Ausschuss gegen Galoppsport

Beiräte wollen keine weiteren Pferderennen auf Bremer Rennbahngelände

Auf der Galopprennbahn in Sebaldsbrück sollen keine weiteren Galopprennen stattfinden. Der zuständige Regionalausschuss hat in seiner jüngsten Sitzung deutlich gegen weitere Rennen votiert.
29.01.2021, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Christian Hasemann und Gerald Weßel

Der Regionalausschuss Rennbahngelände hat einem Antrag zugestimmt, der weitere Galopprennen auf dem Gelände auch als Zwischennutzung ausschließen soll. Stattdessen möchte eine Mehrheit des Ausschusses die Planungen für einen Weg über das Gelände vorantreiben. Das Gremium, das sich aus Vertretern der betroffenen Ortsbeiräte Hemelingen und Vahr zusammensetzt, drückt mit seinem Votum gegen weitere Renntage und für den Bau eines Weges quer über das Geläuf aufs Tempo und stellt sich damit gegen die Bürgerinitiative und den Rennverein, die zunächst ein Gesamtkonzept für das Gelände erwarten.

Der Abstimmung ging eine Diskussion voraus, die sich aufgrund der zahlreichen Wortmeldungen derart in die Länge zog, dass die Sitzung in die späten Abendstunden verlängert werden musste. Mehrere Ausschussmitglieder und anwesende Bürger störten sich an dem Passus, der zukünftige Renntage ausschließen würde und forderten, diesen aus dem Antrag zu streichen. Das lehnten die Fraktionen, die den Antrag eingereicht hatten, ab.

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Die Diskussion wurde von zwei Positionen geprägt: Zum einen, dass es sich derzeit verbiete, den Entscheidungen des Runden Tisches Galopprennbahn vorzugreifen und eine einzelne Sportart im Vorfeld bereits auszuschließen. Der Großteil der Ausschussmitglieder dagegen ist der Ansicht, dass es für andere Nutzungen hinderlich wäre und unverhältnismäßig hohe Kosten verursachen würde, wenn das Gelände für den Galoppsport vorgehalten würde.

„Da muss man sich entschieden und Prioritäten setzen“, formulierte der Sprecher des Beirates Vahr, Bernd Siegel (SPD), die Positionen der Parteien hinter dem Antrag. Das Hemelinger Beiratsmitglied Carsten Koczwara (Die Partei) sagte: „Es ist ein elitärer Sport, der aber überall auf dem absteigenden Ast ist.“ Deshalb sei es auch in Bremen höchste Zeit, die Fläche frei für andere Nutzungsarten zu machen, die einer Vielzahl an Bürgern zugutekomme. Im Ergebnis stimmten drei Mitglieder des Ausschusses gegen den kurzfristig von der SPD, den Grünen und den Linken eingebrachten Antrag. Mit acht Ja-Stimmen fiel das Ergebnis dennoch eindeutig aus.

Zunächst die nächste Sitzung des Runden Tisches abwarten

Eine endgültige Entscheidung ist damit allerdings nicht gefallen, denn über mögliche Zwischennutzungen auf dem Gelände an der Ludwig-Roselius-Allee berät eine Lenkungsgruppe aus Vertretern der Zwischenzeitzentrale (ZZZ), die von der Stadt mit der Erstellung von Zwischennutzungskonzepten beauftragt ist, des Wirtschafts-, des Bau- sowie des Finanzressorts. Aus dem Bauressort heißt es dazu, dass zunächst die nächste Sitzung des Runden Tisches am 12. Februar abgewartet werden solle.

Für Marco Lübke (CDU) ist der gemeinsame Antrag von SPD, Grünen und Linken ein Affront gegen die Arbeit des Runden Tisches. „Ich bin fassungslos, da tritt man die Bürgerbeteiligung mit Füßen. Ein katastrophales Signal“, sagt der CDU-Bürgerschaftsabgeordnete, der selbst Teilnehmer des Runden Tisches ist.

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Der Runde Tisch, an dem unter anderem Vertreter der Beiräte, der beteiligten Ressorts sowie der Bürgerinitiative teilnehmen, soll vor allem nach Ideen und Vorschlägen für eine langfristige Nutzung des Geländes suchen. Im Gespräch ist der Bau eines Fuß- und Radweges über das Gelände, der die Vahr mit Hemelingen verbinden würde.

Teil des interfraktionellen Antrages ist deshalb nicht nur der Ausschluss von weiteren Galopprennen, sondern auch die Forderung nach einer „Öffnung des Geländes ohne weiteren Aufschub“, wie es im Antrag heißt. Darüber hinaus solle ein Rad- und Fußweg angelegt und eine Verbindung zwischen dem Carl-Goerdeler-Park und dem Kleingartenverein im Holterfeld geschaffen werden. Daneben sollen außerdem Flächen zur Naherholung sowie zur Nutzung durch Bürger angelegt werden.

Nicht unmöglich, aber teuer

Tatsächlich hatte zu Beginn der Sitzung Thomas Knode, zuständig für Grünflächen im Bauressort, die ersten Ideen für einen Weg über das Gelände vorgestellt. Quintessenz für Gegner und Befürworter von Galoppsport auf dem Gelände: Ein Weg über das Geläuf würde Rennen zwar nicht unmöglich, aber durch die notwendigen Bauarbeiten teuer machen. Knode dazu: „Pferdesport und eine Wegeverbindung vertragen sich nicht wirklich.“

Der schnelle Bau einer dauerhaften Wegeverbindung aber, das wurde an diesem Abend deutlich, wird von den Beiräten unterstützt: Bei lediglich einer Nein-Stimme stimmte der Regionalausschuss dafür, die Planungen für die vorgeschlagene Verbindung voranzutreiben.

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