Bremer Linksfraktion empört über Hooligan-Konzert

Rechtsrock beschäftigt die Bürgerschaft

Bremen. Mit Beginn des Prozesses um den Überfall auf den Ostkurvensaal gerät auch der Rechtsrock wieder in den Fokus. Der Hintergrund: Hannes O., Sänger der Bremer Hooligan-Band "Kategorie C - Hungrige Wölfe", ist einer der sieben Angeklagten.
22.09.2011, 05:00
Lesedauer: 2 Min
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Von Mario Assmann

Bremen. Mit Beginn des Prozesses um den Überfall auf den Ostkurvensaal gerät auch der Rechtsrock wieder in den Fokus. Der Hintergrund: Hannes O., Sänger der Bremer Hooligan-Band "Kategorie C - Hungrige Wölfe", ist einer der sieben Angeklagten. In der Szene genießen er und seine Gruppe Kultstatus. Bei rechten Skinheads ist die Band vor allem wegen ihrer gewaltverherrlichenden Lieder beliebt, schreibt der Landesverfassungsschutz in seinem aktuellen Bericht.

Nun beschäftigt "Kategorie C - Hungrige Wölfe" auch die Bürgerschaft und den Senat. Denn die Gruppe ist unlängst im Bremer Westen aufgetreten - und hat so das erste Rechtsrock-Konzert auf stadtbremischem Gebiet seit Jahren gegeben.

Der Auftritt in Oslebshausen erfolgte im Juni, offenbar im Zuge einer bundesweiten Tournee. Dass das Konzert vor rund 300 Zuhörern stattfinden konnte und von der Polizei nicht abgebrochen wurde, empört die Linksfraktion in der Bürgerschaft. Bei der Veranstaltung seien "Dutzende Offizialdelikte, etwa das Zeigen des Hitlergrußes", dokumentiert worden. Die Behörden hätten die Straftaten aber nicht verfolgt; das Innenressort schweige dazu beharrlich. Kristina Vogt, Vorsitzende und innenpolitische Sprecherin der Linksfraktion: "Der öffentliche Umgang mit Neonazi-Konzerten soll offenbar totgeschwiegen werden." Der Senat müsse endlich die "praktizierte Zurückhaltung gegenüber der militanten Naziszene aufgeben".

Unterdessen hat die Band "Kategorie C - Hungrige Wölfe" schon ihren nächsten Auftritt in Bremen angekündigt. Auf ihrer Internetseite wirbt sie für ein Konzert am 19. November. Nach eigenen Angaben ist die Gruppe in diesem Jahr unter anderem bereits in Berlin, Bochum und Kaiserslautern, Leipzig und Oberhausen aufgetreten. Sogar in Moskau sowie Budapest will sie gewesen sein.

Während "Kategorie C" - eigentlich der Polizeibegriff für gewaltsuchende Fußballfans - als Hooligan-Band einzuordnen ist, soll sich mit "Bunker 16" eine recht neue Bremer Skinhead-Band gegründet haben. Als solche sind bisher "Endlöser", "Endstufe", "Strafmass" und "Hetzjagd" in Erscheinung getreten. Wie aber das Mediennetzwerk Recherche Nord bestätigt, hat im Ruhrgebiet im Februar dieses Jahres der erste öffentliche "Bunker 16"-Auftritt stattgefunden. Darüber hinaus soll die Gruppe im Mai ihre erste CD veröffentlicht haben. Alle "Bunker 16"-Mitglieder gehörten der rechten Szene an, so Recherche Nord. Mit der Neugründung bestätige sich, dass Bremen ein bedeutender Standort in Sachen Rechtsrock sei. Für die Szene ist diese Musik von unschätzbarer Bedeutung: Sie stiftet Identität, wirkt als sozialer Kitt, verbindet Skinheads, Neonazis und rechtsextremistische Parteien.

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