Entsorgungsstelle in Bremen-Osterholz

Wirrwarr um Recyclingstation

Nahe dem Weserpark könnte es eine Recyclingstation in Osterholz geben. Umweltressort und Ortspolitik sind dafür, die Wirtschaftsförderung will die Fläche aber nur temporär vergeben. Das sorgt für Streit.
21.09.2020, 05:00
Lesedauer: 3 Min
Zur Merkliste
Wirrwarr um Recyclingstation
Von Pascal Faltermann
Wirrwarr um Recyclingstation

Für Osterholzer und Mahndorfer Bürger fehlt eine Recyclingstation. Zu einem möglichen Standort gibt es aktuell einen Interessenkonflikt.

Daniel Naupold

Das Thema Recyclingstation schlägt im Bremer Osten seit Monaten hohe Wellen. Eine Bürgerinitiative und die Ortspolitik fordern vehement eine Lösung für das Entsorgungsproblem, nachdem im September 2019 die Station am Weserpark geschlossen wurde. Mit dem Grundstück „An Krietes Park“ in Osterholz ist ein potenzieller Ort für einen Neubau identifiziert.

Doch um die Fläche streiten sich aktuell die Umwelt- und die Wirtschaftsbehörde. Dabei prallen die unterschiedlichen Interessen der Bremer Stadtreinigung (DBS) und der Wirtschaftsförderung Bremen (WFB) aufeinander. Die einen suchen eine Fläche, die anderen wollen sie vermarkten. Zwischen den Senatorinnen, Staatsräten und der Geschäftsführerin der Stadtreinigung gibt es dazu einen Schriftverkehr. Bislang ohne Lösung.

In einem Schreiben vom 9. September bittet Umweltsenatorin Maike Schaefer (Grüne) ihre Kollegin Kristina Vogt (Linke) um Unterstützung, die Fläche, die hinter einem großen Baumarkt liegt, für den Bau einer Entsorgungsstation zur Verfügung zu stellen. Die DBS habe ein „außerordentliches Interesse an diesem Grundstück“, heißt es in dem Brief. Am 14. September erteilt Wirtschaftsstaatsrat Sven Wiebe in einem anderen Schriftverkehr an die Geschäftsführerin der Stadtreinigung, Daniela Enslein, den langfristigen Plänen im Prinzip eine Absage. Ihm sei bewusst, dass sich die DBS in einer „misslichen Lage“ befinde und ein Grundstück für einen Ersatzstandort benötige. Allerdings sei das Wirtschaftsressort nur dazu bereit, das Grundstück „An Krietes Park“ für eine temporäre Lösung von bis zu fünf Jahren zu Verfügung zu stellen. Stattdessen schlägt Wiebe vor, bei der Entwicklung des Gewerbegebietes Nußhorn einen Ersatzstandort mit einzuplanen. Für dieses Gebiet muss allerdings noch ein Bebauungsplan erstellt werden, was vier bis fünf Jahre dauern kann.

Lesen Sie auch

„Ein temporärer Standort kommt für uns aufgrund hoher Investitionskosten nicht infrage“, sagt Jens Tittmann, Sprecher des Umweltressorts, auf Nachfrage. Die Behörde befürworte eine Entsorgungsstation auf der vorgeschlagenen Fläche. In einen Neubau könnte eine sechs- bis siebenstellige Summe fließen, heißt es. „Wir wollen eine wohnortnahe Versorgung mit Recyclingstation, dafür ist Osterholz als Standort wichtig“, so Tittmann. Die Suche nach einem Grundstück gestalte sich aber schwierig. Bremen habe auf die Einwohnerzahl gerechnet eines der dichtesten Versorgungsnetze in Deutschland an Recyclingstationen.

„Gewerbeflächen sind knapp. Deswegen haben wir ein hohes Interesse daran, diese Gebiete einer kommerziellen Nutzung zuzuführen“, sagt Kai Stührenberg, Sprecher der Wirtschaftsbehörde. Dass der Standort „An Krietes Park“ über einen längeren Zeitraum nicht vermarktet wurde, sei dem Umstand geschuldet, dass Naturschutzfragen nicht geklärt waren, heißt es im Schreiben des Wirtschaftsressorts an die Stadtreinigung. Zudem sei man verwundert, dass eine funktionierende Recyclingstation, wie sie am Weserpark bestand, ohne ein Konzept für einen Ersatzstandort geschlossen worden sei und dann wegen des öffentlichen Drucks unabgestimmt ein Grundstück aus dem Sondervermögen Gewerbeflächen (gehört zum Wirtschaftsressort) in den Fokus rücke.

„Es ist komplett unverständlich, dass sich mehrere Beteiligte, die zusammen Bremens Regierung bilden, gegenseitig Briefe schreiben“, sagt Wolfgang Schäfer von der Bürgerinitiative Recyclinghof Osterholz. Wenn das Oppositionsparteien wären, könnte man das vielleicht verstehen. „Aber so ist das doch kaum zu glauben, da scheint doch irgendwas nicht ganz glatt zu laufen.“

Lesen Sie auch

Das Grundstück „An Krietes Park“ sei ein ideales Gebiet für eine Recyclingstation im Bremer Osten, weil dort die entsprechende Infrastruktur vorhanden sei und in dem Industriegebiet keine Bewohner durch Lärm gestört werden, so Wolfgang Schäfer. „Ich kann nicht verstehen, warum die Wirtschaftsbehörde die Fläche nicht hergibt“, sagt er. Seit bestimmt mehr als zehn Jahren würde die Wirtschaftsförderung Bremen (WFB) vergeblich versuchen, dort Gewerbe anzusiedeln. Die WFB verwaltet die Fläche, die für einen Neubau infrage kommt.

Die Bürgerinitiative, die sich für den Erhalt und den Neubau einer Recyclingstation am Weserpark einsetzte, hatte mit der Übergangslösung „An Krietes Park“ einen kleinen Erfolg errungen. Die Zwischenlösung auf einem Betriebsgelände vom Umweltbetrieb Bremen (UBB) liegt etwas versteckt, aber bis in den November hinein können die Osterholzer und Mahndorfer Bürger dort an einigen Müllcontainern und zwei Müllwagen ihre Grünabfälle entsorgen, sonnabends von 8 bis 14 Uhr. Genau auf der gegenüberliegenden Seite soll nach dem Willen der Bürgerinitiative und des Beirats Osterholz nach Möglichkeit der Ersatzbau für die geschlossene Recyclingstation im Weserpark entstehen. „Warum wird dort nicht weiter gemacht?“, fragt Schäfer.

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+