Was beim Auffinden verletzter oder toter Hunde und Katzen zu beachten ist Registrierung von Tieren hilft

Schwanewede/Landkreis Osterholz. Eine Hunde­besitzerin aus Osterholz vermisst ihren Vierbeiner und macht den Verlust in sozialen Netzwerken publik. In einem Bus meint eine Frau, den Pekinesenmops an der Seite eines Mannes zu erkennen.
06.04.2017, 00:00
Lesedauer: 4 Min
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Von Alexander Bösch

Schwanewede/Landkreis Osterholz. Eine Hunde­besitzerin aus Osterholz vermisst ihren Vierbeiner und macht den Verlust in sozialen Netzwerken publik. In einem Bus meint eine Frau, den Pekinesenmops an der Seite eines Mannes zu erkennen. Der Fahrer kontaktiert die Polizei. Während der Mann sich auf der Wache in Widersprüche verwickelt, kann die herbeigeeilte Besitzerin ihren „Benji“ glücklich in die Arme schließen (Die Norddeutsche berichtete). In Facebookgruppen wie „Hunde in OHZ“. „Schwanewede schnackt“ oder „Entlaufen und zugelaufen in OHZ“ suchen betrübte Herrchen und Frauchen regelmäßig nach vermissten Vierbeinern, oftmals mit Erfolg. Was aber, wenn Hunde oder Katzen tot oder schwer verletzt gefunden werden?

Petra Rück und Ivonne Berger kennen sich mit solchen Schicksalen aus. Petra Rück und ihr Mann Martin bieten in ihrer Tierbestattung „Sternenhimmel“ in Walle Kleintierbestattungen samt Einzel- oder Sammeleinäscherung an. Beim Internetportal totehunde.de ist Petra Rück für den Bereich Niedersachsen und Bremen tätig. Hier können Hunde­besitzer erkunden, ob ihre vermissten Vierbeiner möglicherweise angefahren wurden, ob sie verletzt oder ums Leben gekommen sind.

„Viele Hunde aus Rumänien, Spanien oder Polen, die an Autobahnraststätten ihren neuen Besitzern übergeben werden sollen, reißen sich los, laufen auf die Autobahn und werden überfahren“, weiß die Tierfreundin. Ein einfaches Halsband reiche meist nicht aus. „Die Tiere kennen die Situation nicht und winden sich wie Aale. Da wäre ein drei- bis vierfaches Geschirr im Hals- und Brustbereich nötig“, sagt Rück, die angesichts solch tragischer Vermittlungen schon mal von „zu Tode gerettet“ spricht. Von in Facebookgruppen geposteten Bildern zu diesem Sachverhalt hält sie aus Pietätsgründen wenig. Auf einer Seite wie totehunde.de seien die Nutzer immerhin vorgewarnt, dass hier Bilder verletzte oder tote Tiere zu sehen sind.

Bei einem grausamen Fall in Rade Mitte Februar wurde Petra Rück als Expertin hinzugerufen. An einem Weg in Höhe des Rader Sandwegs war eine junge Frau mit ihrem Hund spazieren gegangen. Plötzlich schnüffelte ihr Hund aufgeregt an einem Graben. Wenig später macht die Frau eine grausige Entdeckung: Ein großer, zwischen 30 und 40 Kilo schwerer Hund war an der Oberfläche vergraben worden. Mit Unterstützung von Ivonne Berner vom Tierschutzverein OHZ, die in der Nähe eine Pflegestelle für Katzen unterhält, legten beide das Tier frei.

Am nächsten Tag wurde Rück als Expertin mit ihrem Chiplesegerät dazugeholt. „Das Tier hatte eine Schulterhöhe von 50 Zentimetern und keinen Chip. Der Hund hatte eine verkrüppelte Pfote mit einer etwa zehn Zentimeter langen Kralle und starke Verfilzungen unter den Pfotenballen“, berichtet sie. Anhand des Gebisses konnte sie feststellen, dass es sich um einen etwa sechs Jahre alten Rüden handelte.

Trotz einer Anzeige bei der Polizei und einer Meldung beim Ordnungsamt konnte der Halter bislang nicht festgestellt werden. Petra Rück vermutet, dass der Hund versteckt gehalten wurde und sein Verschwinden niemandem aufgefallen ist oder dass der Halter einen weiten Anfahrtsweg in Kauf genommen hat, um das Tier zu entsorgen.

Äußere Anzeichen von Verletzungen seien nicht ersichtlich gewesen. Mutmaßlich sei das Tier an Altersschwäche oder einer Krankheit verstorben. Bereits ein Jahr zuvor sei ganz in der Nähe dieses Wirtschaftswegs ebenfalls ein großer Hund vergraben worden. „Wäre das ein Bauernhofhund gewesen, hätte der Besitzer ja die Möglichkeit gehabt, ihn auf seinem Grundstück zu begraben“, so Rück. Sie hält diese Möglichkeit daher für unwahrscheinlich. Auch die Nachfrage bei Tierärzten in der Umgebung habe keine Erkenntnisse erbracht. Auf dem Portal „totehunde.de“ ist heute noch das Bild des Tieres zu sehen.

Im Falle vermisster Hunde, Katzen oder Kaninchen ist für die Gemeinden Hambergen, Ritterhude und Schwanewede das Tierasyl „Heimatlos“ in Wittstedt zuständig. Auch bei Ivonne Berner vom Tierschutzverein Osterholz gehen pro Jahr bis zu 600 Anrufe besorgter Halter ein. „Ich habe eine verletzte Katze entdeckt, was soll ich tun? Bei solchen Anrufen versuche ich, Ratschläge zu geben“, erzählt sie.

Ist das Tier beim deutschen Haustierregister oder über das Register Tasso registriert und gechippt, ist die Ermittlung leichter. „Wir vom Tierschutzverein arbeiten ja alle ehrenamtlich und können nicht überall in der Nachbarschaft fragen, ob jemand sein Haustier vermisst“, erläutert Ivonne Berner. In ihrer Katzenpflegestelle in Rade kümmert sich die Tierfreundin um ausgesetzte Samtpfoten und auf der Straße umherirrende Katzenkinder, die ihr gemeldet oder bei ihr abgegeben werden. Wild lebende, tragende Katzen haben die Gelegenheit, hier ihren Nachwuchs zu bekommen. Geimpft und gechippt werden sie dann wieder in die Freiheit entlassen.

Über die Homepage des Tierschutzvereins Osterholz werden ständig Hunde und Katzen vermittelt. Dort können aber auch vermisste Vierbeiner gemeldet werden. Fünf Futterstellen im Landkreis haben sich zu beliebten Anlaufstellen für streunende Katzen entwickelt.

Wer in Schwanewede ein angefahrenes und verletztes, erkranktes oder totes Tier entdeckt, soll sich umgehend an die Ge­meinde wenden. „Es kommt dann jemand von der Abteilung Gefahrenabwehr vorbei“, erläutert Dieter von Bistram vom Ordnungsamt. Gerade in Zeiten der Vogelgrippe könnten verendete Tiere auch Seuchen verbreiten. Auf Weiden, Feldern oder Gütern sammeln die Mitarbeiter daher auch verendete Vögel ein und halten Rücksprache mit dem Veterinäramt Osterholz und dem Landkreis, wie vorgegangen werden soll. Die Mitarbeiter der Gefahrenabwehr kümmern sich gemeinsam mit dem Veterinäramt um die sach- und fachgerechte Vergrabung, etwa in Plastiksäcken und Decken. Bei größeren Tieren ist die Tierkörperbeseitigungsanstalt TUBA zuständig, die eine Firma in der Nähe von Rotenburg beauftragt.

Bei Verdacht auf einen unnatürlichen Tod der Tiere oder einen Verstoß gegen das Tierschutzgesetz werden weitere Behörden wie die Polizei und der Tierschutz eingeschaltet. So erregte vor einigen Jahren ein Fall die Gemüter, bei dem ein toter Hund mit zusammengebundenem Maul und zugebundenen Vorderläufen von Spaziergängern in Leuchtenburg entdeckt worden war. Selbst ein in der Weser verendeter Wal gehörte zu den bearbeiteten Fällen.

Mit Blick auf den erwähnten Fall in Rade gibt Dieter von Bistram übrigens eine eindeutige Empfehlung. „Ein Tier freizulegen ist in Ordnung, aber dann soll man es nicht vorübergehend am Wegesrand ablegen, sondern uns sofort informieren.“ Weitere Passanten könnten das Tier sonst ebenfalls entdecken und den Fall unnötigerweise nochmals bei den Behörden melden.

Besorgte Tierhalter können sich im Internet unter www.tierschutzvereinohz.de und www.totehunde.de informieren.
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