ vornehmen. Anfang vergangener Woche hat er Jugendsenatorin Stahmann geschrieben, nun wartet er gespannt auf Antwort. Danach wäre dann wieder ein anderes Bundesland an der Reihe. Doch womöglich erübrigt sich das. Heißt es doch im Jugendschutzgesetz, ein Periodikum könne drei bis zwölf Monate auf dem Index landen, wenn in Jahresfrist zwei Folgen beanstandet werden.

Lesen Sie auch

Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+